Politik

Mysteriöser Brief in den Akten Bericht: Neonazis schrieben Peggys Mutter

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Erst im Juli 2016 werden die Überreste von Peggy in einem Waldstück zufällig entdeckt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Fall der getöteten Peggy gibt es eine neue Verbindung in die rechtsextremistische Szene. Peggys Mutter erhielt offenbar wenige Tage nach dem Verschwinden ihrer damals neunjährigen Tochter einen von Neonazis verfassten Hassbrief.

"Der Brief ist beleidigenden Inhalts. In schlimmster Weise geschrieben. Offensichtlich von einem äußerst rechts orientierten Menschen. Der Brief löst bei Frau Susanne Knobloch einen Weinanfall aus. Sie kann sich kaum beruhigen." Mit diesen Worten beschreibt die "Soko Peggy" nach Angaben der "Bild"-Zeitung einen Hassbrief, der an ihre Mutter adressiert war.

Der Brief stammt dem Bericht zufolge aus Peggys Ermittlungsakten. Die Ermittler hätten ihn abgefangen und elf Tage nach dem Verschwinden der damals Neunjährigen an die Mutter des Mädchens übergeben, schreibt die "Bild". Er sei maschinengeschrieben auf pergamentartigem Papier. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigte die Existenz eines solchen Briefes unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Es werde nach wie vor in alle Richtungen ermittelt.

Der Inhalt des Briefes soll auf den Übertritt der Mutter zum Islam anspielen und darauf, dass sie mit einem Türken zusammenlebte und manchmal ein Kopftuch trug. Nach Angaben der "Bild" heißt es darin, die Mutter habe ein so "arisches Kind wie Peggy" nicht verdient.

Die Anwältin der Mutter, Ramona Hoyer, ging davon aus, dass Peggys Mutter zu dem Brief und zum rechtsextremen NSU nun nochmals befragt werde. Es sei wahr, dass der damalige Lebensgefährte der Mutter Türke war und ihre Mandantin sich dem Islam zugewandt habe, sagte Hoyer. Sie habe auch ein Kopftuch getragen. Offen ließ sie, ob die Mutter tatsächlich auch konvertiert sei. "Dazu kann ich keine Angaben machen", so Hoyer. Sie erhofft sich nach dem Fund von Peggys Leiche und der DNA-Spur Böhnhardts, dass vielleicht doch noch geklärt werden kann, was Peggy damals geschah.

Neue Soko nimmt Arbeit auf

Peggy war am 18. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass am Fundort ihrer Skelettteile Genmaterial des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Die Rechtsmedizin der Universität Jena schloss eine zufällige Übertragung der DNA am eigenen Institut aus.

Als Reaktion will die Thüringer Justiz alle ungeklärten Kindsmorde erneut untersuchen. Eine neue Sonderkommission prüft ab heute alle Fälle seit 1990. In Jena, wo das mutmaßliche NSU-Trio um Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgewachsen war, gab es in den 90er Jahren drei Kindsmorde. Zwei von ihnen sind noch immer nicht geklärt.

1993 verschwand in Jena ein Neunjähriger, er wurde zwölf Tage später tot am Ufer der Saale in einem Gebüsch gefunden. Böhnhardt war damals einer der Verdächtigen. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden. Auch das Verschwinden und der Tod einer Zehnjährigen aus Jena 1996 konnte bislang nicht aufgeklärt werden.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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