Politik

UN-Diplomat: "Wettlauf mit der Zeit" IS dehnt Einfluss in Libyen aus

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Milizionäre der Gruppe "Libya Dawn" feuern in Richtung von IS-Stellungen nahe der Stadt Sirte.

(Foto: REUTERS)

In Libyen tummeln sich zwei Regierungen, unzählige Milizen und der IS. Das ist nicht neu. Doch angesichts des Chaos in dem nordafrikanischen Staat überwiegt im Ausland die Ratlosigkeit. Ein Fehler, wie der UN-Sondergesandte eindringlich warnt.

Der UN-Libyengesandte Martin Kobler hat vor einer weiteren Ausbreitung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und anderer Extremisten in dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland gewarnt. "Extremistische und terroristische Gruppen dehnen ihren Einflussbereich weiter aus", sagte der deutsche Diplomat in Tunis während einer Videokonferenz mit dem UN-Sicherheitsrat. "Ich kann die Bedrohung, die Daesch darstellt, nicht überbetonen." Daesch ist eine arabische Abkürzung für den IS.

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Martin Kobler ist Libyen-Sondergesandter der UN.

(Foto: REUTERS)

Internationale Unterstützung für Libyen sei ein Muss, damit das Land diese "drohende Gefahr" eliminieren könne, sagte Kobler. Der IS und andere Extremisten haben das Bürgerkriegschaos genutzt, um Teile Libyens unter Kontrolle zu bringen. Sie sind vor allem in Sirte aktiv, dem Geburtsort des 2011 gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi.

Die italienische Regierung hat für Sonntag eine internationale Konferenz nach Rom einberufen, um dort die verfeindeten libyschen Gruppen noch einmal zur Lösung des Konflikts zu drängen. Auch Kobler rief die Konfliktparteien zu einer schnellen Einigung auf. Das Land befinde sich in einem Wettlauf mit der Zeit. "Libyen kann und sollte nicht länger auf Frieden warten", sagte er.

Die wichtigsten Konfliktparteien hatten sich zuvor auf die Unterzeichnung eines Abkommens über eine Regierung der nationalen Einheit geeinigt. Es soll am kommenden Mittwoch unterschrieben werden. Allerdings haben die libyschen Delegierten solche Termine schon mehrfach verstreichen lassen.

Im ölreichen Land gibt es derzeit zwei Regierungen und zwei Parlamente sowie zahlreiche Milizen, die sich gegenseitig bekämpfen. Die Libyer trügen angesichts der Gewalt und der Zerstörung eine schwere Last, warnte Kobler. Allein 2,4 Millionen Menschen benötigten dringend humanitäre Hilfe. Hunderttausende seien auf der Flucht.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa