Politik

Wege in und aus der Krise Fünf Szenarien zum Nordkorea-Konflikt

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Eine Massenkundgebung in Nordkorea, die den Rückhalt des Regimes demonstrieren soll.

(Foto: REUTERS)

Der impulsive US-Präsident Trump auf der einen Seite, der um jeden Preis den Machterhalt sichernde Kim Jong Un auf der anderen. Ist die weitere Eskalation der Nordkorea-Krise unausweichlich? Fünf Szenarien.

Massiver Erstschlag

Mit "Feuer und Wut", so sagte es US-Präsident Donald Trump, würde er auf weitere Provokationen Nordkoreas reagieren. Noch ist das bloß Gerede. Zum Glück, denn ein atomarer Erstschlag oder ein vergleichbar brachialer Angriff mit konventionellen Waffen gilt unter Nordkorea-Kennern als die denkbar schlechteste von einer ganzen Reihe an Szenarien für die Entwicklung der Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang.

Ziel eines massiven Erstschlags wäre es, die militärischen Fähigkeiten Nordkoreas in kürzester Zeit zu pulverisieren, sodass eine nennenswerte Reaktion nicht mehr möglich ist. Auch den militärisch extrem potenten USA dürfte das allerdings sehr schwerfallen.

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Protest in den USA gegen Trumps hitzigen Worte - und mögliche Taten.

(Foto: REUTERS)

Der britische "Guardian" verweist in einer Analyse auf Raketenstellungen, die über ganz Nordkorea verteilt seien – meist versteckt selbstverständlich. Das Blatt spricht zudem von 8000 Artillerie-Stellungen, die auf das südkoreanische Seoul gerichtet seien. "Kein Erstschlag würde Kim Jong Un auch nur annähernd komplett entwaffnen und seine Vergeltung würde mit großer Wahrscheinlichkeit massenweise zivile Opfer fordern." Das Magazin "The Atlantic", das zu einem ähnlichen Schluss kommt, schließt diese Option dennoch nicht aus. Sie sei für Trump nicht unattraktiv, weil sich die nordkoreanische Vergeltung wohl vor allem auf die für die USA weit entfernte koreanische Halbinsel auswirken würde.

Kontrollierte Eskalation

Als möglicherweise weniger folgenschweres Szenario wird eine kontrollierte Eskalation des Konflikts gehandelt. Dabei geht es um gezielte militärische Reaktionen auf nordkoreanische Schritte. Unternimmt Pjöngjang zum Beispiel einen neuen Raketentest, könnten die USA mit einem gezielten Angriff auf eines der Testgelände reagieren. Sicherheitsexperten äußern im "Atlantic" die Vermutung, dass Nordkorea so mittel- oder langfristig einsehen würde, dass die USA stärker sind.

Der "Guardian" warnt allerdings davor, dass Staatschef Kim Jong Un die begrenzten militärischen Antworten auf seine Provokationen missverstehen könnte. Die Folge: Sollte er keinen Unterschied zwischen einem selektiven Angriff und einem umfassenden Erstschlag machen, könnte seine Vergeltung noch größer ausfallen, da dabei seine eigene militärische Infrastruktur noch nicht so sehr geschwächt wäre wie nach einem US-amerikanischen Brachialangriff.

Königsmord

Was würde passieren, wenn Spezialeinheiten oder Geheimagenten Kim Jong Un einfach umbrächten? Genau um diese Frage geht es bei einem dritten Szenario. Die Antwort: Bestenfalls gäbe es einen Regimewechsel, der Nordkorea für den Rest der Welt wieder zugänglich machte. Schlimmstenfalls folgte ein militärischer Vergeltungsschlag, auf den ein Nachfolger Kims folgte, der ihm in nichts nachstünde.

Dem "Guardian" zufolge haben die Südkoreaner für dieses Szenario eine Brigade ausgebildet. Fraglich ist aber, ob ein solcher Plan überhaupt umgesetzt werden kann. Das Regime in Pjöngjang weiß schließlich um diese Gefahr und hat sich auf Attentate vorbereitet.

Härtere wirtschaftliche Sanktionen

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Sorge in Südkorea: Die Reichweite und Präzision der nordkoreanischen Raketen verbessert sich. Die Miniaturisierung atomarer Sprengköpfe kommt voran.

(Foto: AP)

Die USA könnten ihre Sanktionen gegen Nordkorea weiter verschärfen. Viel Spielraum haben sie dabei nicht, denn das Land ist bereits weitgehend isoliert. Entscheidend wäre deshalb, China, den einzigen verbliebenen Verbündeten Nordkoreas, ebenfalls stärker unter Druck zu setzen.

Diese Strategie bringt aber eine Reihe an Problemen mit sich. Bisher trafen die internationalen Sanktionen vor allem die nordkoreanische Bevölkerung, nicht das Regime. Das wiederum herrscht mit derart harter Hand, dass es trotz katastrophalster humanitärer Bedingungen im Land keinen Putsch fürchten muss. Eine zweite Gefahr: Sollten die USA China mehr unter Druck setzen, Nordkorea zu sanktionieren, könnte das die Beziehungen zwischen Washington und Peking gefährden. China fürchtet den Kollaps seines kleinen Nachbarn – aus wirtschaftlichen, aber auch geostrategischen Gründen.

Diplomatie, Diplomatie und nochmals Diplomatie

Eine wirklich zufriedenstellende Lösung finden Nordkorea-Kenner nicht. Die meisten halten aber den diplomatischen Pfad für den richtigen, auch, wenn dies bedeutet, dass Nordkorea seine atomaren Optionen behält.

Dabei gibt es diverse Varianten. Im "Guardian" etwa ist von "Freeze for Freeze" die Rede: Nordkorea stoppt seine Nukleartests, wenn die USA und Südkorea ihre Militärübungen in der Region einstellen. Der Plan wird laut dem Blatt von China und Russland gestützt. Ob Pjöngjang damit einverstanden ist, ist aber ungewiss. Das Regime sieht das Atomprogramm als seine Überlebensversicherung an.

Im Gespräch sind auch verschiedene Dialogkanäle – zum Beispiel bilaterale Gespräche oder eine Rückkehr zu den Sechsparteien-Gesprächen, die unter Trumps Vorgänger Barack Obama ausgelaufen sind.

Das Ergebnis wäre aber wohl, dass Nordkorea parallel sein Atomprogramm fortsetzt. Ein vergleichbarer Deal wie mit dem Iran erscheint noch in weiter Ferne. Das Magazin "Foreign Policy" verweist aber darauf, dass man schließlich auch mit Indien, Pakistan und Israel, die ebenfalls ambitionierte Atomprogramme haben, auskommt, ohne in eine Eskalationsspirale zu verfallen. Die Nachrichtenagentur dpa zitiert den Think Tank CCIS mit der Analyse: Der große Unterschied sei die so tiefsitzende Feindschaft. Werde diese aktiv zurückgefahren, werde das Problem Nordkorea kleiner.

Unklar ist, ob der impulsive und eitle Trump sich trotz der Provokationen Kim Jong Uns auf einen solchen Weg einlassen kann. Der stellvertretende Chefredakteur der "Zeit", Bernd Ulrich, spielt auf den US-Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis an, eine Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes. Ulrich twitterte: "Den größten globalen und nationalen Beifall, den Trump bisher bekommen hat, war der für einen Militäreinsatz. Bei ihm extrem gefährlich."

Quelle: n-tv.de, ieh

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