Politik

Merkel schweigt zu Pofalla Bosbach rät zu Gelassenheit

Ronald Pofalla hat sich für seinen rüden Ausfall gegen den Euro-Gegner Wolfgang Bosbach entschuldigt. Damit könnte die Angelegenheit erledigt sein. Doch hinter den Kulissen gärt es weiter, auch wenn Bosbach seiner Partei ins Stammbuch schreibt, die CDU solle entspannter mit Abweichlern umgehen.

Nach dem Konflikt mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla hat der Euro-Rettungsschirm-Kritiker Wolfgang Bosbach seiner CDU zu einem entspannteren Umgang mit Abweichlern geraten. In mehreren Interviews erklärte der Bundestagsabgeordnete, die CDU als Volkspartei halte das aus. Bosbach betonte erneut, dass er in seiner fast 40-jährigen CDU-Mitgliedschaft einen solchen Druck wie vor der Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF noch nicht erlebt habe. Dem "Stern" sagte Bosbach, er sei "richtig verdattert" gewesen.

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Bosbach ist an Krebs erkrankt und fühlt sich übel behandelt.

(Foto: dpa)

Bosbach sprach von "übler Nachrede", weil ihm von Parteikollegen unterstellt wurde, er habe aus Frust darüber gehandelt, dass er 2005 nicht Innenminister geworden sei. "Dass sich ein Politiker seinen Frust nach sechs Jahren auf Wiedervorlage legt, ist so was von abwegig", sagte Bosbach.

Im "Handelsblatt" kündigte Bosbach an, auch in Zukunft weitere Euro-Rettungspakete abzulehnen. Im "Stern" sprach er wie zuvor in anderen Medien offen über seinen Prostata-Krebs. "Man geht davon aus, dass der Tumor schnell größer wird." Er würdigte Merkels Verhalten. Sie habe nach einer Operation an seinem Krankenbett gestanden - "das hat mich gerührt". "Wir duzen uns seit vielen Jahren. Deswegen überlegt man: Denkt sie jetzt, warum tut der mir das an?" Die aktuelle Auseinandersetzung sei seiner Gesundheit auch nicht zuträglich.

Merkel klärt das intern

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Merkel und Pofalla in der Kabinettssitzung.

(Foto: dpa)

In der Partei stieß Pofallas Verhalten auf Empörung. Er hatte zu Bosbach gesagt, . Pofalla entschuldigte sich dafür öffentlich via "Bild"-Zeitung. Bei einer CDU-Regionalkonferenz am Dienstagabend in Magdeburg mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierten Redner Pofallas Beschimpfung als untugendhaft für einen CDU-Politiker.

. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, intern habe Merkel Pofallas Ausdrucksweise missbilligt. Ein Wechsel in dem Amt habe aber nicht zur Debatte gestanden.

Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Siegfried Kauder (CDU), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung":"Dieser Umgangston unter Fraktionskollegen ist erschütternd." Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte den Dortmunder "Ruhr Nachrichten", Bosbach sei "ein hoch angesehener Kollege und kein notorischer Kritiker". "Er hat wie jeder Abgeordnete für seine persönliche Entscheidung Respekt verdient."

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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