Politik

Rösler will von Putsch nichts wissen Der König gibt den Thron nicht frei

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Putsch? Von wegen!

(Foto: dpa)

In Schleswig-Holstein macht es einer vor, wie die FDP noch Stimmen erringen kann: Wolfgang Kubickis Erfolg bei den Landtagswahlen gilt vielen auch als Klatsche für Parteichef Rösler. Und dann noch diese hässlichen Putschgerüchte vom Wochenende. Rösler selbst ficht das nicht an. Der reklamiert das Ergebnis in Kiel kurzerhand auch als sein Verdienst.

Das zurückliegende Wochenende war vor allen Dingen für einen Mann ein Wechselbad der Gefühle: für FDP-Chef Philipp Rösler. Zum einen dürfte er sich über das angesichts der liberalen Krise als sensationell zu bezeichnende Wahlergebnis in Schleswig-Holstein aufrichtig gefreut haben. Mit dem kantigen Wolfgang Kubicki an der Spitze gelangen 8,2 Prozent, mehr als viele der Partei noch zugetraut hätten. Viele sehen darin aber auch eine Vorführung Röslers, der in den Augen seiner Kritiker zu diesem Ausgang noch am allerwenigsten beigetragen haben dürfte.

Hinzu kommt: Das gute Ergebnis wird Rösler nicht von dem ablenken können, was in den Stunden vor dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses passiert war. Über den "Spiegel" werden Gerüchte laut, dass die sogenannte Südschiene es auf den Parteichef abgesehen hat. Von Putschplänen ist die Rede, die "Süddeutsche Zeitung" titelt "Königsmörder gesucht". Es wird gestreut, dass Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle der Hoffnungsträger ist, der die Partei wieder aus dem Tief holt.

Rösler streicht Lorbeeren ein

Am Montag nach der Wahl ist die Partei bemüht darum, die Scherben wieder zusammenzukehren. Brüderle wies die Sturz-Spekulationen zurück. "Nichts ist da dran", sagte Brüderle dem Sender SWR. Auch nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen werde nichts passieren. Der Erfolg in Schleswig-Holstein gebühre allen in der FDP. "Die ganze liberale Familie war im Einsatz."

Und auch Rösler macht gute Miene zum bösen Spiel, den Wiedereinzug seiner Partei in Kiel sieht er als Bestätigung seines Kurses. Mit dem guten Abschneiden sei auch die von ihm geführte Bundes-FDP "einen Riesenschritt vorangekommen auf dem Weg zur Stabilisierung", sagte Rösler. Das Ergebnis sei "für die Bundespartei eine Bestätigung des Kurses".

Merkel setzt weiter auf FDP

Rösler dankte dem schleswig-holsteinischen Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki für einen "grandiosen Wahlkampf". Das gute Wahlergebnis sei "unbestritten sein Erfolg, sein Verdienst", sagte Rösler. Kubicki habe damit eine "hervorragende Vorlage" für die Wahl in Düsseldorf geliefert.

Auf die Frage, ob er auch seine eigene Stellung als Parteichef gestärkt sehe, antwortete Rösler: "Dies auf jeden Fall." Er fügte hinzu: "Ich sehe die ganze FDP stabilisiert." Rösler warnte davor, Spekulationen über eine sich anbahnende innerparteiliche Revolte gegen seine Führung zu ernst zu nehmen. "Ich sehe solche Gerüchte von anonymen Personen sehr gelassen", sagte Rösler. "Sie sind substanzlos."

Und auch Kanzlerin Angela Merkel, die kurz- und mittelfristig um den natürlichen Koalitionspartner der Union bangen musste, zeigte sich beruhigt. Das überraschend gute Abschneiden FDP in Schleswig-Holstein sei "sicherlich ein gutes Signal", sagte Merkel mit Blick auf ihren Koalitionspartner im Bund.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa

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