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Trump hat noch keinen Plan Millionen US-Bürger bangen um Obamacare

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Protest in New York gegen "Trumpcare".

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Obwohl noch immer unklar ist, womit die Gesundheitsreform von Barack Obama ersetzt werden soll, haben die Republikaner bereits damit begonnen, sie abzuschaffen. Viele US-Amerikaner fürchten um ihre Krankenversicherung.

Das Gesundheitssystem der USA ist gespickt mit Problemen und Unzulänglichkeiten, doch die Abschaffung des Gesetzes mit dem Namen "Affordable Care Act" – umgangssprachlich Obamacare genannt – würde dem nur wenig helfen. Wie ein am Dienstag veröffentlichter Kongressreport feststellte, würden durch die Abschaffung ausgewählter ACA-Bestimmungen innerhalb eines Jahres knapp 18 Millionen US-Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren. Diese Zahl könnte während der nächsten zehn Jahre auf 32 Millionen ansteigen, sollte keine adäquate Lösung gefunden werden.

Für Donald Trump, der an diesem Freitag als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird, ist die Gesundheitsreform seines Vorgängers jedoch Teil des Problems. Trump machte von Anfang an klar, dass die Abschaffung von Obamacare zu seinen höchsten Prioritäten im Amt zählen würde. Während des Wahlkampfs nannte er das aktuelle Gesundheitsgesetz einen "Betrug" und versicherte den Wählern, es durch ein besseres System zu ersetzen.

Wie dieses bessere System genau aussehen wird, hat Trump bis heute nicht erläutert. Die damit verbundene Unsicherheit über die Zukunft des US-amerikanischen Gesundheitssystems führte in den vergangenen Wochen wiederholt zu Protesten im ganzen Land. Besonders US-Bürger, die auf Obamacare angewiesen sind, fürchten um ihre Absicherung.

"Trump manipuliert die Amerikaner"

Das unmittelbare Ziel der Proteste sei es, "den Republikanern zu zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung gegen die Abschaffung des Affordable Care Act ist", sagte US-Senator Bernie Sanders auf einer Demonstration in Michigan letztes Wochenende. Knapp 20 Millionen US-Amerikaner haben seit der Einführung von Obamacare eine Krankenversicherung abschließen können. Zwar versprach Trump jüngst in einem Interview mit der "Washington Post", dass er Obamacare durch eine "Versicherung für jeden" ersetzen wolle. Doch in Sachen Details hält sich der 70-Jährige weiterhin bedeckt.

Viele US-Bürger sind deshalb beunruhigt. "Ich glaube, Trump befindet sich in einer Situation, in der er die amerikanische Bevölkerung manipuliert", sagt Karin Knudsen. Bei der Frau aus Minnesota wurde vor zehn Jahren Krebs im Spätstadium diagnostiziert. Zwar besiegte sie den Krebs, doch die Erkrankung machte ihr die Suche nach einer Krankenversicherung schwer. Mit der Einführung von Obamacare wurde dieses Problem erledigt, denn laut dem Gesetze ist es Krankenversicherungen untersagt, Menschen mit Vorerkrankungen abzulehnen.

Knudsen befürchtet, dass sie in Zukunft ohne Versicherungsschutz dastehen könnte. "Die Vorstellung, dass Obamacare abgeschafft werden könnte, ist ein schauriger Gedanke", sagt sie. "Es würde mich persönlich treffen, da ich in einer kleinen Firma arbeite, die keine Krankenversicherung anbietet. Wir erhalten einen monatlichen Zuschuss, um eine Krankenversicherung über eine bundesstaatliche Internetseite zu kaufen. Sollte ACA abgeschafft werden, könnte es sein, dass ich durch meine Vorerkrankung keine Versicherung mehr abschließen kann. Und ich bin noch jung, ich bin noch keine 40."

Obamacare beliebt wie nie zuvor

Trumps Versicherungen, Obamacare durch eine bessere Regelung zu ersetzen, glaubt Knudsen nicht. "Er sagt eine Sache, und dann später, wenn es vor ihm wiederholt wird, sagt er: Nein, das habe ich nie gesagt."

Trotz steigender Versicherungskosten, mit einer durchschnittlichen Beitragserhöhung von 22 Prozent in diesem Jahr, ist Obamacare beliebt wie nie zuvor in der US-Bevölkerung. Eine aktuelle Umfrage für den Sender NBC News und das "Wall Street Journal" zeigt, dass 45 Prozent der US-Amerikaner das Gesundheitsgesetz für eine gute Idee halten. Es ist der höchste Wert seit dem Beginn der Umfrage zu diesem Thema im Jahr 2009. Noch bedenkenswerter für Trump ist die Tatsache, dass die Hälfte der Bevölkerung nur wenig oder gar kein Vertrauen darin hat, dass die Republikaner das aktuelle Gesetz verbessern werden.

Die Umfrage verdeutlicht zudem, dass die Meinung zu Obamacare stark von der politischen Orientierung der Befragten abhängt. So halten 80 Prozent der Anhänger der Demokraten das Gesetz für gut, aber nur 13 Prozent der republikanischen Wähler. Obwohl noch kein Gesetzesentwurf für eine Ersatzregelung vorliegt, haben republikanische Abgeordnete in der vergangenen Woche den ersten Schritt getan, um das aktuelle Gesetz Schritt für Schritt auseinanderzunehmen.

Für Knudsen und viele andere US-Amerikaner ist das rasche Vorgehen des US-Kongresses ein Zeichen dafür, dass sich auch mit Trump im Weißen Haus nichts an der Politik des Landes ändern wird. Viele Wähler haben den Eindruck, dass beide Parteien nur ihre eigenen Ziele verfolgen, ohne die Konsequenzen für die Bevölkerung zu bedenken. Knudsen räumt ein, dass Obamacare nicht perfekt ist. "Aber es wäre sinnvoller, die Fehler des Gesetzes auszubessern, statt es aus parteitaktischen Gründen zu verwerfen."

Quelle: n-tv.de

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