Politik

Druck auf Präsident Maduro steigt Massenproteste in Venezuela

d1c8108f97207220e51fe40c93622d54.jpg

Seit drei Jahren ist Nicólas Maduro an der Macht - die Demonstranten wollen seine Absetzung.

imago/Agencia EFE

In Caracas gehen Hunderttausende Menschen auf die Straße. Sie fordern ein rasches Referendum zur Abwahl des sozialistischen Präsidenten Maduro. Ihnen stellen sich Regierungsanhänger entgegen. Maduro selbst droht den Abgeordneten.

Hunderttausende Menschen haben in Venezuela für eine zügige Volksabstimmung gegen den sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro demonstriert. Ziel ist die Absetzung des Präsidenten. Bei der "Einnahme von Caracas" blockierten sie am Donnerstag wichtige Straßen der Hauptstadt. Oppositionssprecher Jesús Torrealba sprach nach dem friedlichen Ende des Protests von der "größten Demonstration der letzten Jahrzehnte". An dem "historischen Marsch" im Osten Caracas hätten zwischen 950.000 und 1,1 Millionen Menschen teilgenommen. Offizielle Angaben zur Zahl der Teilnehmer lagen nicht vor, Schätzungen von Medien beliefen sich auf mehrere hunderttausend Demonstranten.

0ea015fba72e05697b9ce2907cc4e864.jpg

Es kommt auch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.

(Foto: dpa)

An Maduro gerichtet riefen die Demonstranten: "Er wird fallen, diese Regierung wird fallen!" und "Venezuela verhungert". Das Oppositionsbündnis MUD berichtete, Sicherheitskräfte hätten Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Außerdem hätten Regierungsanhänger den Protestzug infiltriert, um zu provozieren und Unruhe zu stiften. Die Opposition beklagte zudem mehrere Festnahmen im Vorfeld der Demonstrationen. Unter anderem seien zwei Bürgermeister festgenommen worden, hieß es.

"Entweder wir gehen demonstrieren oder wir verhungern", sagte die 53-jährige Ana Gonzalez. "Die Regierung macht uns keine Angst mehr." In sozialen Netzwerken schrieben einige Oppositionsanhänger aus der Provinz, sie seien daran gehindert worden, in Busse zu steigen, die sie zu den Demonstrationen bringen sollten. Nach Angaben der Behörden wurden im Vorfeld drei Oppositionsführer festgenommen.

Polizei hält Lager auseinander

Im Zentrum von Caracas marschierten hingegen mit ihren roten Hemden und Kappen tausende "Chavistas" - benannt nach Maduros Vorgänger Hugo Chávez, der von 1999 bis zu seinem Tod 2013 Staatspräsident war. "Das Volk ist mit Dir", rief dort die Menge an Maduro gerichtet. Carolina Aponte, eine 37-jährige Hausfrau, sagte: "Wir sind hier, um die Revolution zu verteidigen."

966b86c96237864bce182b742e19063e.jpg

Präsident Maduro beschwört seine Anhänger.

(Foto: dpa)

Das Aufgebot der Regierungsanhänger war aber insgesamt kleiner, Maduro selbst schätzte es auf bis zu 30.000. "Heute haben wir einen Staatsstreich niedergeschlagen", rief er seinen Anhängern zu. "Sie sind erneut gescheitert. Der Sieg ist unser." Der Präsident warf der Opposition vor, die Bürger zur Gewalt anzustacheln.

Er werde die Immunität der Abgeordneten des von der Opposition kontrollierten Parlaments per Dekret aufheben, kündigte er bei der Kundgebung der Sozialisten an. "Ich bin entschlossen, das Vaterland und die Souveränität des venezolanischen Volkes mit allen Mitteln zu verteidigen."

Weitere Proteste sollen folgen

Der Sozialist Maduro kämpft infolge des gesunkenen Ölpreises mit einer schweren Wirtschaftskrise, die begleitet wird von einer massiven Inflation, schweren Versorgungsengpässen und einem besorgniserregenden Anstieg der Kriminalität. Wegen der Krise schwindet in der Bevölkerung der Rückhalt für die seit 17 Jahren regierenden Sozialisten. Die Opposition fordert daher Maduros Absetzung.

Die Opposition hatte im Mai weit mehr als die für die derzeitige Etappe zur Erzwingung einer Volksabstimmung erforderlichen 200.000 Unterschriften eingereicht - nämlich 1,8 Millionen. Die nationale Wahlkommission gab Mitte August einen Zeitplan heraus, der die Abhaltung eines Referendums über die Absetzung Maduros bis 2017 verzögern könnte. Dann würden laut Verfassung die Sozialisten selbst bei einer Niederlage des Präsidenten an der Macht bleiben.

Um den Druck aufrechtzuerhalten, rief die Opposition für kommenden Mittwoch und den 14. September erneut zu Protesten gegen Maduro auf. Venezuela habe gezeigt, dass es "einen Wandel" wolle, sagte Oppositionssprecher Torrealba. Die Opposition werde ihr Recht auf friedliche Demonstrationen wahrnehmen, bis sie ihr Ziel erreicht habe.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa

Mehr zum Thema