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Kampf gegen Missbrauch Beauftragter fordert besseren Kinderschutz

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Kitas und Schulen setzen bereits einzelne Maßnahmen um, aber ein Konzept zum Schutz der Kinder haben die wenigsten Einrichtungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Laut Regierung werden 10.000 Mädchen und Jungen in Deutschland jährlich Opfer sexueller Gewalt. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert die Länder daher auf, stärker präventiv zu handeln. Auch Familienministerin Giffey will sich dafür einsetzen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Bundesländer aufgefordert, deutlich mehr in den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch zu investieren. Kitas, Schulen, Sportvereine und andere Einrichtungen bräuchten dringend mehr Unterstützung für ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt, sagte Rörig in Berlin. "Von alleine und zum Minimaltarif werden maximaler Schutz von Jungen und Mädchen und optimale Hilfe nicht erreicht werden."

Rörig legte einen Bericht über Vorkehrungen gegen Missbrauch in Kinder- und Jugendeinrichtungen vor, zu denen Kitas, Schulen, Heime, kirchliche Einrichtungen, Sportvereine, Kliniken und Internate zählen. Das Deutsche Jugendinstitut hatte dafür fast 5000 Einrichtungen gefragt, welche Maßnahmen sie bisher umgesetzt haben. Das Ergebnis: Es gibt zwar Fortschritte, aber viele Einrichtungen sind selbst nicht der Meinung, dass sie ausreichende Konzepte haben.

Die Mehrheit der Kitas oder Schulen gab in der Befragung an, einzelne Maßnahmen ergriffen zu haben. Bei der Selbsteinschätzung, ob sie ein umfassendes Schutzkonzept hätten, stimmten aber nur 13 Prozent der Schulen und 22 Prozent der Kitas zu. Etwas besser schätzen sich Heime (33 Prozent) und Internate (28 Prozent) ein. Mögliche Präventions- und Schutzmaßnahmen sind etwa Fortbildungen der Mitarbeiter, geregelte Beschwerdeverfahren bei Auffälligkeiten, festgelegte Handlungspläne bei Verdachtsfällen oder direkte Ansprechpartner.

Rörig forderte gesetzliche Regelungen. Die Einrichtungen müssten zu Schutzkonzepten verpflichtet werden. Die Bundesländer sollten zudem eigene Missbrauchsbeauftragte einstellen und mehr Personal und Geld bereitstellen. Nötig seien Investitionen im dreistelligen Millionenbereich.

In jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder betroffen

10.000 Mädchen und Jungen in Deutschland werden Rörig zufolge jedes Jahr Opfer sexueller Gewalt. "Wenn man sich die Dunkelfeldstudien anschaut, müssen wir davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder sind, die von Missbrauch betroffen sind", sagte er. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sagte, man sei vor allem dort vorangekommen, wo es verbindliche Vorgaben gebe, aber von flächendeckenden Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt und ihrer Umsetzung noch weit entfernt. Sie kündigte für den Herbst die Einberufung eines "Nationalen Rats gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen" an. Die Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Katja Suding, sagte, sie teile die Forderung des Missbrauchsbeauftragten. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen gelinge nur dann, wenn die pädagogischen Fachkräfte sensibilisiert seien.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, sagte, er sei "dankbar für die differenzierten Hinweise" des Berichts. "Die Ergebnisse des Monitorings zeigen aber auch, dass die vorhandenen Anstrengungen weiter verstärkt werden müssen." Die katholische Kirche hatte sich 2016 verpflichtet, die Einführung von Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen in ihren Strukturen bestmöglich zu unterstützen. Massenhafter Missbrauch von Kindern, der teils Jahrzehnte zurückliegt, hatte die katholische Kirche in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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