Politik

Israels Truppen ziehen sich zurück Humanitäre Waffenruhe beginnt

Israel beginnt eine einseitige Waffenruhe. Die Hamas stimmt der Feuerpause nicht zu. Israel wolle damit nur "von seinen Massakern ablenken", heißt es. Derweil deutet sich zumindest ein Ende der israelischen Bodenoffensive an.

In weiten Teilen des Gazastreifens hat eine von Israel ausgerufene humanitäre Waffenruhe begonnen. Während der siebenstündigen Feuerpause sollten dringend benötigte Hilfsgüter wie Medikamente, Wasser und Nahrungsmittel in das Katastrophengebiet gebracht werden. Darüber hinaus sollten Zivilisten in ihre Wohngebiete zurückkehren können, sofern ihre Häuser nicht zerstört oder schwer beschädigt worden sind.

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Ein Palästinenser trägt die wenigen Sachen, die er aus seinem zerbombten Haus retten konnte.

(Foto: dpa)

Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas teilte mit, die neue Waffenruhe sei einseitig ausgerufen worden. Israel wolle damit nur "von seinen Massakern ablenken". Weiter hieß es: "Wir glauben nicht an diese Waffenruhe und rufen unser Volk zur Vorsicht auf."

Die Waffenruhe war bis 17.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MESZ) geplant. Ausgenommen war nach israelischen Medienberichten eine Region im Bereich Rafah im südlichen Gazastreifen, wo es noch Kämpfe gab. Der israelische Generalmajor Joav Mordechai warnte, jeder Verstoß gegen die Waffenruhe werde sofort Konsequenzen nach sich ziehen. Eine Feuerpause am Freitag war nach kurzer Zeit wieder zusammengebrochen.

Fast vier Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs zeichnet sich aber zumindest ein Ende der israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet ab. Die meisten Soldaten seien bereits aus dem Gazastreifen abgezogen worden, berichteten israelische Medien am Sonntag. Sie hätten Stellungen in grenznahen Aufmarschräumen in Israel bezogen. Am Sonntag waren israelische Truppen noch im Gazastreifen im Einsatz, um Tunnel der Hamas zu zerstören, mit deren Hilfe israelische Ortschaften überfallen werden können.

Scharfe Kritik an Beschuss einer Schule

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Ärzte versorgen ein verletzten Mädchen im Krankenhaus des Flüchtlingslagers Rafah im Süden des Gazastreifens.

(Foto: AP)

Die israelische Luftwaffe griff bis kurz vor der Waffenruhe Ziele im südlichen Gazastreifen an, wie eine Militärsprecherin bestätigte. Dabei gab es nach palästinensischen Berichten mehrere Tote. Bei einem Luftangriff in Dschabalija kam ein ranghoher Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad ums Leben. Eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, Danijal Mansur sei nach Geheimdienstinformationen für die Koordinierung von Raketenangriffen auf Israel zuständig gewesen. Allein am Sonntag feuerten militante Palästinenser 120 Raketen auf Israel ab.

Beim Beschuss einer UN-Schule nahe Rafah wurden am Sonntag zehn Menschen getötet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA kritisierten den neuerlichen Beschuss einer UN-Einrichtung. Ban nannte ihn eine "moralische Schandtat" und "kriminellen Akt", US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die USA seien erschüttert über den "schandhaften" Vorfall.

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Tausende Menschen nahmen an der Beerdigung von Hadar Goldin teil.

(Foto: REUTERS)

"Die israelische Armee ist mehrfach über den Standort der Schule informiert worden", sagte Ban in New York. "Dieser Angriff und andere Verstöße gegen das Völkerrecht müssen rasch aufgeklärt und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden." Ban forderte Israel und die radikal-islamische Hamas auf, die Kämpfe umgehend zu beenden: "Dieser Wahnsinn muss aufhören."

Israels Militär räumte ein, ein Ziel nahe einer UN-Schule im Gazastreifen beschossen zu haben. Gegolten habe der Angriff drei Militanten auf einem Motorrad, teilten die Streitkräfte mit. Die "Konsequenzen" des Angriffs würden geprüft.

UN warnen vor humanitärer Katastrophe

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 1830 Palästinenser getötet und mehr als 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten. Am Sonntag nahmen Tausende Menschen am Begräbnis des israelischen Soldaten Hadar Goldin in Kfar Saba bei Tel Aviv teil. Der 23-Jährige war am Freitag zunächst als entführt gemeldet worden. Am Sonntag erklärte ihn das Militär für tot. Die genauen Umstände seines Todes sind unklar. Nach israelischen Angaben wurde er beim Kampf im Gazastreifen von einem Hamas-Kommando getötet.

Die Vereinten Nationen warnen vor einer humanitären Katastrophe im Gazastreifen. Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks in der Küsten-Enklave und der Mangel an sauberem Wasser verschärften die Flüchtlingssituation dramatisch. Mehr als 254.000 der 1,8 Millionen Palästinenser hätten Zuflucht in einer der 90 UN-Unterkünfte gesucht.

Wie der Krieg abgeschlossen werden soll, ist weiter unklar. Israelische Politiker gaben nach Medienberichten zu erkennen, dass sie an keiner formellen Waffenstillstandsvereinbarung mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas interessiert seien. Feindselige Akte der Militanten könnten auch künftig jederzeit mit Luftangriffen beantwortet werden, hieß es.

Israel sah auch davon ab, eine Delegation zu Verhandlungen über eine Waffenruhe nach Kairo zu entsenden. In der ägyptischen Hauptstadt trafen am Wochenende Unterhändler der Palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas sowie der Hamas und ihrer Verbündeten ein. Die Hamas hat bislang ihre Zustimmung zu einer Waffenruhe unter anderem davon abhängig gemacht, dass die Blockade des Gazastreifens aufgehoben wird.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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