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Ende der Eiszeit in Korea? Kims Gesprächsangebot läuft ins Leere

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Für südkoreanische Zeitungen ist das Gesprächsangebot Kims eine Sensation.

(Foto: AP)

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un bringt zum Jahreswechsel ein koreanisches Gipfeltreffen ins Gespräch. Was zunächst auf Entspannung hoffen lässt, wird kaum Veränderungen bringen. An echter Annäherung ist Pjöngjang nicht gelegen.

Die Vorstellung ist spektakulär: Kim Jong Un könnte sich schon bald aufmachen zu einer Reise ins verfeindete Südkorea. Der junge Führer will ein Treffen mit Staatspräsidentin Park Geun-hye. So interpretieren zumindest die meisten Beobachter die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Diktators. Kim sagte, er sehe keinen Grund, der gegen "Gespräche auf höchster Ebene" spräche. Kim reagiert damit auf neue Versuche des Südens, auf den Norden zuzugehen. Koreanisches Tauwetter also? Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung der beiden Koreas gar?

Die deutliche Antwort: Nein. Denn Kim formulierte zugleich Vorbedingungen, die reichlich schwer zu erfüllen sein dürften. Er will, dass die südkoreanischen Medien kritische Berichte über Pjöngjang unterlassen. Zudem fordert Kim, dass Seoul und Washington künftig auf Manöver auf dem Festland und vor der Küste verzichten. Und Kim will weitgehend freie Bahn für das Atomprogramm seines Landes.

Die Ankündigungen Kims kommen reichlich überraschend. Kim und die Staatsmedien lassen keine Gelegenheit aus, Südkoreas Präsidentin und deren konservative Regierung zu schmähen. Durch Wahlbetrug sei sie vor zweieinhalb Jahren an die Macht gekommen. Dass sie die Tochter des einstigen Machthabers Park Chung Hee ist, der den Süden fast zwei Jahrzehnte diktatorisch regierte, weidet Pjöngjang immer wieder genüsslich aus. Den aggressiven Tonfall zurückzunehmen, dürfte selbst für den argumentativ höchst elastischen Propagandaapparat des Nordes schwierig werden.

Park will Gespräche - aber nicht zu jedem Preis

Was also sollen die Ankündigungen Kims? Pjöngjang erhofft sich wirtschaftliche Erleichterungen. Die vergangenen Jahre, vor allem nach den letzten Atom- und Raketentests, haben Nordkorea noch stärker isoliert. Sanktionen der Uno schwächen die ohnehin prekäre Versorgungssituation. Nordkorea braucht dringend Lebensmittellieferungen und Devisen. Mit neuen Sonderwirtschaftszonen, durch die Pjöngjang ähnlich wie in Kaesong von südkoreanischen Investitionen profitiert, will sich Kim Luft verschaffen. Da in den vergangenen Monaten das Verhältnis zu China stark gelitten hat, versucht der Diktator nun eben wieder eine Annäherung an den Süden.

Und sein Flirt trifft in Seoul auf fruchtbaren Boden. Südkorea ist an Entspannung gelegen. Für viele, vor allem ältere Menschen jenseits der Demarkationslinie, die Korea seit 1953 entlang des 38. Breitengrads trennt, sind eine schrittweise Öffnung, vermehrte Besuche unter Verwandten oder gar eine Wiedervereinigung die wichtigsten innenpolitischen Ziele. Das Thema ist hochemotional - und Präsidentin Park nutzt es immer wieder, um ihre konservative Wählerschaft für sich einzunehmen. Zuletzt sprach auch sie in ihrer Neujahrsansprache von der Möglichkeit, aus zwei Koreas wieder eines zu machen. In der Mitte ihrer Amtszeit steht sie nun unter dem Druck, zählbare Erfolge zu liefern.

Doch Park will nicht jeden Preis bezahlen. Auch Seoul formuliert Bedingungen, die Kim nur ungern akzeptieren wird. So soll Nordkorea Abbitte leisten für die angebliche Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs im Jahr 2010. Pjöngjang sieht sich zu Unrecht beschuldigt und lehnt eine Entschuldigung kategorisch ab. Ob Park davon jedoch abrücken kann, ist fraglich. Der Vorfall hatte weitreichende politische und wirtschaftliche Folgen. Auf eine Entschuldigung zu verzichten, käme einem Schuldeingeständnis gleich. Schließlich hatte es an den damaligen Ermittlungen Zweifel gegeben.

Kim wird nicht seine Herrschaft aufs Spiel setzen

Zudem weiß Park, dass bei Gipfeltreffen mit Nordkorea Vorsicht geboten ist. Seit der Teilung Koreas hatte es zwei solche Treffen gegeben. Beide Male bereute die südkoreanische Seite die Besuche in Pjöngjang bitter. Einer von Parks Vorgänger, Kim Dae Jung hatte sich mit seiner "Sonnenscheinpolitik" Annäherung auf die Fahnen geschrieben, dafür erhielt er sogar den Friedensnobelpreis. Höhepunkt war ein Treffen mit Kim Jong Il im Jahr 2000. Doch später kam heraus: Der Gipfel war gekauft, das Regime in Pjöngjang kassierte dafür 200 Millionen Dollar. Ein Skandal, der noch lange nachwirkte. Erst 2007 versuchte sich wieder ein südkoreanischer Präsident an einer Reise nach Pjöngjang. Doch auch Roh Moo Hyun wirkte dabei glücklos. Pjöngjang gelang es, den Besuch so zu inszenieren, als komme der Südkoreaner als devoter Bittsteller in den Norden. Kim Jong Il unterzeichnete zwar einen Friedensplan, realpolitische Fortschritte gab es in den folgenden Jahren jedoch nicht.

Nun könnte sich dieses Muster in abgewandelter Form wiederholen. Da sich Nordkorea keiner kritischen Öffentlichkeit im eigenen Land stellen muss, ist das Regime im taktischen Vorteil. Sollten ein mögliches Treffen oder alleine die Vorgespräche dazu tatsächlich zählbare wirtschaftliche Erleichterungen mit sich bringen, lässt sich das im eigenen Land leicht als Einknicken des Südens und diplomatisches Meisterstück Kims darstellen. Und wenn nicht, dürfte Pjöngjang schnell wieder zurückrudern: Kim würde dann sein Gesprächsangebot mit wütenden Worten zurückziehen und Seoul dafür die Schuld in die Schuhe zu schieben. Echte Annäherung und Öffnung können schließlich nicht im Interesse Kims sein. Sie würden zwangsweise auch seine Herrschaft beenden.

Quelle: n-tv.de

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