Politik

Geiselnahme im Supermarkt Coulibaly machte dummen Fehler

Der Anspannung weicht die Erleichterung. Amely Coulibaly, der Geiselnehmer von Paris, ist tot. Die Polizei stürmt gegen 17 Uhr das Gebäude - dass ihr dies gelang, hatte auch mit einem Fehler zu tun, den sich Coulibaly leistete.

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Amely Coulibaly.

(Foto: Reuters)

Amely Coulibaly hat mit seiner Geiselnahme in einem französischen Supermarkt die Kunden und ganz Frankreich in Angst und Schrecken gesetzt. Er ermordete mehrere Geiseln und leistete damit einen traurigen Beitrag zu einem der blutigsten Tage der jüngeren französischen Geschichte. Doch er selbst hatte offenbar indirekt maßgeblichen Anteil daran, dass der Zugriff der Polizei glückte. Durch seine Fehler.

So führte er ein Telefongespräch von einem Apparat in dem Supermarkt und versäumte es anschließend, den Hörer richtig aufzulegen. So konnten die Beamten live mithören, was in den Räumlichkeiten gesprochen wurde und gewannen so einen Eindruck von der Stimmung zwischen Geiselnehmer und Geiseln. Das Telefon hatten sie längst angezapft und seine Gespräche abgehört. Dadurch waren sie auch über seine Pläne informiert, die er einem Bekannten mitgeteilt hatte. Die Einsatzkräfte entschlossen sich zum Zugriff, als Coulibaly Gebete sprach, wie ein TV-Sender berichtete. Zwei Stunden vor der Erstürmung des Marktes gab er zudem ein Telefoninterview, das hier im Wortlaut wiedergeben wird.

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Zugriff auf den Supermarkt.

(Foto: AP)

Doch nicht nur per Ton, auch per Bild waren die Einsatzkräfte mit dem Supermarkt verbunden. Denn sie hatten Zugriff auf die Überwachungskameras des Gebäudes, wie n-tv Reporter Ulrich Klose in Erfahrung gebracht hat. So konnten sie sehen, wo sich Geiselnehmer und die Menschen in seiner Gewalt gerade aufhielten.

Zeitgleicher Zugriff

Der Zugriff war dennoch ein Risiko, weil Coulibaly gedroht hatte, die Geiseln zu ermorden, falls die Polizei die Druckerei in Dammartin-en-Goële erstürmen sollte. Dort hatten sich die Kouachi-Brüder verschanzt, die am Mittwoch ein Massaker in der Redaktion der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" angerichtet hatten. Alle drei gehörten der gleichen Terrorzelle an. Wegen des zeitgleichen Zugriffs war es für den Geiselnehmer im Supermarkt kaum noch möglich, seine Drohungen wahr zu machen.

Nach dem Zugriff kurz nach 17 Uhr weicht die Anspannung dann Erleichterung und Trauer. Mindestens zehn Menschen rennen aus dem jüdischen Markt heraus, manche weinen, die Angst sitzt ihnen noch in den Knochen. Ein paar Fragen sind noch offen - zum Beispiel die, was aus Hayat Boumeddiene ist. Die 26-jährige Freundin des Geiselnehmers war teilweise mit ihm zusammen - war sie im Supermarkt mit dabei oder hat sie vorher das Weite gesucht? Noch ist es unklar. Klar ist allerdings, dass fünf Menschen in dem Supermarkt ihr Leben gelassen haben - darunter Amely Coulibaly.

Quelle: n-tv.de, vpe