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Neue Pisa-Studie Deutsche Schüler werden schlechter

Tag der Wahrheit für das deutsche Bildungssystem: In der jüngsten Pisa-Studie weisen deutsche Schüler beim Lesen und Rechnen ein geringeres Niveau auf als vor drei Jahren. Vor allem in den Naturwissenschaften sinkt die Leistungsfähigkeit - trotz aller MINT-Offensiven der Vergangenheit.

Die Lernkurve deutscher Schüler zeigt nach unten. Die Lesekompetenzen der 15-Jährigen sowie ihre Fähigkeiten in Naturwissenschaften und in Mathematik haben sich verschlechtert, wie aus der inzwischen siebten Pisa-Studie hervorgeht. Dennoch liegen die deutschen Schüler über dem Schnitt der OECD-Länder. Die Pisa-Studie wird alle drei Jahre erstellt.

Im Vergleich zur Untersuchung 2015 sank der Wert bei der Lesekompetenz um 11 auf 498 Punkte. Damit liegt er in etwa auf dem Niveau von 2009. Bislang hatten sich die Leseleistungen, die bei dem jüngsten Test im Fokus standen, kontinuierlich verbessert. Acht von zehn Schülern sind den Forschern zufolge in der Lage, die Hauptaussagen eines mittellangen Textes zu erfassen. Elf Prozent zählen zu den besonders leistungsstarken Schülern. Im internationalen Ranking der 79 teilnehmenden Länder liegt Deutschland damit auf Platz 20. Ähnliche Leistungen lieferten die Schülerinnen und Schüler in Dänemark, Norwegen, Belgien und Slowenien ab.

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Auch in Mathematik verschlechterte sich das deutsche Ergebnis: Die Schüler erreichten hier 500 Punkte. Das waren nicht nur weniger als in der Untersuchung 2015 (506). Die Leistungen fielen auch deutlich hinter das Niveau von 2012 zurück, als mit 514 Punkten das bislang beste nationale Pisa-Ergebnis im Bereich Mathematik erzielt worden war. Laut der Erhebung sind 79 Prozent der Schüler auch ohne direkte Anweisungen in der Lage, zu erkennen, wie eine einfache Situation mathematisch dargestellt werden kann.

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In Naturwissenschaften zeigt der Trend am deutlichsten abwärts: 21 Punkte büßten die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hier im Vergleich zu ihrem besten Ergebnis 2012 ein. Und das trotz aller MINT-Offensiven der vergangenen Jahre. Von damals 524 fielen die Leistungen ab auf nun 503 (2015: 509) Punkte. Dabei blieben die Leistungen der getesteten Mädchen im Vergleich zur vorhergehenden Studie stabil. Der Abwärtstrend wird hauptsächlich durch schlechtere Ergebnisse der Jungen verursacht. Unter dem Strich aber sind acht von zehn Schülerinnen und Schüler in der Lage, die richtige Erklärung für bekannte naturwissenschaftliche Phänomene auszuwählen.

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Ein deutliches Problem bescheinigt Pisa den Deutschen allerdings noch immer bei den Bildungschancen. Kinder aus angespannten sozialen Verhältnissen liegen bei der Lesekompetenz im Durchschnitt deutlich hinter ihren Mitschülern aus vermögenderen Familien zurück. Der Leistungsunterschied weitete sich seit 2009 noch um neun Punkte aus. Das privilegierteste Viertel der Schüler hat im Vergleich zu dem sozial am stärksten benachteiligten Viertel einen Vorsprung von 113 Punkten. Das ist deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt, der bei 89 Punkten Unterschied liegt.

Unterrichtsausfall trifft vor allem sozial Benachteiligte

Nur jeder zehnte der so Benachteiligten erreicht bei Pisa Spitzenleistungen. Das zeigt, dass soziale Nachteile für Kinder nicht unüberwindbar sind, es ihnen aber nicht leicht gemacht wird. Deutschland konzentriert leistungsstarke und -schwache Schüler stärker an bestimmten Schulen, als es die OECD-Länder im Durchschnitt tun. Schulen mit vielen Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen haben besonders häufig mit Lehrermangel zu kämpfen. Etwa 70 Prozent der Schüler dort erhalten den Unterricht nicht in vollem Umfang, wie die befragten Schulleitungen angaben. Hingegen ist nur jeder dritte der privilegierteren Schüler von Unterrichtsausfall betroffen.

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Wie die Forscher weiter mitteilten, hatte 2018 mehr als jeder fünfte Schüler (22 Prozent) einen Migrationshintergrund. Jeder zweite von ihnen lebte in angespannten sozialen Verhältnissen. Bei der Lesekompetenz erzielten die Schüler aus Zuwandererfamilien oder Nachkommen ein um 63 Punkte geringeres Ergebnis als ihre Mitschüler. Unter Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse waren es noch immer 17 Punkte Unterschied. Und auch zwischen den Kindern mit Migrationsunterschied fanden die Forscher Leistungsdifferenzen. So hatten Schüler mit Migrationshintergrund der sogenannten zweiten Generation im Vergleich zu jenen der ersten Generation einen Leistungsvorsprung von 21 Punkten.

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Allerdings verwiesen die Experten auch darauf, dass Schüler mit Migrationshintergrund sind zwar tendenziell benachteiligt seien, einige von ihnen aber auch ein hervorragendes Leistungsniveau hätten. So fänden sich bei der Leseleistungen rund 16 Prozent Schüler im obersten Viertel.

Die besten Pisa-Ergebnisse erreichten 2018 die 15-Jährigen aus Singapur und mehreren chinesischen Provinzen, zum Teil mit Punktzahlen um 590. Das beste europäische Ergebnis holte erneut Estland. Die schlechtesten Ergebnisse erbrachten die Schüler auf den Philippinen, im Kosovo und in der Dominikanischen Republik.

Darüber hinaus befragten die Forscher die Schülerinnen und Schüler auch nach ihrem Befinden. So gaben zwei von drei an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Und 92 Prozent sind immer oder manchmal glücklich. Fast jeder Vierte gab aber auch an, mindestens einmal pro Monat von Mitschülern drangsaliert zu werden.

Die  internationale Schulleistungsstudie Pisa wird alle drei Jahre erhoben. Für die jüngste Untersuchung wurde den Angaben zufolge das Leistungsvermögen von weltweit etwa 600.000 Schülerinnen und Schülern getestet. Sie standen stellvertretend für die rund 32 Millionen 15-Jährigen in den Schulen der 79 teilnehmenden Länder und Provinzen. Deutschland trat mit rund 5500 Kindern aus allen Schulformen an. Die meisten Aufgaben wurden am Computer gestellt und gelöst. Bei der ersten Pisa-Studie 2001 hatten die im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Leistungen der deutschen Schüler schockiert. Daraufhin hatte die Politik etliche Bildungsreformen angestoßen.

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Quelle: n-tv.de

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