Politik
(Foto: dpa)
Donnerstag, 22. Januar 2015

Internationale Lügenpresseschau: Die Welt spricht über Lutz Bachmann

Auch außerhalb Deutschlands berichten die Medien über den Rücktritt eines gewissen Lutz Bachmann, Pegida-Gründer und "Fleischersohn aus Dresden". Ausgerechnet in Südafrika ist Bachmanns Abgang für die Zeitungen allerdings kein Thema.

Abends um 19.20 Uhr verschickt dann auch CNN noch eine Eilmeldung. "Anführer von Pegida, eine deutsche Gruppierung, die Anti-Islamisierungsversammlungen organisiert, tritt nach Aufregung über ein Hitler-Foto zurück", schreibt der US-amerikanische Sender auf seinem Breaking-News-Kanal bei Twitter.

In Deutschland ist die Meldung zu diesem Zeitpunkt bereits auf allen Nachrichtenportalen zu finden. Schnell war CNN also nicht. Und doch: Ein noch vor wenigen Wochen völlig unbekannter Kleinkrimineller hat es in die internationalen Medien geschafft.

"Deutscher Anti-Immigranten-Aktivist tritt zurück, nachdem er als Hitler posierte", titelt etwa die "New York Times" über einem längeren Artikel. Dass Bachmann weniger wegen des Hitler-Bildes als wegen offen rassistischer Äußerungen zurücktreten musste, fällt bei der Berichterstattung ausländischer Medien noch stärker unter den Tisch als in Deutschland. Den Grund kann man der "New York Times" entnehmen: Hitler sei eben "ein sensibles Thema in Deutschland". Die Zeitung rief Bachmann sogar an; er sei jedoch nicht bereit gewesen, dass Foto zu kommentieren.

Der arabische Sender Al-Dschasira begnügte sich auf seiner Webseite mit einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP: "Anführer der deutschen Anti-Islam-Bewegung tritt zurück", heißt es dort. Der russische Auslandssender RT nahm Bachmanns Rücktritt zum Anlass, die Pegida-Demonstrationen ausführlich vorzustellen.

Die Gruppierung verlange weniger Einwanderung, habe zuletzt jedoch versucht, sich von Rechtsextremen zu distanzieren, heißt es bei RT. Pegida betone, dass man Asylbewerber, die vor politischer oder religiöser Verfolgung auf der Flucht seien, durchaus willkommen heiße. Dennoch werde der Gruppe weiterhin Intoleranz und Islamfeindschaft vorgeworfen. Anders als bei anderen Protestbewegungen in westlichen Staaten, deren Kritik von russischen Medien häufig aufgegriffen wird, hat RT bislang offenbar keine eigene Position zu Pegida entwickelt. Die deutschsprachigen RT-Ableger RT Deutsch und Sputnik berichteten gar nicht über Bachmanns Rücktritt.

"Pegida macht Deutschland normal"

Der englische "Guardian" stellt Bachmann in seinem Artikel über den Rücktritt als "Fleischersohn aus Dresden" vor. Sein Abgang lasse an der Zukunft von Pegida zweifeln. An der politischen Positionierung hat die liberale Zeitung keinen Zweifel: "Die Popularität von Pegida hat zu weitverbreiteten Befürchtungen geführt, dass Deutschland im Griff einer neuen Sorte rechtsradikaler Ideologen ist".

Frank Vermeulen, der Korrespondent des niederländischen "NRC Handelsblad" in Berlin, betont, Bachmann sei von seinen Vorstandskollegen zum Rücktritt gedrängt worden. Bereits vor ein paar Tagen hatte Vermeulen in einem Kommentar geschrieben, Pegida mache Deutschland im internationalen Vergleich "normal".

"Pegida-Gründer zum Rücktritt gezwungen", titelt die französische Zeitung "Le Monde". Auch diese Zeitung fragt sich, ob die im Herbst gegründete Bewegung länger als ein Quartal überleben werde. Sie erwähnt das Hitler-Foto und Bachmanns ausländerfeindliche Sprüche. "Für eine Bewegung, die auf der Suche nach einer gewissen Seriosität war, hätte es nicht schlechter laufen können."

In Israel ist Pegida ebenfalls ein Thema, auch wenn die Zeitungen "Haaretz" und die "Jerusalem Post" in ihren englischsprachigen Online-Ausgaben lediglich einen Bericht der Nachrichtenagentur Reutes bringen. In ihrer Überschrift nennt die "Jerusalem Post" Pegida eine "Anti-Muslim-Gruppe". Das österreichische Boulevardblatt "Kronen-Zeitung" spricht dagegen zurückhaltender von "der islamkritischen Pegida-Bewegung". Bachmann, informiert die Zeitung ihre Leser, sei gelernter Koch und mehrfach vorbestraft. "Noch vor Haftantritt setzte er sich nach Südafrika ab, wo er Grafik und Design studiert haben will. Recherchen von Journalisten an der Universität von Kapstadt führten jedoch ins Leere."

In Südafrika, wo Bachmann für zwei Jahre als krimineller Ausländer lebte, spielt der Rücktritt des Pegida-Chefs keine große Rolle. Lediglich die Seite Independent Online, die mehreren südafrikanischen Zeitungen als Internet-Ausgabe dient, brachte einen nüchternen Agenturbericht. Von Bachmanns Auslandsaufenthalt ist dort allerdings keine Rede.

Zusammengestellt von Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de