Politik

Pardo: Israel vor Bürgerkrieg Ex-Mossad-Chef will Palästinenserstaat

9f6ce64d0a1b5b1c918fa0cd50376320.jpg

Israelische Soldaten nahe Rammalah.

AP

Mit drastischen Worten wendet sich der Ex-Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad an die Öffentlichkeit: Findet Israel nicht endlich zu einer Lösung der Palästinenserfrage, droht Bürgerkrieg.

Der ehemalige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes, Tamir Pardo, hat in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Beendigung seines Dienstes über die größte Gefahr für den Staat Israel gesprochen. Die ist seiner Ansicht nach nicht die Hisbollah oder der Iran, sondern die zunehmende Spaltung der israelischen Gesellschaft, die im schlimmsten Fall zu einem Bürgerkrieg führen könne. "Es gibt keine existenzielle äußere Gefahr für Israel; die einzige wirkliche Bedrohung ist die wachsende Polarisierung innerhalb der israelischen Gesellschaft", sagte Pardo anlässlich eines Gedenkens an gefallene Soldaten, berichtet unter anderem das israelische Nachrichtenportal "Haaretz".

5dbac77b444364906094767372d08d4e.jpg

Tamir Pardo.

(Foto: AP)

Die interne Spaltung des Landes könne zu einem Bürgerkrieg führen, warnte er. "Wir befinden uns schon auf dem Weg dorthin", so Pardo. Sollte die Gesellschaft eine gewisse Grenze in ihrer Spaltung und ihrem Hass überschreiten, dann sei ein Bürgerkrieg eine realistische Annahme.

Weiterhin bezeichnete Pardo einen Palästinenserstaat als entscheidend für den Frieden in der Region. Vor dem Hintergrund der Politik von Premierminister Netanjahu, der in jüngster Vergangenheit verstärkt Kontakt zu arabischen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien sucht, bemerkte er: "Meiner Meinung nach werden wir nie in der Lage sein, irgendeine Einigung mit irgendeinem dieser Staaten zu erreichen, wenn wir die Palästinenserfrage nicht klären".

Zwischen Israelis und Palästinensern gebe es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Aber in Israel gebe es viele Menschen, die die starken Gefühle der Trennung suchten. "Es gibt Menschen, für die ist es angenehmer, Unterschiede zu betonen als Gemeinsamkeiten. Ich will nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Aber das gibt es in jedem Land", sagte Pardo laut "Haaretz".

Quelle: n-tv.de, bdk

Mehr zum Thema