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Favorit in der Stichwahl Die "Blase" Macron ist nicht geplatzt

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Emmanuel Macron verteidigt unerschütterlich das europäische Projekt.

(Foto: dpa)

In der Stichwahl um die französische Präsidentschaft kommt es zum Showdown zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Der erst 39-Jährige symbolisiert die Hoffnungen all jener Franzosen, die sowohl die Polit-Elite als auch Rechtspopulisten satt haben.

Emmanuel Macron steht kurz vor einem beispiellosen Triumph: Mit nur 39 Jahren könnte der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister als jüngster französischer Präsident in den Élysée-Palast einziehen - und das als unabhängiger Kandidat ohne etablierten Parteiapparat im Rücken. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hat er die meisten Stimmen erzielt und ist jetzt Favorit in der Stichwahl, in der er gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen antreten dürfte. Der Politik-Jungstar hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, der ihn bis ins höchste Staatsamt tragen könnte.

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Macron ist nicht nur in Frankreich für viele zum Hoffnungsträger geworden: Auch in vielen europäischen Hauptstädten gibt es große Sympathien für den jungen Reformpolitiker. Denn mehr als jeder andere französische Präsidentschaftskandidat ist Macron ein überzeugter Pro-Europäer, der in diesen für die EU stürmischen Zeiten unerschütterlich an dem Gemeinschaftsprojekt festhält. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Rechtspopulisten mit Anti-EU-Parolen auf Stimmenfang gehen, wirbt er unverdrossen für eine Vertiefung der EU und der Eurozone. Auch die Beziehungen zu Deutschland will er verbessern.

Der Ärztesohn aus dem nordfranzösischen Amiens hat eine rasante Karriere hingelegt. Nach den lähmenden Jahren unter Staatschef François Hollande fühlen sich viele Franzosen zu dem Strahlemann hingezogen, der Aufbruchstimmung verbreitet und mit seinem sozialliberalen Reformprogramm "Freiheit" für Unternehmen und "Schutz" für Arbeitnehmer miteinander versöhnen will. Das Lagerdenken zwischen Links und Rechts hält er für überholt. Er präsentiert sich an der Spitze seiner Bewegung En Marche! (In Bewegung!) als Anti-System-Kandidat, der für den "Fortschritt" steht.

Das gefällt vielen Franzosen, die von den häufig ideologisch erscheinenden Kämpfen zwischen Links und Rechts die Nase voll haben. Macron verkörpert eine moderne und pragmatische Mitte - und profitierte im Wahlkampf davon, dass die regierenden Sozialisten mit Benoît Hamon einen sehr linken und die Konservativen mit François Fillon einen sehr rechten Kandidaten aufstellten. Eine Reihe von Politikern, insbesondere Sozialisten, liefen zu dem immer mehr als Retter empfundenen Macron über.

Rivalen schossen sich auf Macron ein

Doch viele stimmten am Sonntag nicht aus Begeisterung für Macron: Er wurde auch zu einem Sammelbecken für viele verunsicherte Wähler. Ein Konsenskandidat, mit dem man nicht viel falsch machen kann. Der ein bei vielen Linkswählern befürchtetes Stichwahl-Duell zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen und Fillon verhindern konnte. Der bei seinen Wahlversprechen häufig schwammig blieb, um niemanden zu verprellen.

Seine Rivalen warfen ihm immer wieder vor, dass er blumige Reden schwingen könne - und am Ende keiner wisse, was er eigentlich gesagt habe. Ohnehin hatten seine Konkurrenten die Attacken verschärft, je mehr Macron in den Umfragen aufstieg: Sie warfen dem 39-Jährigen, der noch nie in ein politisches Amt gewählt wurde, fehlende politische Erfahrung vor. Sie fragen spöttisch, wie sich ein Absolvent der Elitekaderschmieden Sciences Po und ENA ernsthaft als Anti-System-Kandidat präsentieren kann.

Sie schmähen den einstigen Rothschild-Investmentbanker als Kandidaten der Finanzwelt. Oder sie machen ihn für die magere Bilanz von Staatschef Hollande mitverantwortlich - schließlich war Macron unter dem unpopulären Präsidenten zwei Jahre lang Wirtschaftsberater und weitere zwei Jahre, von 2014 bis 2016, Wirtschaftsminister. "Emmanuel Hollande" schimpfte Fillon den Jungpolitiker gar und warnte, dieser werde Hollandes Politik fortführen.

Doch der mit seiner 24 Jahre älteren früheren Lehrerin Brigitte verheiratete Macron wehrte die Angriffe ab. Und während viele vorhergesagt hatten, die "Blase" Macron werde bald platzen, wurde sie immer größer. Jetzt ist der 39-Jährige kurz davor, Geschichte zu schreiben.

Quelle: n-tv.de, Fabian Erik Schlüter, AFP

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