Politik

Wohin mit zurückkehrendem Atommüll? Hendricks droht mit der Gießkanne

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Barbara Hendricks will sich nicht mehr von den Ländern hinhalten lassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vor allem jene Bundesländer, die jahrzehntelang zu den Befürwortern der Atomkraft und zu den Verursachern des Mülls zählten, halten sich zurück, wenn es um die Aufnahme des im Ausland aufbereiteten Atommülls geht. Umweltministerin Hendricks wird deutlich.

Im Streit um die Lagerung des nach Deutschland zurückkehrenden Atommülls droht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks den Ländern mit einer bundesweiten Verteilung. Bisher haben sich nur Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg zur Aufnahme des im Ausland wiederaufbereiteten Atommülls bereiterklärt - nötig ist mindestens ein drittes Land, das sich aber nicht findet.

Die Lage hat sich noch zugespitzt, seit das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, dass das schleswig-holsteinische Zwischenlager am AKW Brunsbüttel seine Betriebsgenehmigung zu Recht verloren hat. "Diese Situation ist nicht mehr hinnehmbar", sagte die SPD-Politikerin Hendricks dem "Tagesspiegel". Deshalb wolle sie die insgesamt zurückerwarteten Castorbehälter "auf verschiedene Standorte in einem bundesweit ausgewogenen Verhältnis" verteilen. Sie habe ihre Mitarbeiter angewiesen, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten. Sollte dies "nicht akzeptiert werden, liegt es allein bei den Unternehmen, ihrerseits zu erklären, wohin sie mit den Castoren in Deutschland wollen, und dafür die notwendigen Anträge zu stellen".

Ministerin Hendriks greift im "Tagesspiegel" vor allem Hessen und Bayern an, die sie schon mehrfach zur Aufnahme des Atommülls aufgefordert hatte. "Es ist wenig einsichtig, warum sich Länder wie Hessen und Bayern vornehm zurückhalten; schließlich gehörten sie jahrzehntelang zu den Hauptbefürwortern der Atomkraft und zu wesentlichen Verursachern des Mülls."

Kontext

  • Zu Beginn der Atomenergienutzung vor 60 Jahren träumte man von unendlich viel und billigem Strom. Atommüll, der dabei anfällt, könne man ins Weltall schießen oder im Meer versenken. Bis heute ist tonnenweise radioaktiver Atommüll angefallen, der sicher gelagert und zum Teil über eine Million Jahre von der Biosphäre abgeschirmt werden muss. Ein geeignetes Endlager dafür gibt es bis heute weltweit nicht.
     
  • Tatsächlich war die Entsorgung von Atommüll ins Meer jahrzehntelange Praxis. Erst 1994 wurde die Verklappung von Feststoffen verboten. Staaten, darunter auch Deutschland, versenkten im Nordostatlantik etwa 115.000 Tonnen Atommüll. Auch im Ärmelkanal, vor der portugiesischen und der süditalienischen Küste, in der Adria und dem Tyrrhenischen Meer liegt Atommüll auf dem Grund. Die Fässer rosten, viele sind leck, Radioaktivität entweicht ins Meer.
     
  • Im Mittel produziert ein AKW pro Jahr gut 30 Tonnen hoch radioaktiven Abfall. In Deutschland sind bis Ende 2012 knapp 14.700 Tonnen Schwermetall in Form von bestrahlten Brennelementen angefallen, laut Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) 6670 Tonnen. Davon sind 6230 Tonnen in die Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) nach La Hague in Frankreich und Sellafield in Großbritannien gegangen, die restlichen 440 Tonnen wurden in "sonstige Anlagen" im europäischen Ausland, z.B. Belgien, Schweden oder Ungarn, "entsorgt". Bisher sind also mehr als 8000 Tonnen abgebrannter Brennelemente endzulagern.
     
  • Dazu kommt noch eine prognostizierte Menge von weiteren 2550 Tonnen aus dem Betrieb der noch laufenden AKW. Insgesamt muss Deutschland also 10.550 Tonnen Schwermetall aus Brennelementen endlagern. Zählt man die Abfälle, die noch aus der Wiederaufarbeitung zurück kommen, aus den Forschungsreaktoren, den Konditionierungsanlagen, den Versuchsreaktoren Hamm/Uentrop und Jülich dazu, ergibt sich eine Gesamtmenge von gut 14.300 Tonnen Schwermetall, das entspricht einer Volumenmenge von 28.100 Kubikmetern.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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