Politik

Menschenkette durch ganz Katalonien Hunderttausende fordern Unabhängigkeit

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Die Menschenkette am Nationalfeiertag ging auch durch die großen Städte Barcelna, Girona und Tarragona.

REUTERS

Seit fast 300 Jahren ist Katalonien ein Teil Spaniens. Doch die Unabhängigkeitsbewegung hat in der Krise stark an Zulauf gewonnen. Mit einer gewaltigen Menschenkette macht sie nun auf sich aufmerksam. Das freut nicht alle Katalanen. Und die spanische Regierung blockt ab.

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Schon in den vergangenen Tagen hatten kleinere Gruppen die Menschenkette geprobt wie hier in Palamos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einer Menschenkette durch Katalonien haben Hunderttausende Demonstranten eine Abspaltung der Region von Spanien verlangt. Unter dem Slogan "Der katalanische Weg zur Unabhängigkeit" forderten sie die Gründung eines eigenen Staates in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens. Die Menschenkette reichte über eine Strecke von 400 Kilometern von den Pyrenäen durch die Städte Girona, Barcelona und Tarragona hindurch bis an die Grenze zur Nachbarregion Valencia.

Zunächst war nicht bekannt, ob es den Demonstranten gelang, die Kette bei regnerischem Wetter vollständig zu schließen oder ob es auf einzelnen Abschnitten Lücken gab. Vorbild war eine rund 620 Kilometer lange Menschenkette, die im August 1989 etwa 1,5 Millionen Demonstranten durch die damaligen baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen gebildet hatten. Die "baltische Straße" war die größte regimefeindliche Massendemonstration in der Geschichte der Sowjetunion gewesen. Zwei Jahre später erlangten die baltischen Staaten ihre Unabhängigkeit.

Zentralregierung lehnt Referendum ab

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Auch der katalanische Regierungschef Artur Mas unterstützte die Menschenkette.

(Foto: REUTERS)

Die Menschenkette in Katalonien war von der separatistischen Initiative Katalanische Nationalversammlung (ANC) organisiert worden, die vor einem Jahr in Barcelona eine der größten Kundgebungen in der Geschichte der Stadt auf die Beine gestellt hatte. ANC-Präsidentin Carme Forcadell verlangte, dass die Katalanen im kommenden Jahr über ihre Unabhängigkeit abstimmen dürfen. "Dazu ist jedes friedliche und demokratische Mittel recht", sagte sie.

Die spanische Zentralregierung lehnt ein solches Referendum strikt ab. Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo betonte: "Die Kundgebung ist ein Ausdruck der Meinungsfreiheit. Sie zeigt, dass die Demokratie in Spanien gut funktioniert." Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas kündigte an, mit der Regierung in Madrid entschlossen über die Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums im kommenden Jahr zu verhandeln. Der Regierungschef unterstützte die Menschenkette, nahm aber nicht selbst daran teil. "Ich vertraue darauf, dass wir damit die ganze Welt in Erstaunen versetzen können", sagte er.

Zeitpunkt erinnert an spanische Besatzung

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Immer wieder fallen die Separatisten mit großen Aktionen auf. So wie mit diesem Konzert im Stadion des FC Barcelona.

(Foto: REUTERS)

Nach einer Umfrage des spanischen Radiosenders Cadena Ser sind gut 80 Prozent der Katalanen für eine Volksabstimmung. 52 Prozent der Befragten würden danach bei einem solchen Referendum für die Schaffung eines eigenen Staates votieren. Nur 24 Prozent würden gegen eine Abspaltung von Spanien stimmen. Katalonien im Nordosten Spaniens hat 7,6 Millionen Einwohner und verfügt über eine eigene Sprache und Kultur. Katalanisch wird auch in Valencia, auf den Balearen, in Andorra und Teilen Südfrankreichs geprochen.

Das Geläut von Kirchenglocken markierte um 17.14 Uhr das Zeichen zum Schließen der Menschenkette. Mit dieser Uhrzeit sollte an das Jahr 1714 erinnert werden, in dem Barcelona am 11. September nach einer 14-monatigen Belagerung von den Truppen des spanischen Königs Philipp V. eingenommen wurde. Der Monarch nahm den Katalanen später ihre Selbstverwaltungsrechte. Besonders während der Franco-Diktatur wurde die regionale Eigenständigkeit bekämpft und das sogar das Sprechen der Sprache verboten. Zum Gedenken der Einnahme Barcelonas erklärte das katalanische Parlament den 11. September im Jahr 1980 zum "Nationalfeiertag".

Quelle: n-tv.de, mkr/dpa

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