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Vier Männer und eine Frau Ermittler: Nizza-Attentäter hatte Komplizen

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Der LKW des Attentäters mit dem er in die Menschenmenge raste.

(Foto: dpa)

Der Attentäter von Nizza plante seine Tat mit der Hilfe von mindestens fünf Komplizen. Unter den Unterstützern ist auch eine Frau. Sie sollen den Anschlag Monate lang geplant haben. Dafür sprechen Fotos und SMS.

Der 31-jährige Attentäter von Nizza hat nach Einschätzung von Ermittlern seine Tat mit der Hilfe von mehreren Komplizen geplant. Die Staatsanwaltschaft klagte fünf Verdächtige an, gegen sie wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes, Beihilfe zum Mord und Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung eröffnet. Bei den Verdächtigen handelt es sich um vier Männer im Alter von 22 bis 40 Jahren sowie eine 42-jährige Frau. Sie befinden sich in Polizeigewahrsam, nun wird für sie Untersuchungshaft beantragt - ihre jeweilige Rolle muss aber noch abschließend geklärt werden, so die Behörde.

Die Verdächtigen hatten nach Angaben der Ermittler regen Kontakt untereinander. Ein 37-jähriger Tunesier und ein 40 Jahre alter Franko-Tunesier sollen in den Tagen vor dem Anschlag mit dem Attentäter Mohamed Lahouaiej Bouhlel in dem gemieteten Lastwagen gewesen sein, mit dem der 31-Jährige am 14. Juli in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza raste und 84 Menschen tötete, bevor die Polizei ihn erschoss. Das geht aus der städtischen Videoüberwachung, Handyfotos und Fingerabdrücken hervor. Die übrigen drei - ein weiterer Franko-Tunesier und ein albanisches Paar - sollen bei der Beschaffung der Pistole des Attentäters eine Rolle gespielt haben. In einem Keller fanden die Ermittler ein Sturmgewehr sowie Munition. Noch sei aber unklar, was mit dieser Waffe bezweckt wurde.

Der Staatsanwalt stützt sich bei den neuen Erkenntnissen auf die Auswertung von Kommunikationsdaten und Fotos. So wurden auf einem Handy von Mohamed Lahouaiej Bouhlel Bilder von zwei Feuerwerken und einem Konzert auf der Strandpromenade von Nizza im Sommer 2015 gefunden, der Fokus lag dabei jeweils auf der Menschenmenge. Er hatte auch einen Zeitungsartikel gespeichert, bei dem es um einen Mann ging, der mit einem Fahrzeug auf eine Restaurant-Terrasse raste. Außerdem wurde auf dem Handy des Tunesiers eine SMS von einem der mutmaßlichen Komplizen gefunden, in der dieser sich im Januar 2015 positiv über den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" äußert. Bereits am Montag hatte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins berichtet, der Mann habe in jüngster Zeit ein "unbestreitbares Interesse" an der dschihadistischen Bewegung gezeigt. Er war den Behörden aber vor der Tat nie wegen extremistischer Gesinnung aufgefallen.

Noch keine IS-Verbindung gefunden

Molins erklärte außerdem, dass die Tat seit Monaten geplant gewesen sein soll. Bislang war nur die Rede davon gewesen, dass der Tunesier die Attacke über mehrere Tage vorbereitet haben soll. Zwar beanspruchte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag für sich. Eine Verbindung zwischen dem Attentäter und der Extremisten-Gruppe haben die Ermittler aber noch nicht entdeckt.

Angesichts anhaltender Kritik wegen angeblich unzureichender Sicherheitsvorkehrungen am Abend des Anschlags ordnete Innenminister Bernard Cazeneuve eine interne Untersuchung an. Oppositionspolitiker hatten mehrfach die Angaben der Regierung über die Zahl der eingesetzten Polizisten angezweifelt - nun will die Regierung die Vorwürfe ausräumen. Die Generalinspektion der nationalen Polizei soll kommende Woche einen Bericht vorlegen.

Zuvor hatte die Zeitung "Libération" berichtet, dass zur Zeit des Anschlags lediglich ein einziges Auto der städtischen Polizei bereitstand, um den für Kraftfahrzeuge gesperrten Strandboulevard Promenade des Anglais abzusichern. Somit konnte der Attentäter nahezu ungehindert in die Menschenansammlung fahren. Das Blatt berichtete zudem, dass die nationale Polizei anders als vom Innenminister angegeben nicht im Einsatz gewesen sei. Der Verkehr sei ansonsten nur durch einfache Metallbarrieren umgeleitet worden. Die Zeitung beruft sich auf Augenzeugen sowie Aufzeichnungen von Überwachungskameras.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/AFP/dpa

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