Politik

Serben reagieren ablehnend Kosovo erhält volle Souveränität

Mit dem Ende der internationalen Aufsicht erhält das Kosovo die vollständige Unabhängigkeit. Das Ausland begrüßt den Schritt, gleichzeitig wird aber ein Ausgleich mit der serbischen Minderheit gefordert. Diese reagiert besorgt. Zumal die KFOR die grüne Grenze absichert, über die bisher der Warenaustausch mit Serbien abgewickelt wurde.

36zu3159.jpg2207579202111590470.jpg

Der niederländische Diplomat Pieter Feith (l.), der ranghöchste  internationale Vertreter im Kosovo, und der serbische Premier Hashim Thaci.

(Foto: dpa)

Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo ist nun ohne Einschränkung selbstständig. Der sogenannte Lenkungsausschuss, dem die Mehrheit der EU-Staaten sowie die USA und die Türkei angehören, beschloss in Pristina, die internationale Aufsicht über den jüngsten Staat Europas zu beenden. Das Ausland begrüßte die neue uneingeschränkte Souveränität und verlangte, die von Albanern kontrollierte Kosovo-Regierung müsse den Ausgleich mit der serbischen Minderheit im Land anstreben. Die sieht ihre Zukunft im Kosovo bedroht.

Während Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci den Rückzug des Auslandes als Zeichen des Erfolges und der demokratischen Reife seines Landes darstellte, zeigten sich die Serben geschockt. "Unsere Zukunft hier steht unter einem großen Fragezeichen", sagte die serbische Spitzenpolitikerin Rada Trajkovic. Die Albaner verfolgten "einen latenten Faschismus gegen die Serben". Serbiens Regierungschef Ivica Dacic unterstrich noch einmal, die frühere serbische Provinz könne gegen den Willen Belgrads niemals unabhängig werden. Serbien versperrt dem Kosovo jeden Zutritt zu internationalen Organisationen.

Das Kosovo war nach dem Ende der NATO-Luftangriffe im Jahr 1999 unter internationale Verwaltung gestellt worden. Im Februar 2008 erklärte sich die frühere serbische Provinz für unabhängig, was zwar von einem Großteil der Staatengemeinschaft anerkannt wurde, nicht jedoch von Serbien, Russland und China.

Annäherung an EU soll weitergehen

Die internationale Schutztruppe KFOR sperrte derweil im Nordkosovo alle illegalen Wege über die grüne Grenze, über die die Serben seit einem Jahr unkontrolliert ihren Warenverkehr abwickeln. Damit können die Serben in dieser Region nur noch die offiziellen Grenzübergänge Brnjak und Jarinje nutzen, die von ihnen seit über einem Jahr boykottiert werden. Sie wollen nicht hinnehmen, dass dort auch Zöllner und Grenzpolizisten der Kosovo-Regierung Dienst tun. Die 35.000 im Nordkosovo lebenden Serben wollen sich nicht Pristina unterstellen und weiter zu Serbien gehören.

Die Bundesregierung und Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßten die Entlassung des Kosovos in die volle Eigenständigkeit. "Kosovo hat wesentliche demokratische Anforderungen erfüllt und Fortschritte beim Schutz der Minderheitenrechte gemacht", sagte Westerwelle in Berlin: "Priorität bleibt der weitere Annäherungsprozess an die EU und eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo, einschließlich einer nachhaltigen Stabilisierung der Lage in Nordkosovo."

US-Präsident Barack Obama begrüßte die Unabhängigkeit des Kosovo. "Mit dem Optimismus, der Energie und Entschlossenheit, die sein Volk charakterisieren, hat das Kosovo bedeutsame Fortschritte gemacht, um den Nutzen der Unabhängigkeit zu festigen und einen modernen, multi-ethnischen, integrativen und demokratischen Staat zu errichten", sagte Obama. Der junge Staat müsse sich weiterhin konstruktiv mit seinen Nachbarn auseinandersetzen und ungelöste Fragen - vor allem mit Serbien - lösen, mahnte der US-Präsident.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP