Politik

Hinrichtungen im Morgengrauen Jordanien rächt den Feuertod

Der Mord an einem jordanischen Piloten gleicht einer Kriegserklärung: Am Morgen nach der Veröffentlichung des Terrorvideos schreitet Jordanien zur Tat: In Amman müssen zwei zum Tode verurteilte Dschihadisten sterben.

Jordanien schlägt zurück: In einer Reaktion auf die Ermordung eines jordanischen Kampfpiloten durch die Extremistenmiliz Islamischer Staat haben die Behörden in der jordanischen Hauptstadt am frühen Morgen zwei Todesurteile an inhaftierten Islamisten vollstreckt.

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"Wir sind alle Muas": In Amman gedenken die Menschen der grausam ermordeten IS-Geisel Muas al-Kasasba.

(Foto: AP)

Nach Angaben aus jordanischen Sicherheitskreisen handelt es sich dabei zum einen um die irakische Extremistin Sadschida al-Rischawi, deren Freilassung die jordanische Regierung im Austausch für den Piloten angeboten hatte. Sie wurde gehängt.

Die verurteilte Terroristin soll nach Aufassung der Richter an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen sein, bei dem vor zehn Jahren in Amman 60 Menschen getötet wurden. Zuletzt war sie den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, weil die IS-Milizen ihre Freilassung im Gegenzug für das Leben des 26-jährigen Piloten Muas al-Kasasba gefordert hatte.

Zusätzlich zur Hinrichtung al-Rischawis vollstreckten die jordanischen Behörden auch das Todesurteil für ein ranghohe al-Kaida-Mitglied namens Siad Karbuli. Der Mann war wegen Anschlagsplanungen gegen das pro-westliche Königreich zum Tode verurteilt worden. Auch er wurde offenbar erhängt. Die Hinrichtung fand nach Angaben aus Amman gegen 4 Uhr morgens Ortszeit statt.

Der IS schafft sich erbitterte Feinde

Die Dschihadisten-Organisation "Islamischer Staat" (IS) hatte zuvor ein Video veröffentlicht, das die grausame Ermordung eines jordanischen Kampfpiloten zeigen soll. IS-Milizen ließen ihre Geisel Muas al-Kasasba offenbar bei lebendigem Leib verbrennen. Um die Terrorwirkung zu maximieren, zeichneten sie seinen Todeskampf auf Video auf, um aller Welt die eigene Grausamkeit vorzuführen. Das Video verfehlt nicht seine Wirkung: Die Islamisten lösten damit weltweit Abscheu und Entsetzen aus.

Jordanien kündigte daraufhin umgehend massive Vergeltung an, die sich aller Voraussicht nach nicht auf die Hinrichtung zweier verurteilter Terroristen beschränken wird. International wurde die Tat erschüttert aufgenommen und scharf verurteilt. Obama empfing kurzfristig König Abdullah II. im Weißen Haus. Der Monarch hielt sich in der US-Hauptstadt auf, eine Begegnung mit Obama war ursprünglich aber nicht vorgesehen.

Nach dem Treffen sagte ein US-Vertreter, Obama und Abdullah II. seien sich einig, dass der "abscheuliche Mord an dem mutigen Jordanier" die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den IS noch verstärke. US-Vizepräsident Joe Biden sagte Jordanien die Unterstützung der USA zu.

Der Pilot Muas al-Kasasba war im Dezember in die Gefangenschaft der Extremisten geraten, als seine F-16 bei einem Einsatz gegen den IS abstürzte. Nach einem Bericht des jordanischen Staatsfernsehens wurde er bereits am 3. Januar getötet - was die jordanische Seite zusätzlich erzürnen dürfte. Denn bis zuletzt hatte Jordanien sogar eine Freilassung al-Rischawis erwogen, um das Leben des Mannes zu schützen.

 Wenn die Vorwürfe zutreffen, verhandelten die IS-Milizen noch lange um eine Freilassung, nachdem sie ihre Geisel längst umgebracht hatten. Die Strategie der IS-Vordenker ist dabei bemerkenswert rücksichtslos - auch gegen eigene Positionen. Künftig dürfte kein betroffener Staat mehr Verhandlungen mit IS-Geiselnehmern in Erwägung ziehen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/rts

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