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Das Duell bei n-tv zur Ebola-Krise "Es dauert einfach immer zu lange"

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SPD-Gesundheitsfachmann Karl Lauterbach und Tankred Stöbe von Ärzte ohne Grenzen im n-tv Studio.

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Hilfe für die von der Ebola-Epidemie in Westafrika gebeutelten Menschen kommt in Gang. Während der Vorsitzende von Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass alles zu wenig zu spät ist, sieht SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach die Probleme im Detail.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert Verteidigungsministerin von der Leyen für Transportprobleme bei der Ebolahilfe. Eine Transallmaschine mit Hilfsgütern, die in den Senegal fliegen sollte, war mit technischen Problemen auf Gran Canaria liegen geblieben. "Das ist unangenehm und peinlich", sagte der Karl Lauterbach in "Das Duell bei n-tv". "Ich bin ganz sicher, dass Frau von der Leyen hier richtig aufwachen muss. Da sind große Probleme offenbar in der Materialbewirtschaftung. Das muss jetzt konstruktiv angegangen werden."

Die Sendung bei n-tvnow.de

Lauterbachs Gesprächspartner Tankred Stöbe, Vorsitzender der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, kritisierte die schleppende Umsetzung der Hilfsmaßnahmen: "Von den Versprechungen ist im Moment praktisch noch nichts vor Ort angekommen", sagte Stöbe. Es werde viel zu wenig geholfen und das auch noch zu langsam: "Das ist wirklich im Mikromaßstab, was die deutsche Regierung bisher tut. Und auch die Planspiele jetzt - es dauert einfach alles immer noch viel zu lange."

Stöbes Hilfsorganisation hatte bereits im Juni davor gewarnt, dass die Epidemie außer Kontrolle sei - umso größer das Unverständnis, dass niemand auf die Experten hörte: "Wir sind ja nicht Paniker ohne Grenzen. Wenn wir sagen, dass eine Epidemie außer Kontrolle ist: Das sagen wir wirklich nur, wenn wir ganz handfeste Daten vor Ort haben", sagte Stöbe. Er forderte mehr Personal und mehr medizinische Hilfsgüter: "Das ist ja kein Hokuspokus, das ist ja kein Mysterium oder eine hochkomplexe Sache. HIV-Aids, Tuberkulose sind viel komplexere Erkrankungen. Das ist eigentlich einfache Medizin - sie muss nur angewendet werden, in den Ländern vor Ort."

Regierungsvertreter Lauterbach räumte ein, dass die Bundesregierung die Gefahren der Ebola-Epidemie lange unterschätzt habe. Lauterbach zufolge hat die Weltgesundheitsorganisation versagt. "Wir haben uns wie üblich auf die lokalen Berichterstatter verlassen. Aber die lokale Weltgesundheitsorganisation hat noch Anfang August gesagt, das Ganze sei in der Kontrolle." Im Rückblick seien die Informationen aus Westafrika "unzutreffend, verharmlosend" gewesen, so Lauterbach weiter. "Das ist erst in der zweiten Augustwoche anders gesehen worden, und dann haben wir auch relativ rasch gehandelt."

Unter anderem sollen nun Freiwillige aus der Bundeswehr für den Einsatz in der Krisenregion geschult werden. Lauterbach rechnet mit einer zügigen Ausbildung der Helfer: "Es dauert nicht Wochen oder Monate, sondern diese Schulung wird innerhalb sehr kurzer Zeit durchgeführt. Das ist ja Fachpersonal", sagte er.

Die Bundeswehr könne nicht einfach Ärzte zum Hilfseinsatz abkommandieren, erklärte Lauterbach. Er verwies darauf, dass in den USA viele Ärzte Reserveoffiziere seien - und deshalb leicht eingezogen werden könnten: "Diese Struktur haben wir nicht. Das ist ein Strukturdefizit, worüber natürlich bei der Bundeswehrreform nachgedacht werden muss."

Sowohl Lauterbach als auch Stöbe befürchten nicht, dass der Virus auch in Deutschland eine Epidemie auslösen könnte. "Ich glaube nicht, dass sich Ebola in Deutschland ausbreiten wird", sagte Stöbe. Lauterbach schloss eine Seuchengefahr durch infizierte Helfer aus: "Sie sind keine Gefahr für Deutschland, wenn sie zurückkommen. Weil sie genau überwacht werden, und wenn da auch das Krankheitsrisiko mittelhoch ist, werden sie isoliert und beobachtet und behandelt. Dafür sind wir in der Pflicht."

Quelle: n-tv.de

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