Politik

"Ein doppeltes und dreifaches Ja" Deutsche wollen Ehe für Homosexuelle

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Zwei von drei Deutschen sind für die Ehe für alle - auch, wenn sie das volle Adoptionsrecht beinhaltet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Mehrheit der Deutschen will, dass auch Schwule und Lesben eine Ehe schließen können. Die Union lehnt die Gleichstellung dagegen ab. Ein führender CDU-Politiker hat jetzt allerdings zu spüren bekommen, wie wichtig vielen das Thema ist.

Mit dieser Reaktion hat Peter Tauber wohl nicht gerechnet. Auf seiner Facebook-Seite stellte der Generalsekretär der CDU am Donnerstagmorgen eine Frage an seine Follower: "Mich interessiert Eure Meinung zur Ehe für alle", heißt es da. "Ein einfaches Ja oder Nein reicht." Nur zwei Tage später füllen mehr als 11.000 Kommentare seine Seite. Und - das wiederum war zu erwarten - es blieb nicht bei einfachen Jas und Neins.

Es gibt einige wenige ablehnende Antworten: "Kinder sollten Mutter UND Vater haben. Alles andere ist demgegenüber einfach nicht gleichwertig", heißt es in einem Post. "Ganz klares Nein" in einem anderen. "Meine Partei, die CDU, muss aufhören, sich permanent von anderen treiben zu lassen, sondern deutlich auch einmal eigenes Profil zeigen."

Solche Antworten sind allerdings die große Ausnahme. "Ja - logo!", heißt es immer wieder. "Ja - als CDU Mitglied!", "Ein doppeltes und dreifaches Ja". Die Befürworter führen etliche Argumente auf. Zwei kommen immer wieder vor: "Die Ehe als staatliche Institution sollte frei von jeder Diskriminierung sein" und "Warum sollten gleichgeschlechtliche Paare schlechtere Eltern sein, als heterosexuelle Paare?".

Ein ideologischer Streit in der Union

Seit sich die Iren in einem Referendum vor einer Woche deutlich für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben ausgesprochen haben, tobt auch in Deutschland eine Debatte über die Gleichstellung. Zwar brachte die Bundesregierung gerade eine ganze Reihe an Reformen auf den Weg, die die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe annähern sollen. Im Kern fehlt nur noch das volle Adoptionsrecht und der Name "Ehe". Doch eine vollständige Gleichstellung der Ehe lehnt die Spitze der Union weiterhin ab. Einigkeit darüber herrscht aber auch in CDU und CSU nicht. Es gibt einen ideologisch aufgeheizten Streit, in dem allerdings auch das strategische Werben um bestimmte Wählerkreise eine Rolle spielt.

Tauber, der sich dieser Tage zwar nicht deutlich positioniert, aber als Befürworter gilt, dürfte sein kleines Facebook-Experiment beflügeln. Dazu beitragen könnte auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. 65 Prozent der Befragten sind für die Ehe für alle. Wenn diese auch ein volles Adoptionsrecht beinhaltet, wollen sie weiterhin 57 Prozent, denn die große Mehrheit glaubt, dass Schwule und Lesben Kinder genauso gut erziehen können wie heterosexuelle Paare.

Besonders wichtig für Tauber: Laut der Umfrage, die anders als sein Facebook-Stimmungsbild repräsentativ ist, befürworten auch zwei von drei Unions-Wählern die Ehe für alle.

Quelle: ntv.de