Politik

Brexit-Gespräche vor Endspurt Johnson muss in Quarantäne bleiben

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Die Läden in London sind geschlossen, der Premier in Quarantäne.

(Foto: imago images/Xinhua)

Zwei Wochen bleiben der EU und Großbritannien noch, um einen Brexit-Deal abzuschließen. Ausgerechnet auf der Zielgeraden fällt der britische Premier aus. Trotz eines negativen Corona-Tests muss Johnson in Quarantäne bleiben. Merkel und der irische Premier halten dennoch einen schnellen Durchbruch für möglich.

Mitten in der entscheidenden Phase der Brexit-Verhandlungen bleibt der britische Premier Boris Johnson trotz eines ersten negativen Corona-Testergebnisses in Quarantäne. "Er wird, den Regeln entsprechend, weiter in Selbstisolation bleiben", sagte ein Regierungssprecher in London. Johnson hatte sich am Sonntagabend in Quarantäne begeben, nachdem ein Abgeordneter, den er am Donnerstag getroffen hatte, positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Johnson selbst war im Frühjahr bereits selbst schwer an Covid-19 erkrankt und sogar auf der Intensivstation behandelt worden.

Er fühle sich "fit wie ein Metzgershund" und "berste vor Antikörpern", hatte er am Montag per Video verkündet. Virologen schließen jedoch erneute Infektionen von Genesenen nicht aus. Johnson werde seine Arbeit aus der Downing Street per Video fortsetzen - und sich auf diesem Wege am Mittwoch auch den Fragen der Abgeordneten stellen, hieß es.

Die Quarantäne des Premiers kommt zeitgleich mit dem Endspurt in den Verhandlungen Londons über einen Handelspakt mit der EU. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen wird mit einer Einigung oder einem Abbruch der Gespräche gerechnet. Bis zum Ende des Jahres läuft noch die Brexit-Übergangsphase mit ähnlichen Regeln wie zuvor - danach drohen ohne ein Abkommen Zölle, lange Staus an den Grenzen und andere Handelshürden.

Irischer Premier setzt auf Johnsons Bauchgefühl

Der irische Premierminister Micheál Martin erwartet einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt zwischen Großbritannien und der EU. "Nach Gesprächen mit Boris Johnson denke ich, dass sein Bauchgefühl ihm sagt, dass ein Deal einen Sinn hätte", sagte Martin der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Obwohl bei den Konfliktpunkten wie Fischerei-Rechten oder Wettbewerbsbedingungen noch keine Einigung erzielt worden sei, bereiteten sich die Verhandlungsteams beider Seiten auf einen Abschluss vor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht ganz so zuversichtlich, aber auch sie setzt auf einen Erfolg bei den Brexit-Verhandlungen. Sie halte ein Abkommen nach wie vor für möglich, sagte Merkel nach Informationen von Teilnehmern in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag. Die Verhandlungen gingen allerdings nicht übermäßig schnell voran, es gebe noch einige Probleme zu lösen.

Derzeit verhandeln die Unterhändler David Frost und Michel Barnier in Brüssel. Die Zeit drängt, da beide Seiten einen Deal noch ratifizieren müssten. Mehrere Fristen sind bereits verstrichen. Medienberichten zufolge halten Beteiligte einen Durchbruch Anfang der kommenden Woche für möglich.

Quelle: ntv.de, mau/dpa