Politik

Kämpfe in Nordsyrien Erdogan warnt vor neuen Flüchtlingen

Die anhaltenden Gefechte in Nordsyrien zwingen Zehntausende Menschen zur Flucht. Viele Flüchtlinge landen in der Türkei. Präsident Erdogan schlägt Alarm. Sein Land könne die Belastung "nicht allein tragen", sagt er in Richtung EU.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die EU gewarnt, dass sein Land nicht alleine mit einem neuen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen aus Syrien zurechtkommen könne. Wenn die Flüchtlingszahlen weiter zunähmen, könne die Türkei "die Last nicht allein tragen", sagte Erdogan bei einer Veranstaltung in Istanbul. Die Auswirkungen wären dann nach seinen Worten "in allen europäischen Ländern zu spüren, beginnend mit Griechenland". Erdogan warnte vor Zuständen wie in der Flüchtlingskrise des Jahres 2015.

Seit einer Verstärkung der Offensive der syrischen Armee und der mit ihnen verbündeten russischen Luftstreitkräfte in der Provinz Idlib haben sich von dort Zehntausende Menschen auf den Weg nach Norden zur türkischen Grenze gemacht. Erdogan bezifferte die Zahl der aus Idlib in Richtung Türkei fliehenden Menschen mit etwa 80.000.

Erst in der vergangenen Woche griffen türkische Sicherheitskräfte nach offiziellen Angaben rund 3000 "illegale Migranten" auf. Allein in der nordwesttürkischen Provinz Edirne, die an Griechenland und Bulgarien grenzt, hätten sie rund 1600 Menschen festgehalten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Weitere Migranten seien unter anderem in westtürkischen Städten wie Mugla, Canakkale oder Izmir aufgegriffen worden.

Seit dem EU-Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU im März 2016 ist die Zahl der über die Türkei in die Europäische Union gelangenden Syrer zwar deutlich gesunken. Zuletzt nahm ihre Zahl aber wieder zu. Viele von ihnen flüchten wie zur Zeit der Krise von 2015 von der türkischen Küste mit Booten auf die griechischen Ägäis-Inseln. In der Türkei leben nach offiziellen Angaben bereits rund 3,7 Millionen syrische Flüchtlinge. Sie stehen unter "temporärem Schutz". Die Regierung in Ankara plant aber, viele in eine umstrittene Sicherheitszone im Norden Syriens umzusiedeln.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa