Politik

Grüne fordern Schutzschirm Mehr Jugendliche in Corona-Krise arbeitslos

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Azubis haben es in diesem Jahr noch schwerer beim Feilen an ihrer Zukunft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Krise und die unsicheren Perspektiven der Wirtschaft treffen Berufsanfänger und junge Arbeitnehmer besonders hart. Wie aus ntv vorliegenden Angaben des Arbeitsministeriums hervorgeht, sind deutlich mehr unter 25-Jährige arbeitslos als im Vorjahreszeitraum.

Während der Corona-Monate ist die Zahl der Arbeitslosen bei den unter 25-Jährigen deutlich gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der RTL/ntv-Redaktion exklusiv vorliegt. Demnach stieg zwischen März und August 2020 die Jugendarbeitslosigkeit um 53 Prozent auf 324.139 Betroffene. Zwar steigt die Jugendarbeitslosigkeit jedes Jahr zum Sommer an, weil Jugendliche ihre Schul- oder Ausbildungszeit beenden. Allerdings fiel dieser saisonbedingte Anstieg im Vorjahr mit einem Zuwachs um 19 Prozent noch deutlich niedriger aus.

"Seit Beginn der Krise steigt die Zahl junger Menschen, die keinen Job mehr finden. Die Bundesregierung darf nicht weiter wegschauen, sondern muss dafür sorgen, dass junge Menschen wieder mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben", sagt Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen. "Wir brauchen einen Schutzschirm gegen Jugendarbeitslosigkeit mit Starthilfen für Berufseinsteiger."

Junge Arbeitnehmer stärker als ältere betroffen

Insgesamt wuchs die Zahl der arbeitslosen unter 25-Jährigen im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 33 Prozent von 242.832 auf 324.139 Betroffene. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,2 auf 6,9 Prozent. Zum Vergleich: Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Zahl aller Arbeitslosen einschließlich der Jüngeren im August mit 2,955 Millionen an. Das ist ein Anstieg um 27 Prozent im Vergleich zum Sommer 2019. Die Arbeitsagentur geht von bislang 637.000 Menschen aus, die wegen der Corona-Krise ihre Arbeit verloren haben.

Demnach wären die jungen Berufsanfänger etwas stärker von den Arbeitsmarkteffekten der Pandemie betroffen als ältere Arbeitnehmer. Das könnte daran liegen, dass zum einen weniger Menschen am Ausbildungsende übernommen wurden als im Vorjahr. Zum anderen sind junge Arbeitnehmer oft leichter zu kündigen als ältere, zumal sie sich öfter in befristeten Arbeitsverhältnissen befinden.

Effekt verschobener Prüfungen?

In ihrem Monatsbericht August verweist die Arbeitsagentur allerdings noch auf einen anderen Effekt, der den Vergleich der beiden August-Monate etwas verzerrt: "Im August dieses Jahres meldeten sich außergewöhnlich viele Jugendliche nach Abschluss ihrer betrieblichen oder schulischen Ausbildung arbeitslos", heißt es darin. Die Arbeitsagentur vermutet, dass "es in diesem Jahr aufgrund der Verschiebungen der Abschlussprüfungen infolge der Corona-Krise zu einer zeitlichen Verlagerung der Arbeitslosmeldungen in den August gekommen ist".

Die Augustzahlen dieses Jahres könnten deshalb etwas dramatischer wirken, als sie tatsächlich sind. Das ändert aber nichts daran, dass die Corona-Krise für viele unter 25-Jährige am Arbeitsmarkt voll durchschlägt. In allen Bundesländern lag die Jugendarbeitslosigkeit im Corona-August höher als im Vorjahr. Mit 12,8 Prozent lag die Arbeitslosigkeit der Jüngeren in Bremen am höchsten. Auch in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lag der Wert im vergangenen August über 10 Prozent. Spitzenreiter sind Bayern und Baden-Württemberg mit je 4,8 Prozent.

Quelle: ntv.de