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"Nicht nur tatenlos zusehen" EU plant eigenen Katastrophenschutz

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Die Europäische Union soll künftig im Katastrophenfall "mehr tun, als nur ihr Beileid auszusprechen."

(Foto: picture alliance / Mario Strmoti)

Wenn es brennt in Europa, die Erde bebt oder das Wasser steigt, gelten nach wie noch die alten Grenzen. In Brüssel wollen EU-Politiker das nun ändern. Im Krisenfall sollen künftig "rescEU"-Teams eines europäischen Katastrophenschutzes zum Hilfseinsatz starten.

Die EU-Kommission will eigene Kapazitäten zur Hilfe nach Naturkatastrophen wie Erdbeben, Waldbränden oder Überflutungen aufbauen. Ziel sei eine europäische Reserve aus Löschflugzeugen, Pumpen, Feldlazaretten, medizinischen Notfallteams und Material für Such- und Rettungseinsätze, wie der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides erklärte. Die zusätzlichen Kosten beziffert die Behörde auf rund 280 Millionen Euro bis zum Jahr 2020.

In Europa sind in diesem Jahr laut Kommission bereits mehr als 200 Menschen durch Naturkatastrophen gestorben, mehr als eine Million Hektar Wald wurde durch Brände vernichtet. "Europa darf nicht tatenlos zusehen, wenn unsere Mitgliedstaaten von Naturkatastrophen heimgesucht werden", erklärte Kommissionschef Jean-Claude Juncker. "Tritt eine Katastrophe ein, so möchte ich, dass die Europäische Union mehr tut, als nur ihr Beileid auszusprechen."

Schnelle Hilfe in Krisensituationen

Die Katastrophenhilfe funktioniert bisher auf freiwilliger Basis durch gegenseitige Hilfe unter den Mitgliedstaaten. Die Kommission koordiniert dies nur. Bei Waldbränden kommt es im Sommer immer wieder zu Verzögerungen, weil nur wenige Länder über Löschflugzeuge verfügen und diese häufig selbst benötigen. Löschflugzeuge will die Kommission aber weiter nur mieten und nicht kaufen.

Die Kommission will künftig auch selbst über Einsätze der neuen Katastrophenreserve entscheiden. Sie wurde von ihr "rescEU" getauft - ein Wortspiel mit dem englischen Wort für "Rettung" und EU. Dem Vorschlag müssen Mitgliedstaaten und das Europaparlament noch zustimmen.

"Resceu.org" bereits vergeben

Frankreich begrüßte die Initiative, die auch die Unterstützung von Mitgliedstaaten bei der Stärkung ihrer nationalen Kapazitäten vorsieht. Sie erlaube es, dass "75 Prozent der Einsatz- und Nutzungskosten aus dem EU-Haushalt beglichen werden", wenn ein Land einem anderen Material und Kapazitäten als Nothilfe bereit stelle, erklärte der französische Innenminister Gérard Collomb.

Mit dem Titel der neuen europäischen Katastrophenschutzreserve scheinen sich die Brüsseler Beamten allerdings nicht allzuviel Mühe gegeben zu haben. Eine kurze Online-Suche zeigt: Der Name resceu.org ist längst vergeben. Unter dieser Adresse findet sich seit 2015 eine Initiative, die Afrikaner mit einem Augenzwinkern dazu aufruft, nach Europa zu gehen, den Gedanken der Entwicklungszusammenarbeit umzudrehen und den Europäern in Sachen Gemeinschaftssinn Hilfe zu leisten.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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