Politik

Video zu Brand an Flüchtlingsheim Dachdecker lobt Anschlag mit "Sieg Heil"

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Die Gaffer, die die Einsatzkräfte behinderten, sorgten in Deutschland im vergangenen Februar für Gesprächsstoff.

(Foto: imago/xcitepress)

Bis heute ist ungeklärt, wer die Flüchtlingsunterkunft im "Husarenhof" in Bautzen in Brand setzte. Mehrere Bautzener feierten den Anschlag allerdings und wurden dafür bestraft. Auch ein Dachdecker, den den Schaden begutachtete, könnte bald vor Gericht stehen.

Ein knappes Jahr nach dem Brandanschlag auf eine bezugsfertige Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Bautzen ist ein Handyvideo aufgetaucht. Es wurde vom MDR-Magazin "Exakt" gezeigt und beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft in Görlitz. Das Video soll von einem Dachdecker stammen, der die beim Brand verursachten Schäden in dem früheren Hotel "Husarenhof" dokumentiert und seinen Rundgang mit Worten wie "Kameraden, Sieg Heil! Gute Arbeit geleistet" kommentiert.

Nach den Worten des Görlitzer Staatsanwaltes Till Neumann wird wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. Laut MDR hat eine Baufirma bestätigt, dass ein Mitarbeiter das Video vor Monaten angefertigt habe. Ihm sei bereits gekündigt worden, hieß es.

Im November waren zwei 21 Jahre alte Männer vom Amtsgericht Bautzen zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie in der Brandnacht im Februar 2016 am "Husarenhof" Platzverweise ignorierten sowie Polizisten anpöbelten und angriffen. Die Verurteilten müssen für zweieinhalb beziehungsweise drei Jahre ins Gefängnis. Wer den Brand im "Husarenhof" legte, ist bisher unklar. Im Dezember war ein Brandanschlag auf eine weitere Flüchtlingsunterkunft in Bautzen verübt worden.

Razzia nach Ausschreitungen in Innenstadt

Unterdessen durchsuchte die Polizei in Bautzen im Zusammenhang um Gewalt zwischen mutmaßlichen Rechtsextremisten und jungen Flüchtlingen in der Stadt die Wohnungen von 18 Tatverdächtigen. Betroffen waren zwölf Asylbewerber im Alter zwischen 15 und 23 Jahren und sechs Deutsche im Alter von 17 bis 38 Jahren, wie die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Görlitz am Mittwoch mitteilten. Festnahmen gab es nicht.

Die Beamten stellten neben Mobiltelefonen, Speichermedien und Computern bei den deutschen Tatverdächtigen unter anderem auch zwei Schreckschusspistolen, einen Schlagring und zwei als Taschenlampe getarnte Elektroschocker sicher. Außerdem fanden sie geringe Mengen Betäubungsmittel. Durchsucht wurden Wohnungen und Unterkünfte in Bautzen, Hoyerswerda, Schönteichen und Gnaschwitz. Insgesamt waren rund 130 Polizisten im Einsatz.

Anlass für die Durchsuchungen waren die Ermittlungen zu den Auseinandersetzungen am 14. September 2016 und in der Nacht vom 1. zum 2. November auf dem Kornmarkt, wie es hieß. Damals waren junge Asylbewerber und mutmaßliche Rechtsextremisten aneinander geraten. Die Stadt geriet bereits nach dem ersten Konflikt bundesweit in die Schlagzeilen. Die Polizei machte damals auch Flüchtlinge für Gewalt mitverantwortlich.

Insgesamt untersuchen die Ermittler derzeit 135 Straftaten, die sich seit dem 1. Mai in der Bautzener Innenstadt zugetragen haben oder zugetragen haben sollen.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/epd