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Mittwoch, 22. März 2017

Polizei erschießt Messerstecher: Mehrere Tote bei Doppelanschlag in London

Vorm Parlamentsgebäude in London erschießt die Polizei einen Mann, der kurz zuvor einen Beamten niedergestochen haben soll. Zudem gibt es mehrere Tote und Verletzte auf der Westminster Bridge. Dort ist ein Geländewagen in eine Passantengruppe gerast.

Genau ein Jahr nach den Terrorangriffen von Brüssel hat ein Doppelanschlag die britische Hauptstadt London erschüttert. Laut Polizeiangaben sind dabei vier Menschen ums Leben gekommen - darunter ein Polizist und der Täter. Mindestens 40 weitere Menschen wurden verletzt. "Ich kann bestätigen, dass es mehrere Opfer gibt, darunter Polizisten", sagte ein Sprecher von Scotland Yard. Unter den Verletzten sind mindestens drei französische Schüler, wie das französische Außenministerium in Paris mitteilte. Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts. Die Behörden gehen derzeit von einem Einzeltäter aus.

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Zunächst war am frühen Nachmittag über mehrere Schüsse im Parlamentsgebäude berichtet worden. Das Gebäude wurde daraufhin abgesperrt und die Abgeordneten aufgefordert, die Räume nicht zu verlassen. Augenzeugen berichteten, dass bewaffnete Polizisten in Richtung des Parlamentsgebäudes gelaufen seien. Sie hätten mehrere Schüsse gehört. David Lidington, der Vorsitzende des House of Commons, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass ein Mann von der Polizei niedergeschossen wurde. Später bestätigte die Polizei den Tod des Angreifers.

Ein Journalist der "Daily Mail" sagte dem Lokalradiosender LBC, er habe gesehen, wie der Angreifer durch die offenen Pforten auf das Parlamentsgelände gerannt sei. Er sei auf den Polizisten mit etwas losgegangen, das wie ein Stock ausgesehen habe. "Der Polizist fiel zu Boden und das war ziemlich schrecklich anzusehen." Dann sei der Angreifer Richtung Eingang zum Unterhaus gerannt, der von den Abgeordneten genutzt werde. "Er kam etwa 20 Meter weit, bevor zwei Typen in Zivil mit Waffen auf ihn schossen." Terrorabwehrchef Mark Rowley bestätigte, dass der Polizist seinen Verletzungen erlegen ist.

Verletzte auf Westminster Bridge

Erst vor dem Eingangstor zum Parlament kam der Geländewagen zum Stehen.
Erst vor dem Eingangstor zum Parlament kam der Geländewagen zum Stehen.(Foto: dpa)

Bei dem Angreifer, der ins Parlament eingedrungen ist, handelt es sich offenbar um dieselbe Person, die zuvor einen Geländewagen in eine Gruppe Fußgänger auf der Westminster Bridge gesteuert hat. Reuters-Fotografen berichteten von mindestens vier Personen, die teils stark blutend auf der Brücke gelegen hätten. Mehrere Opfer hätten "katastrophale Verletzungen" erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur PA einen Arzt aus dem St. Thomas Krankenhaus, das gegenüber vom Parlament auf der anderen Flussseite liegt. Eine Frau wurde nach Angaben der zuständigen Behörde lebend aus der Themse gerettet.

Die Brücke wurde abgesperrt. Auch die U-Bahn-Station "Westminster" wurde auf Bitten der Polizei geschlossen. Die Polizei verstärkte ihre Einheiten in der gesamten Hauptstadt und rief die Öffentlichkeit dazu auf, die Gegend rund um das Parlament zu meiden. Premierministerin Theresa May setzte eine Krisensitzung ihres Sicherheitsstabs an.

Bundesregierung erklärt Solidarität

Kanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt auf die mutmaßlichen Terroranschläge und sagte den Briten Solidarität im Anti-Terror-Kampf zu. "Auch wenn der Hintergrund dieser Taten noch präzise aufzuklären ist, bekräftige ich für Deutschland und seine Bürger: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens", erklärte Merkel in Berlin. Unklar war zunächst, ob auch deutsche Staatsangehörige unter den Opfern der Anschläge sind.

Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt. Die neuerliche Attacke ereignet sich zudem genau ein Jahr, nachdem in Brüssel bei Selbstmordanschlägen am Flughafen und in der U-Bahn 32 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt wurden.

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Quelle: n-tv.de