Politik

IS hinterlässt Hunderte Sprengsätze Gouverneur: Ramadi nicht vollständig befreit

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Ein irakischer Soldat steht mit der Flagge des Landes auf dem Regierungsgebäude in Ramadi.

(Foto: AP)

Auf dem Regierungsgebäude von Ramadi weht wieder die irakische Flagge, der IS ist nach Armeeangaben aus der Stadt vertrieben. Dem widerspricht jedoch der Gouverneur der Provinz. Einige Viertel seien noch in der Hand des IS, sagt er.

Nach der Rückeroberung der Großstadt Ramadi durch die irakische Armee haben Soldaten die Nationalflagge auf dem Amtssitz der Provinzregierung gehisst. Nach tagelangen erbitterten Gefechten hatten die Truppen der Regierung die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt vertrieben. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi gratulierte den Soldaten und versprach, 2016 das gesamte Land von den Dschihadisten zu befreien.

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Ein Bild, das vom IS verbreitet wurde, zeigt die schweren Zerstörungen in Ramadi.

(Foto: AP)

"Ramadi ist befreit", sagte Brigadegeneral Jahja Rasool im Staatsfernsehen. Der Amtssitz der Provinzregierung war demnach die letzte IS-Bastion in der Stadt. Anti-Terror-Einheiten vertrieben am Sonntag die letzten IS-Kämpfer aus dem Gebäudekomplex. In der Stadt reckten Kämpfer Gewehre in die Luft und führten Freudentänze auf.

Nach Angaben des Gouverneurs der betroffenen Provinz Anbar, Soheib Alrawi, ist Ramadi allerdings noch nicht vollständig von IS-Kämpfern befreit. 80 Prozent des Stadtgebietes - darunter das Zentrum mit dem Regierungsviertel - seien in der Hand der irakischen Armee. Die restlichen Teile der Stadt seien noch nicht vollständig unter der Kontrolle des Militärs, sagte er.

Unterstützung aus der Luft

Die Armee begann mit der Entschärfung der vom IS zurückgelassenen Sprengfallen. Allein in den Regierungsgebäuden und den Zufahrtsstraßen wurden nach Militärangaben 300 Bomben und Sprengsätze deponiert. Die Armee suchte auch noch nach einzelnen, womöglich versteckten IS-Kämpfern. Die vor den Kämpfen geflohenen Einwohner Ramadis kehrten nur langsam in die zerstörte Stadt zurück.

Die IS-Miliz hatte das Stadtzentrum mit rund 400 Kämpfern verteidigt, unklar war, wie viele getötet wurden und wie viele fliehen konnten. Auf Regierungsseite wurden nach Angaben von Ärzten allein am Sonntag fast hundert Soldaten in Krankenhäuser eingeliefert.

Der IS hatte die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar im Mai erobert. Der Verlust Ramadis, das vor allem von Sunniten bewohnt wird, markierte eine schwere Niederlage der Streitkräfte und zog eine Debatte über den Zustand der irakischen Armee nach sich.

Bereits Anfang Dezember erkämpfte die Armee, die von Kampfflugzeugen der US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt wurde, mehrere große Stadtteile von Ramadi zurück. Am Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor. Die Befreiung der Stadt sei "das Ergebnis von vielen Monaten harter Arbeit der irakischen Armee, der Anti-Terror-Einheit, der irakischen Luftwaffe, von örtlichen und nationalen Polizeikräften und Stammeskämpfern", sagte der Sprecher der Militärkoalition, Steve Warren.

Nun Mossul im Blick

Die Rückeroberung der Stadt mit rund 300.000 Einwohnern wäre nun ein bedeutender Erfolg gegen den IS. Für die Terroristen bedeutet die Vertreibung aus Ramadi eine der größten Niederlagen neben dem Verlust der nordirakischen Stadt Tikrit Ende März. Damals konnte die irakische Armee die Stadt mit Hilfe schiitischer Milizen aus der Gewalt der Terrormiliz befreien.

Ministerpräsident al-Abadi sagte in einer Fernsehansprache, 2015 sei ein "Jahr der Befreiung" gewesen, 2016 werde das "Jahr der großen Siege". "Wir werden Mossul befreien", fügte Abadi hinzu. Das werde dem Islamischen Staat den "tödlichen Stoß" versetzen. Die Dschihadisten hatten die im Erdölgebiet gelegene zweitgrößte Stadt des Landes im Juni 2014 eingenommen. Der IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi rief dort sein Teile des Iraks und Syriens umspannendes "Kalifat" aus.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "wichtigen Erfolg" der Regierung von Ministerpräsident al-Abadi. Die Rückeroberung zeige einmal mehr, dass der IS nicht unbesiegbar sei, weder im Irak noch in Syrien. Er versprach auch schnelle Wiederaufbauhilfe. Der französische Präsident François Hollande nannte die Rückeroberung Ramadis eine "entscheidende Etappe" bei der Wiederherstellung der staatlichen Autorität im Irak.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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