Politik

Virus-Welle türmt sich auf Macht die Tests wieder kostenlos!

246537482.jpg

Kostenlose Tests können helfen, die Pandemie einzudämmen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die kostenlosen Corona-Tests wurden abgeschafft, um mehr Menschen zu einer Impfung zu motivieren. Doch das ist schiefgegangen. Die Impfquote ist nicht gestiegen, stattdessen steigt die Zahl der Infizierten. Die Tests sollten wieder kostenlos werden.

Als die Bundesregierung beschloss, die kostenlosen Corona-Tests ab dem 11. Oktober abzuschaffen, klang das wie eine gute Idee. Denn um in ein Café, Kino oder Konzert zu gehen, musste man genesen, geimpft oder getestet sein. Wer sich nicht impfen lassen wollte, hatte es also bequem: Einfach ins Testzentrum gehen, den Mund aufmachen und anschließend Heißgetränk, Film oder Musik genießen. Wer brauchte da noch eine Impfung? Hier wurde ein falscher Anreiz gesetzt, dachte man. Also stellte der Staat die Zahlung ein. Muss man die Tests selbst bezahlen, lässt man sich doch lieber impfen, so die Hoffnung. Außerdem sollte die Allgemeinheit nicht länger die Impfskeptiker mitfinanzieren. Doch dabei unterschätzte man die Gefahr der vierten Welle. Nun steigen die Zahlen wieder so rasant an, dass kostenlose Tests dringend gebraucht werden. Denn jede erkannte Infektion ist ein kleiner Erfolg im Kampf gegen das Virus.

Sie können dabei helfen, die große Gefahr abzuwenden, die das Coronavirus von Anfang an über uns brachte: Dass das Gesundheitssystem überlastet wird, nicht jeder Mensch im Lande die bestmögliche Gesundheitsversorgung bekommt und mehr Menschen sterben, als es unvermeidbar wäre. Obwohl in der Minderheit, können die Ungeimpften immer noch die Krankenhäuser lahmlegen, wenn sie sich in Massen infizieren - und genau das sagen Experten voraus. Gehen Kliniken dann in den Notbetrieb, müssen andere Operationen verschoben werden. Dadurch leiden also alle.

Geimpfte sind gut geschützt, aber ...

Auch wer dachte, mit Impfung sei man fein raus und Corona vorbei, liegt falsch. Geimpfte sind zwar gut, aber nicht so gut geschützt, wie vielleicht manch einer glaubte. Dass man sich gar nicht mehr infizieren kann, war von Anfang an ein Missverständnis. Aber auch wer meinte, mit Impfung vor schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten nahezu sicher zu sein, muss umdenken. An Geimpften prallt das Virus zwar oftmals einfach ab. Aber es tritt in solchen Massen auf und ist so aggressiv, dass es dennoch immer ein paar schwächere Geimpfte findet. Prozentual machen die nicht viel aus, aber ihre absolute Zahl könnte hoch genug steigen, um zum Problem für die Krankenhäuser zu werden. Die Intensivmediziner vom DIVI-Register haben schon vor einer Überlastung gewarnt.

Bekannt ist mittlerweile auch, dass Geimpfte das Virus weitertragen können, wenn sie auch in der Regel nicht so ansteckend sind wie Ungeimpfte. Der Virologe Alexander Kekulé spricht von einer "Welle der Geimpften". Die Impfungen senken immerhin die Todesgefahr erheblich. Aber auch die Geimpften müssen vorsichtig bleiben. So ähnelt die Situation wieder früheren Phasen der Pandemie. Und das macht es erforderlich, bewährte Instrumente wieder aus der Schublade zu holen.

Womit wir bei den Tests wären. Sie verschaffen einerseits den Behörden einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen und geben vor allem auch dem Einzelnen mehr Sicherheit. Habe ich mich auf der Halloween-Party angesteckt? Sollte ich wirklich auf die private Geburtstagsfeier gehen? Bei solchen Fragen können Tests für mehr Klarheit sorgen. Auch der Besuch bei der Oma, den RKI-Chef Lothar Wieler regelmäßig als Beispiel anführt, könnte wieder zur Gefahr werden. Denn bei Älteren lässt der Impfschutz schneller nach. Tests können Leben retten.

Hoffnung erfüllte sich nicht

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat gefordert, die Tests nur für Geimpfte wieder kostenlos zu machen. Das hätte den Vorteil, dass der Druck auf die Ungeimpften, sich doch noch die Spritze geben zu lassen, bestehen bliebe. Allerdings ist fraglich, ob die sich überhaupt überzeugen lassen. Einer Forsa-Umfrage zufolge ist die Bereitschaft der Impfverweigerer, ihre Meinung zu ändern, gering. Seit dem Ende der kostenlosen Tests ist die Impfquote auch nicht nennenswert gestiegen. Die Hoffnung, dadurch Menschen zur Spritze zu motivieren, hat sich nicht erfüllt. Außerdem: Wenn das Ziel ist, Klarheit über das Infektionsgeschehen zu erlangen, müssen die Tests möglichst für alle verfügbar sein.

Noch immer gilt vielerorts 3G - etwa in Restaurants, Cafés und Kneipen. Die Erfahrung zeigt aber, dass es zu viele Gastronomen gibt, die sich einen Test gar nicht zeigen lassen. Es ist für Ungeimpfte also ein Leichtes, am öffentlichen Leben teilzuhaben, ohne für Tests zu bezahlen. Wären diese wieder kostenlos zu haben, ist damit zu rechnen, dass sie auch wieder genutzt werden. Und sollte bald das 2G-Modell kommen, könnten angesichts der Impfdurchbrüche ebenfalls zusätzliche Tests notwendig werden. Wären diese kostenlos, brächte das mehr Sicherheit für alle.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen