Politik

IS-Milizen auf dem Rückzug Iraker erobern Al-Bagdadi

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Frühjahrsoffensive gegen den "Islamischen Staat": Schiitische Stammeskämpfer fahren in Richtung Front.

(Foto: REUTERS)

Die Offensive am Euphrat zeigt erste Erfolge: Unter dem Feuerschutz einer internationalen Allianz rückt die irakische Armee in eine von IS-Kämpfern gehaltene Ortschaft vor. Die US-Soldaten in der nahe gelegenen Luftwaffenbasis können aufatmen.

Die irakische Armee hat nach US-Angaben Kämpfer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) aus dem heftig umkämpften Ort Al-Bagdadi vertrieben. Bei der zweiwöchigen Offensive seien die Regierungstruppen von sunnitischen Stammeskämpfern und US-Luftangriffen unterstützt worden, teilte das Zentralkommando des US-Militärs mit. Zur Zahl der Opfer lagen zunächst keine Angaben vor.

Al-Bagdadi liegt am Euphrat nordwestlich der Hauptstadt Bagdad nahe der Luftwaffenbasis Ain Assad. In der Luftlinie beträgt die Entfernung zum Stadtzentrum Bagdads rund 180 Kilometer. Die Ortschaft ist im Kampf gegen den IS von großer strategischer Bedeutung: Am Ufer des Euphrat verläuft eine der Hauptverkehrsadern des Irak in Richtung Nordwesten ins irakisch-syrische Grenzgebiet. Noch größeres Gewicht erhält der Etappensieg aus Sicht der USA durch die Nähe zur Luftwaffenbasis Ain Assad. Dort sind 300 US-Soldaten stationiert, um irakische Einheiten auszubilden.

US-Truppen in Reichweite

Die IS-Miliz hatte Al-Bagdadi im vergangenen Monat eingenommen. Ein Angriff der Dschihadisten auf den südwestlich in der irakischen Wüste gelegenen Luftwaffenstützpunkt konnte mit massiver Luftunterstützung abgewehrt werden. Trotzdem befanden sich seitdem US-Soldaten in Hör- und Schussweite ihrer derzeit wohl gefährlichsten Gegner. Die IS-Milizen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Gefangene, westliche Geiseln oder auch vollkommen unbeteiligte Andersgläubige auf besonders grausame Weise umgebracht.

Ende Februar hatte die irakische Armee schließlich eine Offensive zur Rückeroberung des Ortes in der Provinz Anbar gestartet. Nach Angaben des US-Militärs wurden dabei alle IS-Kämpfer aus dem Zielgebiet der Operation vertrieben. Die Polizeistation, das markanteste Gebäude von Al-Bagdadi, befinde sich nun wieder unter der Kontrolle der irakischen Streitkräfte, hieß es. IS-Extremisten hatten sich in der Gegend seit längerem heftige Gefechte mit Truppen der Regierung geliefert.

Eine Polizeistation und drei Brücken

Mit der Rückeroberung von Al-Bagdadi zeigt die zweite große irakische Offensive des laufenden Jahres erste vorzeigbare Erfolge. Zusätzlich konnten die irakischen Regierungstruppen auch drei Euphrat-Brücken zurückerobern, die seit September von den Dschihadisten gehalten worden waren. Außerdem habe die irakische Armee die IS-Miliz aus sieben Dörfern nordwestlich von Al-Bagdadi verdrängt. Die fanatischen Kämpfer des Kalifats zogen sich demnach in Richtung der Stadt Haditha zurück.

Zeitgleich mit den Vorstößen entlang des Euphrat gehen irakische Regierungstruppen auch am Tigris nördlich von Bagdad gegen Tikrit vor. Die USA unterstützen die irakische Armee bei beiden Offensiven mit Militärberatern sowie Geheimdienstinformationen, wie es in der Erklärung des Central Command weiter hieß.

Zusammengewürfelte Truppe

An der Seite der regulären irakischen Streitkräfte griffen auch Stammeskämpfer aus der westlichen Region Anbar in das Geschehen ein, teilte das US-Militär weiter mit. Dabei handelt es sich vorwiegend um schiitische Einheiten, die zum Teil vom Iran unterstützt werden.

Während die Kämpfer neben den regulären Regierungstruppen am Boden vorgehen, fliegen Kampfflugzeuge und Drohnen der internationalen Allianz begleitende Luftangriffe auf IS-Stellungen in und um Al-Bagdadi. Während der Offensive vom 22. Februar bis zum 6. März kam es nach US-Angaben im Operationsgebiet zu 26 Luftschlägen durch Einheiten der internationalen Koalition unter Führung des US-Militärs.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa