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Wegen "Welle des Antisemitismus" Botschafter wirbt für Ausreise nach Israel

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Vor der Synagoge in der Kopenhager Krystalgade liegen Blumen für die Attentatsopfer vom 14. Februar.

(Foto: imago/Alternate)

Nicht erst seit den Anschlägen von Paris fühlen sich Juden in Europa zunehmend bedroht. Israel bietet sich als Auswanderungsland an - der israelische Botschafter erneuert nun dieses Angebot. Die jüdische Gemeinde Berlin reagiert derweil auf die Bedrohungen.

Der israelische Botschafter in Berlin, Jakov Hadas-Handelsman, hat das Angebot an europäische Juden zur Auswanderung nach Israel erneuert. Derzeit gebe es eine "Welle des Antisemitismus" in Europa, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Jene Juden, die heute in Europa leben, beneide ich wirklich nicht", sagte der Diplomat.

Viele Juden seien verunsichert, hätten Angst, fühlten sich bedroht - gerade vor dem Hintergrund der jüngsten islamistischen Anschläge in Paris und Kopenhagen. Auch deshalb habe Israel in Europa lebenden Juden angeboten, auszuwandern. "Wer sich bedroht fühlt, hat heute die Möglichkeit, jederzeit zu uns kommen", so Hadas-Handelsman.

Aufrufe des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu an europäische Juden zur Auswanderung nach Israel waren in jüdischen Gemeinden aber auf Widerspruch gestoßen. Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior entgegnete: "Wir haben keine Angst." Es sei das Ziel von Terrorismus, den Menschen Furcht einzuflößen. "Wir lassen uns nicht von Terroristen dazu zwingen, unser tägliches Leben zu ändern, in Angst zu leben und an andere Orte zu fliehen", betonte Melchior.

Auch Israel nicht absolut sicher

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, gab derweil zu bedenken, auch in Israel sei eine absolute Sicherheit vor terroristischen Anschlägen nicht gegeben. Die terroristische Bedrohung jüdischer Einrichtungen sei "letztendlich (...) ein weltweites Phänomen ".

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Jüdische Gemeinde Berlin zum Schutz ihrer Mitglieder ihre eigene Zeitung künftig in einem neutralen Umschlag versendet. Das gehöre zu den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, um die Wahrscheinlichkeit von Anfeindungen gegen Gemeindemitglieder zu reduzieren, schreibt der Vorsitzende Gideon Joffe im Vorwort zur aktuellen Ausgabe des Magazins "Jüdisches Berlin".

Mit Blick auf den Terroranschlag in Paris erklärte Joffe: "Noch, ich betone: noch, ist es nicht so weit, dass Juden in der Bundesrepublik Deutschland ermordet werden, nur weil sie Juden sind. Damit es jedoch nicht dazu kommt, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den demokratischen Rechtsstaat schützen." Das Gemeindeblatt wird den Mitgliedern monatlich per Post zugestellt. Bisher war der Titel von außen sichtbar.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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