Politik

Streit um 50 Flüchtlingskinder Kirchen beklagen fehlende Humanität

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Deutschland und Europa sollen "endlich Solidarität zeigen", fordert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

(Foto: imago images/ANE Edition)

Das Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist völlig überfüllt, es herrschen schlimmen Zustände. Nun holt Deutschland 50 unbegleitete Flüchtlingskinder. Für die Kirchen viel zu wenig: Vertreter finden das Verhalten Europas "beschämend".

Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland haben der Bundesregierung und anderen EU-Ländern Versagen bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern aus Lagern in Griechenland vorgeworfen. "Es ist ein richtiger Schritt, dass jetzt endlich 50 Kinder kommen können. Aber es ist viel zu wenig", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, der "Rhein-Neckar-Zeitung".

"Wir bemühen uns seit Wochen darum, dass Deutschland und Europa endlich Solidarität zeigen und eine humanitäre Katastrophe abgewendet wird. Wenn sich das Corona-Virus in dem völlig überfüllten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ausbreitet, hätte das dramatische Folgen", warnte Bedford-Strohm. Es müssten endlich die Zusagen eingelöst werden, dass zumindest die 1500 Kinder und Jugendlichen sofort ausgeflogen würden.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, warf den Europäern mangelnde Humanität vor. "Das ist beschämend und eine Folge rechtspopulistischen Gedankenguts in Europa", sagte er der "Passauer Neuen Presse", nachdem sich die Bundesregierung zunächst nur bereit erklärt hatte, 50 Kinder aufzunehmen. "Wir müssen zeigen, dass Humanität in Europa keine Dekoration ist, sondern zu seinen Grundpfeilern gehört."

Eigentlich wollten zehn EU-Staaten unbegleitete Minderjährige aus den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland aufnehmen. Doch nur Deutschland und Luxemburg setzen ihre Zusage jetzt trotz Corona-Krise in die Tat um - zumindest ein wenig. Ende kommender Woche sollen die ersten 50 Kinder in Deutschland ankommen, Luxemburg will zunächst zwölf Kinder aufnehmen. Weitere Staaten, die ursprünglich auch Hilfe zugesagt hatten, wollen nun erst die Corona-Pandemie in den Griff bekommen. Deutschland will in nächster Zeit laut Bundesregierung noch rund 300 bis 450 weitere Minderjährige aus Griechenland aufnehmen.

Quelle: ntv.de, ter/dpa