Politik

Nach Mord an Siedler im Westjordanland Israelische Armee nimmt Verdächtige fest

3286960012453265.jpg8164964718761806723.jpg

Hier wurde der Oberst der Reserve brutal ermordet.

(Foto: AP)

Wieder wird ein Israeli im Westjordanland brutal ermordet, diesmal ist es ein Oberst der Reserve. Obwohl der Hintergrund der Tat noch völlig unklar ist, fordert der rechte Regierungsflügel scharfe Konsequenzen für die laufenden Friedensgespräche mit den Palästinensern.

Nach der Tötung eines israelischen Siedlers im Westjordanland hat die Armee nach eigenen Angaben fünf Verdächtige festgenommen. Bei den Ermittlungen würden Geheimdiensterkenntnisse eine wichtige Rolle spielen, sagte der Sprecher des Militärs, Peter Lerner.

Es ist bereits das dritte Mal binnen knapp drei Wochen, dass ein Israeli im besetzten Westjordanland umgebracht wurde. Rechte Mitglieder der israelischen Regierung nahmen das zum Anlass, die Friedensgespräche infrage zu stellen. Der Oberst der Reserve wurde am frühen Morgen vor seinem Haus in der Feriensiedlung Brosch Habika im Norden des Jordantals getötet, wie die Armee auf Anfrage bestätigte. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurde auch die Frau des Getöteten angegriffen. Sie konnte jedoch fliehen und anschließend Alarm auslösen.

Vize-Verteidigungsminister Danny Danon rief Regierungschef Benjamin Netanjahu im Gespräch mit Radio Israel umgehend auf, die Gespräche zu überdenken und die zugesagte stufenweise Freilassung palästinensischer Häftlinge auf Eis zu legen.

Siedlungsbau bleibt wesentlicher Streitpunkt

Vize-Außenminister Zeev Elkin sagte: "Wieder legen die Palästinenser unseren Wunsch nach Frieden als Schwäche aus und antworten mit Mord." Wohnungsbauminister Uri Ariel von der rechten Siedlerpartei "Das Jüdische Haus" kündigte den verstärkten Ausbau der Siedlungen an. "Das ist eine wahrhaft zionistische Antwort auf den widerlichen Mord", zitierte ihn die Zeitung "Times of Israel". Die Palästinenser hatten zuvor gerade wegen des Siedlungsausbaus mit einem Abbruch der auf neun Monate angelegten Gespräche gedroht.

Nach Angaben der Frau des Opfers, die fliehen konnte, war ihr Mann wegen verdächtiger Geräusche kurz nach Mitternacht aus dem Haus gegangen. Dort sei er von mindestens zwei arabisch sprechenden Männern, die mit einer Axt und einer Eisenstange bewaffnet gewesen seien, erschlagen worden. Ob es sich um einen Anschlag mit politischen Motiven oder um einen Raubüberfall handelte, war zunächst unklar.

Die Ende Juli wiederaufgenommenen Friedensgespräche Israels mit den Palästinensern sind schon von mehreren gewaltsamen Zwischenfällen auf beiden Seiten überschattet worden. Seither starben drei Israelis und sieben Palästinenser; Hunderte Palästinenser und auch mehrere Israelis wurden bei Demonstrationen und durch Steinwürfe auf Autos verletzt. Vergangenen Samstag wurde ein neunjähriges israelisches Mädchen in der Siedlung Psagot von einem Unbekannten angeschossen.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.