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Viele Vorstände bleiben männlich Firmen pfeifen auf die Frauenquote

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Der Anteil an Frauen in den Vorständen deutscher Dax-Unternehmen liegt derzeit bei 4,8 Prozent.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Frauenquote droht zum Rohrkrepierer zu werden: Obwohl das Gleichstellungsgesetz am 1. Januar in Kraft tritt, haben sich zahlreiche Unternehmen die "Zielgröße Null" gesetzt. Familienministerin Schwesig gibt sich zerknirscht.

Vom 1. Januar 2016 an sollen Deutschlands Unternehmen mehr weibliche Führungskräfte in Leitungsgremien bringen. Doch viele Firmen dürften die Vorgaben verfehlen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wollen etwa Eon, die Commerzbank oder ThyssenKrupp die Frauenquote von Familienministerin Manuela Schwesig unterlaufen. Sie hätten sich die "Zielgröße Null" gesetzt. "Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie es ernst meinen mit der von ihnen selbst so häufig gepriesenen Vielfalt in den Führungsetagen", mahnte Schwesig. Die Manager müssten alles tun, um ihre Ziele auch zu erreichen.

Das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" schreibt vor, dass börsennotierte Unternehmen bei der Neubesetzung ihres Kontrollgremiums künftig sicherstellen müssen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Für Frauen im Vorstand gibt es keine genauen Vorgaben - nur freiwillige Zielsetzungen, über deren Vorankommen die Firmen regelmäßig berichten müssen.

Von der Regelung betroffen sind etwa 100 Unternehmen, in denen Arbeitnehmer mitbestimmungspflichtig sind. Gelingt die Besetzung der für Frauen vorgesehenen Posten nicht, müssen sie leer bleiben. Zurzeit beträgt der Frauenanteil in den betroffenen Firmen laut "SZ" im Schnitt 22 Prozent - in Vorständen liegt er nur bei 4,8 Prozent.

Maas: "Es gibt genug geeignete Frauen"

Und der Wille zur Nachbesserung ist gering. Aktuell säßen laut Bericht beim Medizinriesen Fresenius und Autobauer Porsche gar keine Frauen im Vorstand. Bis Mitte 2017 solle das auch so bleiben, berichtet das Blatt. Beim Energiekonzern RWE sei zumindest eine Frau an oberster Stelle geplant. Die Arbeitgeber hatten das Gesetz als "schwerwiegenden Eingriff in die Rechte der Anteilseigner, der Unternehmen und vieler qualifizierter Kandidaten" kritisiert.

Rückenwind erhält Schwesig derweil vom Bundesjustizminister. "Nur wer geistig im vergangenen Jahrhundert steckengeblieben ist, glaubt an die Mär, es gäbe nicht genug geeignete Frauen", erklärte Heiko Maas. Eine so gut ausgebildete Generation von Frauen wie heute habe es noch nie gegeben. Das müsse sich "endlich auch in den Chefetagen widerspiegeln."

Quelle: n-tv.de, jug/rts/AFP

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