Politik

Mit der Kippa durch die Hauptstadt So alltäglich ist Antisemitismus in Paris

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Der junge Mann rechts verfolgt Zvika Klein und zischt ihm zu: "Jude!".

(Foto: Screenshot Youtube)

Der jüdische Journalist Zvika Klein setzt sich eine Kippa auf und läuft zehn Stunden mit versteckter Kamera durch Paris. Das Konzept des Videos ist nicht ganz neu, doch die Reaktionen bestimmter Pariser sind schockierend.

Frankreich hat mit einer Flut antisemitischer Übergriffe zu kämpfen. Kürzlich veröffentlichte Zahlen sind eindeutig: Die Zahl gewaltsamer Angriffe sei zwischen 2013 und 2014 um 130 Prozent gestiegen, erklärte der jüdische Dachverband Crif Ende Januar. Insgesamt gab es laut Crif im vergangenen Jahr 851 antisemitische Taten, gegenüber 423 im Jahr 2013. Dazu gehörten neben Gewalttaten auch Beleidigungen, Drohungen, Schmierereien oder antisemitische Schriften.

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Wie allgegenwärtig die antijüdische Stimmung in der Hauptstadt Paris ist, hat der jüdische Journalist Zvika Klein eindrucksvoll demonstriert. In einem Video setzt er sich eine Kippa auf und geht nach eigenen Angaben zehn Stunden lang durch Paris. Mehrfach wird der Reporter von beleidigt, bespuckt, verfolgt. Ein kleiner Junge ruft ihm entgegen: "Es lebe Palästina!". Das Konzept erinnert an das Video von Shoshana Roberts, die zehn Stunden durch New York City lief und mehrfach belästigt wurde. Der zehnstündige Spaziergang ist auf 70 Sekunden zusammengeschnitten, die Anfeindungen, die zu sehen sind, kommen von Zugewanderten.

Der Journalist Zvika Klein war während seines Experiments keinen wirklich bedrohlichen Situationen ausgesetzt. Er musste nicht um Leib und Leben fürchten. Doch nach Auskunft vieler Juden, die zunehmend Frankreich verlassen, sind es genau diese subtilen Gesten, die ihnen das Leben in Frankreich zunehmend schwer machen. Staatschef Francois Hollande bezeichnete den Antisemitismus als "Geißel" für Frankreich. Seine Regierung werde bis Ende Februar einen "umfassenden Plan zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus" vorlegen, kündigte er an.

Am Sonntag hatte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu angesichts der Anschläge von Kopenhagen die Juden in Europa erneut dazu aufgerufen, jetzt nach Israel auszuwandern. Mit mehr als 6000 emigrierten Juden lag Frankreich 2014 erstmals an der Spitze der Länder, aus denen nach Israel ausgewandert wird.

Quelle: n-tv.de, mit AFP

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