Politik

Im Schatten von Kobane IS fällt wieder über Jesiden her

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Jesidische Flüchtlinge im August.

(Foto: REUTERS)

Noch etwa 7000 Menschen leben im Sindschar-Gebirge im Norden des Irak. Der IS hat sie nun eingekesselt. In einem Artikel kündigen die Islamisten an, was sie mit ihren Gefangenen tun werden.

Während die Welt nach Kobane schaut, überrennt der Islamische Staat wieder Dörfer der Jesiden im Nordirak. Eine überraschende Offensive begann in der Nacht zum Montag um 3 Uhr. Der IS hat den größten Teil der Region rund um das Sindschar-Gebirge besetzt, einen Höhenzug, der von einer weiten Hochebene umgeben ist. Am Rande dieser Berge befinden sich mehrere Heiligtümer der Jesiden, die diese um jeden Preis verteidigen wollen.

Im Laufe des Vormittags meldeten die Jesiden, dass die Dörfer Duhola und Borik gefallen seien. Die rund 7000 Zivilisten aus der Region flohen mit einigen hundert Kämpfern in die Berge, wo sie sich besser verteidigen können. Andere Kämpfer verblieben in der Pilgerstadt Scherfedin. Für den IS ist die jesidische Religion ein Götzenkult, den es zu vernichten gilt. Als die Miliz am Abend den Pilgerort Quba Amadin erreichte, sprengte sie die Heiligtümer in die Luft. Die Ereignisse halten deutsche Jesiden auf einer Nachrichtenseite minutiös fest.

Die Bürgerwehr der Jesiden hat dem IS wenig entgegenzusetzen. Es fehlt ihnen an erfahrenen Kämpfern und an Waffen, mit denen sie die gepanzerten Fahrzeuge der Terrormiliz zerstören könnten. Diese ist in der Region vor allem mit Humvee-Fahrzeugen aus amerikanischer Produktion unterwegs.

Was mit den Menschen passiert, wenn sie in die Hände der Dschihadisten fallen, ist ziemlich klar. Schon im August waren 80.000 Jesiden vor dem IS geflohen. Hunderte Menschen starben, weil es nicht genug zu Essen und zu Trinken gab. Wen der IS zu fassen bekam, konnte konvertieren. Männer, die das nicht taten, wurden gefoltert und getötet, Frauen wurden versklavt. Wenige junge Frauen haben aus der Gefangenschaft fliehen können und berichten von Massenvergewaltigungen und Menschenhandel. Erst als die kurdischen Peschmerga-Truppen einen Korridor freikämpften, konnten sich Tausende Jesiden in Sicherheit bringen.

Weil die Taten des IS offensichtlich fundamental den Regeln des Islam widersprechen, versucht der IS, sich zu rechtfertigen. In seinem Propagandamagazin "Dabiq" gibt er zu, Jesiden zu Sklaven und "Konkubinen" gemacht zu haben. Die Jesiden seien eine heidnische Religion und könne sich nicht wie Christen oder Juden von der Unterwerfung durch die Islamisten freikaufen. Ihre Identität müsse vernichtet werden.

Unterstützung durch die kurdische Peschmerga-Armee und aus der Luft gab es bislang kaum. Das könnte teilweise daran liegen, dass ein dichter Nebel die Sicht verhinderte. Ein irakischer Hubschrauber habe zwei Mal geschossen heißt es, seine Ziele aber verfehlt. Weil es zuvor viel geregnet hatte, seien die Peschmerga auf dem Weg nach Sindschar "im Schlamm steckengeblieben", meldeten sie an die Jesiden. Dem IS kam das Wetter gelegen. Er schickte Selbstmordattentäter im Schutz des Nebels in die Berge, um Anschläge auf die Flüchtlinge zu begehen, die sich dort verschanzt haben.

Quelle: ntv.de

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