Politik

Kritik an Thüringer Genossen In der SPD herrscht Unmut über Gabriel

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Ernste Mienen bei der SPD: Sigmar Gabriel mit Heike Taubert und Dietmar Woidke.

(Foto: dpa)

Die Kritik von Sigmar Gabriel hinsichtlich des schwachen Wahlergebnisses der Thüringer SPD kommt bei einem Teil des Parteipräsidiums gar nicht gut an. Einem Bericht zufolge wird die Kritik allerdings in Abwesenheit des SPD-Chefs geäußert.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat mit seinen Schuldzuweisungen an die Thüringer Sozialdemokraten Unmut unter seinen Parteifreunden ausgelöst. In der Sitzung des SPD-Präsidiums am Montagvormittag kritisierten nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mehrere Teilnehmer den Parteichef in dessen Abwesenheit für seine Äußerungen am Wahlabend. Gabriel hatte die Ursachen für die Wahlniederlage der Thüringer SPD klar im Bundesland verortet und unter anderem innerparteilichen Streit im Landesverband sowie "Unklarheiten, wie eine Regierungsbildung aussehen sollte" genannt.

In der Sitzung des Präsidiums ging der Brandenburge r Ministerpräsident Dietmar Woidke, der am Sonntag die Wahl in seinem Land gewonnen hat, darauf ein: Das sei unsolidarisch gewesen, das könne man so nicht machen, sagte er nach Angaben von Teilnehmern. Ähnlich klar hatte sich vor Woidke bereits der Thüringer SPD-Landeschef Christoph Matschie in der Sitzung eingelassen. Gabriel aber war zu diesem Zeitpunkt noch nicht anwesend: Auf der Anreise aus seinem Heimatort Goslar steckte sein Zug fest.

Die Sitzung des Präsidiums begann um 10 Uhr, nach Angaben von Teilnehmern stieß Gabriel erst deutlich nach 11 Uhr dazu. Am Ende der Sitzung ging es dann nur noch in allgemeinerer Form um die Lage in Thüringen. Unmittelbar im Anschluss suchten Matschie und Woidke jedoch das direkte Gespräch mit dem Parteivorsitzenden.

Taubert hält sich zurück

In der Sitzung selbst meldeten sich laut "SZ" auch die stellvertretenden Parteichefs Ralf Stegner und Thorsten Schäfer-Gümbel zu Wort, allerdings nicht mit direkter Kritik an Gabriel, sondern allgemein auf die Lage in Thüringen bezogen. Schäfer-Gümbel forderte nach Angaben von Teilnehmern Solidarität mit der Thüringer SPD. Deren Spitzenkandidatin Heike Taubert soll sich in der Sitzung zurückgehalten haben, wird aber mit der Äußerung zitiert, man überlege sich Dinge wie die offene Koalitionsaussage ja durchaus.

Zum Unmut an der Parteispitze dürften auch Berichte beigetragen haben, wonach Gabriel den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein aufgefordert habe, den Vorsitz der Thüringer SPD zu übernehmen. Gabriel ließ die Berichte als "Blödsinn" dementieren.

Öffentlich wandte sich Gabriel gegen Vermutungen, er wolle die Koalitionsbildung in Thüringen oder Brandenburg beeinflussen. "Es wird von uns überhaupt keine Einflussnahme geben", sagte er. Woidke bedankte sich ausdrücklich bei ihm für den Wahlkampf: Man habe "teilweise sogar Rückenwind" von der Bundesebene bekommen.

Quelle: ntv.de, wne