Politik

15 Jahre Wladmir Wladimirowitsch Die Russen lieben Putin, ihre Regierung nicht

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(Foto: REUTERS)

Seit eineinhalb Jahrzehnten lenkt Wladimir Putin die Geschicke Russlands. Umfragen belegen: Der Kreml-Chef ist so beliebt wie niemals zuvor.

Erst war er Ministerpräsident, dann Präsident, dann wieder Ministerpräsident und seit 2012 erneut Präsident: Seit gut 15 Jahren steht Wladimir Putin an der Spitze Russlands. Wie denken die Russen über ihr Staatsoberhaupt? Wie bewerten sie den Personenkult um den Kreml-Chef? Und: Hat er ihre politischen Hoffnungen erfüllt?

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(Foto: http://www.laender-analysen.de/russland/)

Das Lewada-Zentrum, das als einziges unabhängiges Umfrageinstitut im Land gilt, sowie das russische Meinungsforschungsinstitut WZIOM haben sich damit ausgiebig beschäftigt (hier nachzulesen) und kommen dabei zu einem eindeutigen Urteil: Die Menschen in Russland stehen klar hinter ihrem Präsidenten. Fast 90 Prozent der Russen bewerten seine Arbeit positiv, das Vertrauen in ihn liegt bei 65 Prozent. Putin war seit Beginn der Statistik im Jahr 2002 noch nie so beliebt wie jetzt.

Die Menschen in Russland nennen am häufigsten folgende Bereiche, in denen sich die Situation in ihrem Land aus ihrer Sicht verbessert hat:

  • Stabilisierung im Land (15 Prozent)
  • Vereinigung mit der Krim, Regelung der ukrainischen Frage, Sanktionen (14 Prozent)
  • Stärkung der russischen Stellung in der Welt, Verbesserung der Außenpolitik (11 Prozent)
  • Verbesserung des Lebensstandards, Erhöhung von Gehältern, Renten und anderen Leistungen (11 Prozent)
  • Wiederbelebung der Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft (9 Prozent)

Doch die Befragten nennen auch negative Veränderungen im Russland, die sie mit Putin verbinden.

  • Preisanstieg, hohes Inflationsniveau, Rubelverfall (12 Prozent)
  • niedriges Einkommensniveau, gesunkener Lebensstandard (6 Prozent)
  • Wirtschaftsverfall, Krise (5 Prozent)
  • Korruption und Diebstahl (4 Prozent)
  • Probleme, die aus Einmischung in die Ukraine und der Vereinigung mit der Krim entstanden sind (4 Prozent)
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(Foto: http://www.laender-analysen.de/russland/)

Jährlich fragen die Demoskopen von WZIOM außerdem danach, ob sich die Hoffnungen der Russen, die sie mit Putin verbinden, erfüllt haben. In diesem Jahr antworteten 21 Prozent mit "auf jeden Fall" und 46 Prozent mit "eher ja". Auf die Antwortoptionen "eher nein" (9 Prozent) beziehungsweise "auf keinen Fall" (5 Prozent) entfällt nur eine Minderheit. Auch bei dieser Umfrage fällt auf: Putins Werte sind deutlich besser als in den Vorjahren. Noch 2013 stimmte mehr als jeder dritte Russe mit "eher nein" und "auf gar keinen Fall".

Peinliche Putin-Abbildungen?

Die Beliebtheit des Präsidenten zeigt sich in Russland nicht nur im Aufkommen von Putin-Souvenirs. Dass sich die Mentalität geändert hat, belegen auch entsprechende Umfragen von Lewada. 28 Prozent der Russen sind der Ansicht, dass die Abbildungen Putins die Autorität und Popularität des Präsidenten festigen (2001: 8 Prozent). Nur 17 Prozent sind der Meinung, die Darstellung Putins auf T-Shirts und anderen Accessoires rufe Spott hervor und stelle den Präsidenten in ungünstigem Licht da (2001: 42 Prozent).

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(Foto: http://www.laender-analysen.de/russland/)

Eine andere Umfrage legt eher nahe, dass der Fankult um Putin nur marginal gestiegen ist. 75 Prozent der Russen besitzen kein Porträt oder eine Büste Putins und haben auch nicht den Wunsch, dies zu ändern (2001: 87 Prozent). 13 Prozent haben weder Porträt noch Büste, wollen sich aber das eine oder das andere zulegen (2001: 9 Prozent). 3 Prozent der Befragten besitzen ein Porträt und/oder eine Büste Putins (2001: <1 Prozent).

Auffällig ist eine andere Lewada-Statistik, die sich mit der Beliebtheit der russischen Regierung auseinandersetzt. Sie zeigt: Der Zuspruch für den Präsidenten ist hoch, die Beurteilung der Regierung fällt jedoch weitaus kritischer aus. 42 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Regierung mit den Problemen des Landes zurechtkommt, 46 Prozent sind gegenteiliger Meinung. 28 Prozent der Russen befürworten sogar, dass die amtierende Regierung zurücktreten solle. Seit dem Beginn des Ukraine-Konfliktes bessert sich jedoch das Ansehen der Regierung. Im April 2013 hatten noch 39 Prozent der Befragten der Regierung den Rücktritt nahe gelegt.

Meinungsforscher des Lewada-Zentrums gehen indes nicht davon aus, dass Putin seine Popularität noch halten kann. "Seine hohe Popularität hält bereits mehr als ein Jahr lang an", sagte der Soziologe Denis Volkov n-tv.de. "Wie schon 2008 werden die Werte deshalb bald wieder fallen. Die ökonomischen Fragen sind zu erheblich und werden zwangsläufig wieder stärker in den Blickpunkt geraten."

Quelle: ntv.de