Politik

Gabriel macht Ärger Luft "Europa droht vor die Hunde zu gehen"

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(Foto: picture alliance / dpa)

In der Flüchtlingskrise zeigt die Europäische Union ihr wahres Gesicht, der solidarische Gedanke bleibt in vielen Ländern auf der Strecke. Vizekanzler und SPD-Chef Gabriel platzt nun der Kragen. Auch Ex-Innenminister Friedrich findet klare Worte - gegen die Politik der Bundesregierung. Und Kanzlerin Merkel? Sie fordert mehr Flexibilität.

Europa und Deutschland müssen die Flüchtlingsfrage lösen. Diese beinhaltet aber mehrere Teilaspekte - und so gehen die Meinungen der Politiker auseinander. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat davor gewarnt, dass die Europäische Union (EU) an der Flüchtlingskrise scheitern könnte. "Entweder die Europäer kommen zur Vernunft, oder Europa geht vor die Hunde", sagte der Vizekanzler im ZDF. Eine der großen Errungenschaften seien die offenen Grenzen. Osteuropa lebe ganz wesentlich davon."Wir finanzieren mit starken Staaten die europäische Entwicklung", ergänzte Gabriel. Das alles werde aber nicht mehr funktionieren, wenn sich keiner mehr an Regeln halte und Flüchtlinge etwa nicht mehr dort registriert würden, wo sie in einen Mitgliedstaat der EU einreisten.

"Ich kann nur hoffen, dass die Staats- und Regierung schefs zur Vernunft kommen", fügte Gabriel hinzu. In der TV-Sendung warf er einem slowakischen Europa-Abgeordneten vor, sein Land wolle schlicht keine Flüchtlinge aufnehmen. "Europa geht nicht nach dem Motto: Ich mach' mit, wenn ich Geld kriege", sagte Gabriel. Die Slowakei werde am Ende zu den großen Verlierern gehören, wenn die Grenzen in Europa geschlossen würden.

Merkel fordert mehr Flexibilität ein

Der SPD-Chef warnte, dass die Flüchtlingszahlen in Deutschland weiter steigen würden. "Wir kriegen 120.000 pro Monat", sagte Gabriel. "Wir sind noch nicht mal bei der Hälfte des Monats und haben 60.000 Flüchtlinge in Deutschland."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte indes mehr Flexibilität bei der Betreuung von Flüchtlingen. Man solle "von den üblichen strengen Anforderungen abrücken, um etwa genügend Deutschlehrer für Flüchtlinge zu bekommen", sagte sie der "Rheinischen Post". "Wir müssen improvisieren, vielleicht pensionierte Lehrer und Erzieher reaktivieren oder Studierende einsetzen. Es bringt ja nichts, Menschen unversorgt zu lassen, weil Lehrer noch nicht die allerhöchste Qualifikation haben." Darüber werde der Bund mit den Ländern sprechen, sagte Merkel.

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Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa/AFP

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