Politik

Heftige Kämpfe im Irak Isis-Terroristen überrennen Tal Afar

32899C0084EB0B9D.jpg7893746841098756582.jpg

Gotteskrieger mit Internet-Zugang: Isis-Kämpfer twitterten dieses Bild.

(Foto: AP)

Schon wieder erringen die Kämpfer der Terrorgruppe Isis einen militärischen Erfolg: Die nordirakische Stadt Tal Afar fällt zum größten Teil in ihre Hände, Dutzende Zivilisten werden getötet. Die USA wollen nicht länger tatenlos zusehen.

Die nordirakische Stadt Tal Afar ist nach Angaben eines Regierungsvertreters nach heftigen Kämpfen weitgehend an die Aufständischen gefallen. Bei den Gefechten um die mehrheitlich schiitische Stadt, die auf einem strategisch wichtigen Korridor nach Syrien liegt, seien Dutzende Kämpfer und Zivilisten getötet worden, sagte der Vize-Vorsitzende des Provinzrats von Ninive, Nuriddin Kabalan. Die Sicherheitskräfte hielten nur noch wenige Teile der Stadt.

Auch in anderen Regionen dauern die Kämpfe zwischen den dschihadistischen Milizen und kurdischen und irakischen Soldaten an. Wie das Nachrichtenportal "Sumaria News" berichtet, verhinderten Sicherheitskräfte in der Provinz Kirkuk einen Angriff der sunnitischen Extremisten der Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) auf einen Schiitenschrein. In der Provinz Dijala seien zudem bei Gefechten mindestens 19 radikale Islamisten getötet worden, hieß es weiter.

In Baakuba, der Hauptstadt von Dijala, schlugen allerdings irakische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben einen Angriff der Rebellen zurück. In der Nacht hatten die Aufständischen zunächst mehrere Viertel von Baakuba erobert, wie Vertreter von Armee und Polizei sagten. Sie hätten jedoch zurückgedrängt werden können.

2014-06-16T031004Z_1621407059_GM1EA6F1AZY01_RTRMADP_3_IRAQ-SECURITY.JPG8186558760678872420.jpg

Schiiten und Sunniten leisten sich erbitterte Kämpfe.

(Foto: REUTERS)

Angesichts der Dschihadisten-Offensive im Irak schickt US-Präsident Barack Obama 275 Soldaten nach Bagdad. Die Truppen sollen den US-Kräften vor Ort beim Schutz von US-Bürgern und der US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt helfen und seien falls notwendig "für Kampfeinsätze ausgerüstet", schrieb Obama an den Kongress. Die Entsendung der Soldaten habe am Sonntag begonnen, heißt es in dem Brief.

Das Weiße Haus teilte mit, die Spezialkräfte würden bei der Verlegung von Botschaftspersonal von Bagdad in die Konsulate in Arbil und Basra sowie nach Amman in Jordanien helfen. Die Botschaft in Bagdad bleibe aber geöffnet und die meisten Mitarbeiter würden dort bleiben. Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki habe der Entsendung der US-Soldaten zugestimmt.

Nahostexperte: USA bereiten Militärschläge vor

Nahostexperte Michael Lüders glaubt, dass es bei der Entsendung von US-Soldaten nicht nur darum gehe, US-Bürger zu schützen. Vielmehr würden im Hintergrund aller Voraussicht nach Militärschläge auf die Stellungen der Isis vorbereitet, sagte Lüders bei n-tv. "Es werden vermutlich auch noch weitere amerikanische Militärberater entsandt", so Lüders.

Zugleich müsse Washington den Eindruck vermeiden, noch einmal mit Bodentruppen im Irak massiv intervenieren zu wollen. Dabei ist Lüders zufolge aber ganz klar: Obama könne einen Zerfall des Irak nicht hinnehmen. "Die USA wollen etwas unternehmen, sie wollen nicht zusehen, wie der Irak zerfällt und radikale Sunniten die Oberherrschaft in weiten Teilen des Irak übernehmen."

Angesichts der Bedrohung bildeten sich inzwischen paradoxe Allianzen. "Der Iran hat ebenso wenig ein Interesse daran wie Washington, dass sunnitische Extremisten im Irak das Machtmonopol übernehmen", so Lüders weiter bei n-tv. Dabei sei "das Erstaunliche an der ganzen Krise, dass hier ehemalige Feinde zusammenrücken". Auch Kurden und die Türkei arbeiteten mittlerweile sehr eng zusammen - obwohl doch die Kurden in der Türkei selbst Jahrzehnte unterdrückt worden waren.

Am vergangenen Woche hatte die sunnitische Rebellengruppe Isis die Millionenstadt Mossul im Nordirak eingenommen und sich daraufhin in Richtung Bagdad bewegt. Inzwischen haben sich kurdische und irakische Streitkräfte neu formiert und leisten zusammen mit zahlreichen Freiwilligen zunehmend Gegenwehr. Viele Schiiten meldeten sich zum Dienst an der Waffe, um sich den Dschihadisten entgegenzustellen. Die jüngste Eskalation dürfte die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten im Irak noch weiter vorantreiben.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa