Politik

AfD im "Sauser"-Zustand Gauland wischt Luckes Drohgebärden weg

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Der mächtige Brandenburger Fraktionschef Alexander Gauland glaubt nicht an einen Rücktritt von Parteichef Bernd Lucke.

(Foto: dpa)

2014 als Aufsteiger-Partei gefeiert, herrscht nun Chaos in der AfD. Der Streit um Luckes "Gutsherrenart" ist längst nicht vom Tisch. Während Co-Chef Adam vor dem "Sauser-Stadium" warnt, gießt AfD-Vize Gauland neues Öl ins Feuer.

Der offene Machtkampf innerhalb der AfD-Führung geht weiter. Das Klima verschlechtert sich dramatisch. "Wir sind als neue Partei an dem Punkt, den man bei der Weinzubereitung Sauser-Stadium nennt. Das ist riskant, das kann das Fass auseinanderreißen", sagte der Co-Vorsitzende Konrad Adam verschiedenen Zeitungen.

Im Gespräch mit der "Tageszeitung" (taz) schloss Adam aber aus, dass die Partei auseinanderfällt. Zum eskalierten Konflikt sagte der Konservative, er "bedauere, dass verschiedene Leute einen Beitrag geleistet haben, mich selbst eingeschlossen". Eine Spaltung der AfD drohe aber "ganz gewiss nicht".

AfD-Vize Alexander Gauland glaubt derweil nicht an einen Rücktritt von Parteichef Bernd Lucke. "Das sind so Drohgebärden, von denen ich gar nicht viel halte - wir alle halten nicht viel davon. Wir wollen ja mit ihm weiterarbeiten", sagte Gauland im ZDF.

Kritik an Luckes Führungsstil bleibt

Lucke will sich an der Spitze der AfD den Posten des alleinigen Vorsitzenden sichern. Das versuchen dessen gleichberechtigte Co-Vorsitzende Adam und Frauke Petry aus Sachsen zu verhindern. In einem Schreiben an Lucke beschwerten sich Petry, Adam und andere Unterzeichner über Luckes Führungsstil "nach Gutsherrenart" sowie dessen Versuche, Parteifreunde "auf Linie zu bringen". Lucke will den Bundesparteitag Ende des Monats über eine Satzungsänderung zu seinen Gunsten abstimmen lassen. Bereits am 18. Januar soll Lucke seinen parteiinternen Gegnern in Frankfurt Rede und Antwort stehen - unmittelbar vor Beginn einer von Lucke einberufenen Kreisvorsitzendenkonferenz.

Der Satzungsentwurf sieht vor, dass es künftig nur noch einen Vorsitzenden und drei Stellvertreter geben soll. Der Co-Vorsitzende Adam betonte, Lucke habe den mit Abstand größten Beitrag zum Aufbau der Partei geleistet. "Ich hoffe, dass die Partei auf dem Parteitag einen Kompromiss in der Führungsfrage findet", sagte Adam der "Welt".

Auch Frauke Petry hält eine Zusammenarbeit mit Lucke weiter für möglich. Petry sagte der "Saarbrücker Zeitung", sie hoffe, dass Lucke auch weiterhin dabei sei. "Das möchte ich. Ich wünsche mir umgekehrt, dass er auch diejenigen, die die Partei ebenso mitgeprägt haben, mehr respektiert." Lucke neige mehr als andere dazu, Dinge persönlich zu nehmen. "Ich fände es gut, wenn er die Sache entspannter sehen würde."

Driftet die AfD weiter nach rechts?

Liberale AfD-Mitglieder befürchten, dass die Partei ohne Lucke weiter nach rechts abdriften könnte. Es gibt Anzeichen dafür, dass die von der Pegida-Bewegung geäußerte Sorge vor "Überfremdung" zum zentralen Thema der Partei wird. Dies zeichnet sich vor allem in Ostdeutschland ab. So war Gauland als Brandenburger AfD-Chef am Rande einer Demonstration der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Dresden aufgetreten.

Petry, Fraktionsvorsitzende der AfD im sächsischen Landtag, hat für den kommenden Mittwoch die Pegida-Organisatoren zu einem Gedankenaustausch in ihr Büro im Dresdner Landtag eingeladen. Die AfD war der Polit-Aufsteiger des Jahres 2014, mit Erfolgen in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und bei der Europawahl. Auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Hamburg und Bremen hofft die AfD auf den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa/AFP

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