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Freitag, 09. November 2018

Alle drei auf einer Bühne: "Lieber Friedrich, liebe Annegret, lieber Jens"

Von Benjamin Konietzny

Zum ersten Mal sind sie alle drei da: AKK, Jens Spahn und Friedrich Merz geben in Berlin gewissermaßen den Startschuss für das Rennen um die Merkel-Nachfolge. Der betont versöhnliche Ton dabei könnte sich noch ändern.

Jeder der drei Bewerber bringt es anders zum Ausdruck. Aber alle drei merken, wie ungewöhnlich die Situation im Konrad-Adenauer-Haus ist. Im hohen Foyer haben sich an den Geländern die Mitarbeiter der CDU-Zentrale versammelt, das Medieninteresse ist wieder einmal riesig. "Das ist schon ein besonderer Prozess", sagt Jens Spahn. Etwas nüchterner Annegret Kramp-Karrenbauer: "Ein neues Kapitel." Beim Überraschungskandidaten Friedrich Merz sind es die Gesten: Er versucht ein allzu deutliches Lächeln zu unterbinden, dem man anmerken könnte, dass er eigentlich noch nicht fassen kann, was hier vor sich geht. "Ich freue mich, wieder hier sein zu dürfen", sagt er verschmitzt.

Mit einer kurzen Pressekonferenz der drei Bewerber ist das Rennen um Merkels Nachfolge an der CDU-Spitze endgültig eröffnet. Bis zum Parteitag im Dezember wollen Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz die Partei auf Regionalkonferenzen von sich überzeugen. Danach verschwinden die drei in den Vorstandssaal des Konrad-Adenauer-Hauses und halten ihre ersten Bewerbungsreden - bei der Frauen-Union, der größten unionsinternen Vereinigung.

Heimspiel für AKK: Der Vorstand hatte sich zuvor bereits klar für sie ausgesprochen. Daher kann sie es entspannt angehen lassen und wiederholt ein paar Sätze von ihrer offiziellen Bewerbungsrede am Mittwoch. Angela Merkel habe Platz für ein neues Kapitel gemacht. Die CDU müsse jetzt was daraus machen. Sie fordert eine höhere Repräsentanz von Frauen und dass wichtige Themen wie Digitalisierung und Sicherheit zur Frauensache werden müssten. "Frauen müssen sich in Deutschland sicher fühlen", sagt sie weiter. Und eines ist ihr noch wichtig: "Lieber Friedrich, lieber Jens, ich freue mich auf diesen fairen Wettbewerb."

"Zurück zur alten Stärke"

Die beiden konservativen Konkurrenten Merz und Spahn sind offenbar noch nicht per Du: "Liebe Annegret, lieber Herr Merz", leitet Spahn ein, "wir spüren alle: Jetzt gilt es, ein neues Kapitel aufzuschlagen". Spahn möchte die Union zu alter Stärke zurückführen und "Zuspruch und Verantwortung zurückgewinnen". Die CDU müsse sich wieder der Werte vergewissern, "die das Land zusammenhalten". In den vergangenen Jahren sei das "Spaltende" überdominant geworden. Kritik an der Merkel-Ära? Nein. Spahn lobt die Vergangenheit ausdrücklich als "18 gute Jahre".

In seinem Job als Gesundheitsminister habe er gelernt, dass dieses ganze Berufsfeld von Frauen getragen werde, "von Ärztinnen und Pflegekräften", sagt Spahn. Die Vereinbarkeit von Job und Familie in diesem Bereich müsse besser werden, fordert er.

"Lieber Mitbewerber und Mitbewerberin", begrüßt Merz seine Konkurrenz förmlich, "ich freue mich wieder hier sein zu dürfen." Auch er erzählt von seinen Erfahrungen aus der Arbeitswelt: Er habe bei seinen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft mitbekommen, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei. Und er fordert von der Politik, ein besseres Vorbild zu sein: "Dass Gleichstellung mit Gesetzen verlangt wird, ist in Ordnung", sagt er. "Aber daran muss sich auch die Politik halten."

Merz sagt außerdem, sein Ziel sei es, dass die CDU eine "Volkspartei bleibt, die in der Lage ist, zur politischen Mitte hin zu integrieren". Das "Ausfransen an den Rändern" müsse gestoppt, im besten Fall sogar rückgängig gemacht werden. "Wie können wir zurückkehren zur alten Stärke?"

Alle drei Bewerber sind um einen betont freundlichen Umgang miteinander bemüht. Doch vor allem zwischen den Konservativen Spahn und Merz gibt es erhebliche inhaltliche Schnittmengen, was den Konkurrenzkampf verschärfen könnte. Das Rennen um die Merkel-Nachfolge könnte bei den acht Regionalkonferenzen noch deutlich ehrgeiziger werden als bei diesem sehr versöhnlichen Auftritt.

Quelle: n-tv.de