Politik

Jubelszenen in Watertown Boston feiert die Festnahme

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Im ersten Moment überwiegt die Freude: Boston feiert den Sieg über einen gemeinsamen Feind.

(Foto: Reuters)

Mit dem erfolgreichen Zugriff der Polizei endet für die Bürger von Boston eine Woche des Schreckens: Lautstark machen sie ihrer spontanen Jubelkundgebungen ihrer Erleichterung Luft. Die überschäumende Freude zeigt das Ausmaß der Verunsicherung.

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Feierstimmung wie nach einem Football-Spiel: Die Angst saß tief.

(Foto: AP)

Nach der Festnahme des mutmaßlichen zweiten Bombenlegers von Boston haben Anwohner des von der Großfahndung besonders stark betroffen Vororts Watertown ihrer Freude über das Ende des Ausnahmezustands mit spontanen Jubelrufen zum Ausdruck gebracht. US-Sender zeigten Bürger, die ins Freie strömten, Sprechchöre anstimmten und applaudierten.

In Watertown, wo der dringend tatverdächtige Dschochar Zarnajew am Freitagabend (Ortszeit US-Ostküste) schwer verletzt gefasst wurde, applaudierten die Einwohner den Polizisten und schwenkten voller Enthusiasmus US-Flaggen. Die Menge skandierte "USA, USA" und "Das ist Boston!" Mit ähnlichen Sprechchören hatten US-Bürger Anfang Mai 2011 auf die Tötung von Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden reagiert.

Während der Suche nach dem Terrorverdächtigen hatte die Polizei vor dem Wochenende eine Ausgangssperre für den ganzen Großraum Boston verhängt. Schwer bewaffnete Polizeieinheiten durchsuchten den Vorort Watertown Haus für Haus.

Der 19-jährige Dschochar Zarnajew war nach einer intensiven Großfahndung in einem Boot entdeckt worden, das auf einem Grundstück in Watertown abgestellt war. Dem Sender MSNBC zufolge wurde die Polizei von der Besitzerin alarmiert, die Blutspuren auf der Plane zum Abdecken des Bootes gesehen hatte. Der Verdächtige galt als "bewaffnet und extrem gefährlich".

In der Nacht zuvor war Zarnajew offenbar bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt worden. Sein älterer Bruder und mutmaßlicher Terrorkomplize Tamerlan Zarnajew kam dabei ums Leben.

"Ich war so nervös"

Dschochar Zarnajew soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan den Bombenanschlag auf den Bostoner Marathonlauf verübt haben. Bei der Attacke waren am Montag drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt worden. Tamerlan Zarnajew war in der Nacht zum Freitag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

"Die ganze Woche war so angespannt", sagte Susan Nolan aus Watertown. "Ich war so nervös, als ich hörte, dass die Polizei den Rückzug plant, ohne ihn festgenommen zu haben." Noch am Nachmittag hatten die Behörden zunächst erklärt, dass die Fahndung nach dem Verdächtigen erfolglos verlaufen sei.

Kurze Zeit später brachte ein offenbar entscheidender Hinweis aus der Bevölkerung die Ermittler aber doch auf die Spur von Dschochar Zarnajew. "Das ist eine große Erleichterung. Das ist das Ende", sagte ein Anwohner.

Ungeklärte Fragen

US-Präsident Barack Obama hat die Polizei für die Festnahme des mutmaßlichen Bombenattentäters von Boston gelobt. Mit "Professionalität und Mut" sei den Ermittlern ein Fahndungserfolg gelungen, sagte Obama. Dank der Bemühungen sei nun ein "wichtiges Kapitel" in dem Fall abgeschlossen. Obama pries auch die Einwohner der Stadt Boston, die mit "Entschlossenheit" auf die "bösartige Attacke" reagiert hätten.

Obama versprach, die Hintergründe der Tat vollständig aufzuklären. "Warum haben junge Männer, die hier aufgewachsen sind und studierte haben, zu einer derartigen Gewalt gegriffen?", fragte er. "Wie haben sie die Attacken geplant und ausgeführt? Und haben sie dabei Hilfe bekommen?" Die Familien der Getöteten und die Verwundeten verdienten Antworten, sagte der Präsident. "Ich habe das FBI, das Heimatschutzministerium und unsere Geheimdienste angewiesen, weiterhin alle notwendigen Mittel einzusetzen, um die Ermittlungen zu unterstützen."

Quelle: ntv.de, mmo/AFP