Politik

Weitere Geisel mit Tod bedroht Dschihadisten enthaupten US-Reporter

Ein Internetvideo zeigt die mutmaßliche Enthauptung des US-Reporters James Foley. Er wurde seit zwei Jahren in Syrien vermisst. Viele Twitterer zeigen sich entsetzt und rufen dazu auf, das Video nicht zu verbreiten. Das gelingt Twitter aber nur teilweise.

Die in Teilen des Iraks und Syriens herrschende Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat nach eigenen Angaben den seit 2012 in Syrien verschollenen US-Journalisten James Foley getötet. In einem im Internet veröffentlichten Video ist angeblich die Ermordung des Reporters zu sehen.

*Datenschutz

Das Video mit der Enthauptungsszene wurde innerhalb kürzester Zeit über Twitter verbreitet. Der Onlinedienst hat die meisten Tweets mit den entsprechenden Links inzwischen gelöscht und angekündigt, Nutzer zu sperren, die das Video dennoch verbreiten. Offensichtlich gelingt dies nicht immer, da vereinzelt immer noch Kopien der Ermordungsszene kursieren. Unterstützer hatten bereits kurz nach Erscheinen des Videos dazu aufgerufen, es nicht anzuschauen oder gar weiterzuverbreiten, um den Terroristen keine Genugtuung zu verschaffen.

Zahlreiche Kollegen Foleys äußerten sich in sozialen Medien bestürzt über seinen Tod. Die Enthauptung wird von einem schwarz gekleideten und maskierten Mann ausgeführt, der Englisch mit britischem Akzent spricht. Ob das knapp fünfminütige Video mit dem Titel "Botschaft an Amerika" in Syrien oder dem Irak aufgenommen wurde, ist nicht zu erkennen. Gezeigt wird auch ein weiterer Amerikaner, bei dem es sich wohl um den seit Juli 2013 entführten Steven Sotloff handelt. In einem Textband vor der Einstellung mit Sotloff steht auf arabisch: "Das Leben dieses Mannes, Obama, hängt von den zukünftigen Entscheidungen ab."

Familie bestätigt Tod

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James Foley wurde 40 Jahre alt.

(Foto: AP)

Die Echtheit des Videos wurde zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt. "Die Geheimdienste arbeiten so schnell wie möglich, um die Authentizität festzustellen", sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates von US-Präsident Barack Obama. "Falls es echt ist, dann sind wir entsetzt über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten." Obama selbst wurde noch auf seinem Rückflug in den Urlaub in der Airforce One über den Fall informiert.

Die Mutter des Journalisten, Diane Foley, hat den Tod ihres Sohnes in einem Facebook-Eintrag auf der Seite "Free James Foley" indes bestätigt. Dort heißt es: "Wir waren nie stolzer auf unseren Sohn Jim als jetzt. Er hat mit seinem Leben bezahlt, weil er der Welt vor Augen halten wollte, wie die Menschen in Syrien leiden." Diane Foley appelliert an die Entführer weiterer Geiseln, diese zu verschonen. "Genau wie Jim sind sie unschuldig. Sie haben keinen Einfluss auf die amerikanische Politik im Irak, in Syrien oder sonstwo."

Foley war 40 Jahre alt und arbeitete unter anderem für die Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben von Augenzeugen war er im November 2012 in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens von Bewaffneten gefangengenommen worden. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Enormer Zulauf für IS in Syrien

Die Terroristen gaben laut der "Washington Post" an, Foley aus Vergeltung für die US-Luftschläge im Irak umgebracht zu haben. Es handele sich um "eine Botschaft an Amerika". Sollte Washington seinen Militäreinsatz nicht stoppen, würden weitere Reporter sterben. In dem Video erscheint laut der Zeitung auch ein anderer US-Journalist, der ebenfalls während der Berichterstattung in Syrien verschwunden war.

Die IS-Kämpfer kontrollieren Gebiete im Nordirak und Teile Syriens, wo sie ein Kalifat ausgerufen haben. Nach Einschätzung von Aktivisten hat die Terrorgruppe in Syrien enormen Zulauf. Allein seit Juli sollen sich den oppositionsnahen Menschenrechtsbeobachtern zufolge etwa 6300 Kämpfer den sunnitischen Extremisten in den Provinzen Aleppo und Rakka angeschlossen haben. Bei den meisten handele es sich um Syrer, sagten die Aktivisten.

Ein Grund für den Zulauf könnte neben den militärischen Erfolgen der Dschihadisten im Nachbarland Irak vor allem auch die Bezahlung sein. Laut Menschenrechtsbeobachtern bekommt etwa ein syrischer Kämpfer monatlich umgerechnet knapp 300 Euro, außerdem Zuschläge für Frauen und Kinder. Ferner bekomme jeder Kämpfer ein Haus zur Verfügung gestellt sowie Benzin und Heizöl.

Quelle: n-tv.de, nsc/mli/dpa/AFP

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