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Treffen mit Großmufti abgesagt Le Pen verweigert Kopftuch im Libanon

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Le Pen will von der Aufforderung, ein Kopftuch zu tragen, überrascht worden sein.

(Foto: AP)

Weil Front-National-Chefin Marine Le Pen bei einem geplanten Treffen mit dem libanesischen Großmufti ein Kopftuch tragen soll, macht sie kurzerhand kehrt. Das Büro des Geistlichen spricht von "unangemessenem Verhalten". Doch Le Pens Partei feiert sie.

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Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat sich geweigert, für ein Treffen mit dem libanesischen Großmufti ein Kopftuch zu tragen. "Ich habe vorher gesagt, dass ich mich nicht verschleiern werde", sagte die Vorsitzende des rechtsextremen Front National vor Journalisten. Le Pen reist für drei Tage durch das muslimische Land. Für den Morgen war ein Treffen mit Scheich Abdel-Latif Derian abgesprochen gewesen. Als die 48-Jährige in dessen Büro eintraf, sei ihr ein weißes Tuch gereicht worden, erklärte ein Mitarbeiter des Scheichs.

Die Rechtspopulistin behauptet, von der Aufforderung überrascht worden zu sein - und verwies auf ein früheres Treffen mit einem muslimischen Geistlichen in Kairo. "Die höchste sunnitische Autorität der Welt hatte diese Anforderung nicht", sagte Le Pen. "Aber das ist nicht schlimm", fuhr Le Pen fort. "Übermitteln Sie dem Großmufti meine Wertschätzung. Aber ich werde mich nicht verschleiern." Dann kehrte Le Pen um. Der Moment war in Videoaufnahmen festgehalten und von französischen Medien veröffentlicht worden.

In einer Stellungnahme bedauerte das Büro des Großmuftis später "dieses unangemessene Verhalten bei solchen Treffen". Der französischen Politikerin sei vor ihrem Besuch mitgeteilt worden, dass das Tragen eines Kopftuchs für das Treffen nötig sei und zum festgelegten Protokoll gehöre. Ein Sprecher der Dar al-Fatwa, der höchsten sunnitischen Instanz im Land, sagte: "Die Verantwortlichen von Dar al-Fatwa waren überrascht über ihre Weigerung, sich an diese allseits bekannte Regel zu halten."

Kopftuch als Wahlkampfthema

Le Pen hingegen argumentierte, sie habe ihre Weigerung, ein Kopftuch zu tragen, im Vorhinein mitgeteilt. "Daraufhin kam keine Absage des Treffens - also dachte ich, dass sie meine Entscheidung akzeptieren." Florian Philippot, ein Parteikollege von Le Pen, twitterte mit Begeisterung über den Vorfall und lobte das Verhalten der Parteichefin als Bekenntnis zur Emanzipation. "Marine hat es im Libanon abgelehnt, ein Kopftuch zu tragen. Eine wundervolle Botschaft der Freiheit an die Frauen in Frankreich und auf der ganzen Welt."

Zum Abschluss ihres dreitägigen Besuchs wollte sich Le Pen noch mit dem maronitischen Patriarchen Bechara Rai und dem rechtsgerichteten christlichen Politiker Samir Geagea treffen. Für die Präsidentschaftskandidatin ist das Kopftuch ein zentrales Wahlkampfthema. Sie will es am liebsten komplett aus den Straßen Frankreichs verbannen. Burka und Nikab sind bereits seit 2011 verboten.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

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