Politik

Langwierige Standortsuche Gorleben wird kein Atommüll-Endlager

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Derzeit wird der deutsche Atommüll in Zwischenlagern aufbewahrt.

(Foto: dpa)

Etwa 1900 Behälter mit stark strahlendem Atommüll bleiben übrig, wenn Ende 2022 das letzte AKW in Deutschland vom Netz geht. Wohin damit? Deutschlandweit wird nach dem besten Ort für ein Endlager gesucht - ein Zwischenbericht nimmt nun eine erste Eingrenzung vor.

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland ist der Salzstock Gorleben in Niedersachsen komplett aus dem Rennen. Gorleben wird in dem mit Spannung erwarteten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung nicht als sogenanntes Teilgebiet ausgewiesen, wie RTL und ntv aus der Koalition erfuhren. Dem "Spiegel" zufolge sind dafür erstmals bayerische Regionen auf der Liste möglicher Standorte. Den Bericht mit Regionen, die nach geologischen Kriterien für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich infrage kommen, stellt an diesem Montagvormittag die Bundesgesellschaft für Endlagerung in Berlin vor.

Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist mit dem Zwischenbericht nicht verbunden. Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll nun in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die näher unter die Lupe genommen werden sollen.

Wie gesetzlich vorgeschrieben, listet der Bericht Regionen auf, "die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen". Andere Faktoren, etwa die Bevölkerungsdichte in den Regionen, wurden dabei noch nicht beachtet - das erfolgt in weiteren Schritten. Deswegen dürften es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete sein. Konkreter wird es erst in den kommenden Jahren.

Bis 2031 soll Klarheit herrschen

In der Endlagerfrage geht es vor allem um rund 1900 Castor-Behälter mit etwa 27.000 Kubikmeter Atommüll, für die nach dem für Ende 2022 beschlossenem Atom-Ausstieg ein sicherer Verbleib gefunden werden muss. Gesucht wird der beste Ort, um den hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Nach langem Ärger um den Salzstock Gorleben wurde die Endlager-Suche komplett neu gestartet. Ausgehend von einer "weißen Landkarte", auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich infrage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt. Am Ende soll dann aber die Politik die Entscheidung über den Standort treffen - basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Prozess ist möglichst transparent angelegt: Über verschiedene Formate können sich Bürger, Gemeinden und Organisationen in den Prozess einbringen.

Bayern erklärt sich für ungeeignet

Streit gibt es nicht nur um Gorleben, sondern vor allem auch um Bayern: Die dortige Landesregierung aus CSU und Freien Wählern hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Kritik daran übte am Wochenende Grünen-Chef Robert Habeck. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte er über die CSU: "Die Partei, die sich immer zur Atomkraft bekannt hat, weigert sich, das Problem zu lösen."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte der "Rheinischen Post", der Atomausstieg ist und bleibe beschlossene Sache, und die Endlagersuche sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Mit Blick auf die Vorstellung des Zwischenberichts sagte die SPD-Politikerin, die Geologie entscheide, welcher Standort es am Ende werde. "Politische Überlegungen spielen keine Rolle. Ich erwarte von allen Politikerinnen und Politikern, jetzt zur Verantwortung zu stehen - für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe und für das gemeinsam gewollte Verfahren."

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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