Politik

Merkel im Wortlaut "Dank an jene, die den Hass ertragen"

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(Foto: dpa)

Beim Besuch des Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau hat Bundeskanzlerin den Helfern dort gedankt. Die Krawalle vor der Unterkunft nannte sie "beschämend und abstoßend".

"Meine Damen und Herren, ich möchte mich ganz herzlich bei (dem Bürgermeister von Heidenau) Herrn Opitz bedanken und beim Deutschen Roten Kreuz, dass ich mir heute die Erstaufnahmeeinrichtung hier in Heidenau anschauen konnte. Es sind jetzt fast 600 Menschen hier und ich bin auch vielen von ihnen begegnet. Dann gewinnt das, was wir in unseren Gesetzen haben - nämlich dass jeder Mensch, der politisch verfolgt ist oder der vor Bürgerkrieg fliehen muss, ein Recht auf eine faire Behandlung, auf ein Asylverfahren hat oder auf eine Anerkennung als Bürgerkriegsflüchtling -, menschliche Gestalt. Ich möchte noch einmal daran erinnern, auch angesichts dessen, was wir hier leider gemeinsam alle erleben mussten, dass die menschliche und würdige Behandlung jedes Einzelnen, der zu uns kommt, Teil unseres Selbstverständnisses ist, was Deutschland ausmacht. Und dass es beschämend und abstoßend ist, was wir erleben mussten. Das haben der Bürgermeister, der Ministerpräsident, alle, denen ich hier begegnet bin, heute, noch einmal deutlich gemacht, und wir werden gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, (dies) deutlich zu machen.

Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist. Das muss natürlich jetzt auch in der Praxis umgesetzt werden. Hier muss es eine sehr gute Zusammenarbeit geben von Kommunen, Bund und Ländern. Wir arbeiten daran und wir werden noch im Laufe des Septembers auch notwendige Gesetzesänderungen und -veränderungen vornehmen, denn wir können nicht so arbeiten angesichts der Herausforderung, vor der wir stehen, als wenn wir in einem ganz normalen Zustand, in einer ganz normalen Situation wären. Wir haben eine riesige Herausforderung, die wir nur bewältigen können, wenn wir den gemeinsamen Willen haben, wenn wir aber auch gemeinsam neue Wege gehen.

Ich habe hier heute gespürt, dass in Heidenau, beim Bürgermeister Herrn Opitz, bei vielen ehrenamtlichen Helfern, bei den Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes, des THW genau diese Einstellung da ist, und dafür möchte ich ein herzliches Dankeschön sagen. Hier ist binnen weniger Tage eine solche Erstaufnahmeeinrichtung entstanden. Hier gibt es den Willen, die Bedingungen zu verbessern und auch die Anträge schnell zu bearbeiten. Das ist das, was wir alle gemeinsam schaffen müssen. Das wird noch viel Kraft verlangen und ich möchte auch an alle appellieren, zum Beispiel an die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer, dass auch sie sehen, dass jetzt Hilfe geboten ist und dass wir es schaffen müssen, dass das Ehrenamt auch seine Arbeit leisten kann. Ich glaube, wir können stolz darauf sein, dass wir eine solche Struktur auch von Hilfsorganisationen in Deutschland haben, das Deutsche Rote Kreuz, das THW. Wir können uns freuen, dass viele Menschen mit anpacken, dass sie sehen, wie groß die Not ist. Ich möchte als Bundeskanzlerin zusammen mit der gesamten Bundesregierung, mit den Ländern und den Kommunen zusammen, dass wir das gut schaffen, obwohl es uns allen natürlich auch etwas Außergewöhnliches abverlangt.

Danke denen, die auch vor Ort Hass zu ertragen haben, dass sie das ertragen, dass Sie, Herr Opitz, so deutliche Worte finden. Das ist nicht einfach. Wir müssen alle unsere Kraftanstrengung darauf lenken, deutlich zu machen: Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen. Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist. Je mehr Menschen das deutlich machen, je mehr Menschen das in Montagsgebeten, durch ihren Einsatz und auch durch Gespräche zwischen Bekannten, Freunden, in den Familien deutlich machen, umso stärker werden wir sein und umso besser werden wir diese Aufgabe auch bewältigen können.

Danke, dass ich Ihr Gast sein durfte heute. Alles Gute und stellvertretend für die vielen Bürgermeister auch, die es in Deutschland jetzt gibt, die Ähnliches leisten. Dankeschön beim Land und dankeschön beim Deutschen Roten Kreuz. Das ist beeindruckend, was ihr hier auf die Beine stellt. Herzlichen Dank!"

Quelle: ntv.de, abe