Politik

Gast bei "Klamroths Konter" Mohring kritisiert Umgang der CDU mit Rezo-Video

Tagelang bestimmte das CDU-kritische Video des Youtubers Rezo die politische Debatte. Der thüringische CDU-Chef Mohring spricht in der Sendung "Klamroths Konter" bei n-tv von einem "Kommunikationsdesaster" seiner Partei. Doch er redet mit Louis Klamroth auch über seine Krebserkrankung.

Der Thüringer CDU-Vorsitzende Mike Mohring hat den Umgang seiner Partei mit dem Video des Youtubers Rezo kritisiert. "Wir haben bei Rezo die Chance gehabt, eine Community zu erreichen, die uns sonst verschlossen geblieben ist", sagt Mohring in der Sendung "Klamroths Konter" bei n-tv. Doch die Chance, schnell zu antworten und mit eigenen Argumenten vorzudringen, habe man vertan. "Wir haben den Eindruck erweckt, als könne die CDU innerhalb von 24 Stunden so ein Video produzieren und gleichermaßen antworten. Das ist nicht authentisch."

Dass die Parteispitze erst ein Reaktionsvideo ankündigte, es dann aber wieder zurückzog, nennt Mohring ein "Kommunikationsdesaster". Stattdessen hätte man etwas anderes, Authentisches machen und Haltung zeigen können. Doch erste Reaktionen aus der Partei hätten die von Rezo vorgebrachte Kritik weggewischt. "Damit war die Chance, auf Augenhöhe zu kommunizieren, schon genommen", so Mohring. Das ärgere ihn an der Debatte.

In dem etwa einstündigen Video unter dem Titel "Die Zerstörung der CDU" kritisiert der Youtuber scharf die Politik der Partei. Er löste damit kurz vor der Europawahl eine hitzig geführte Debatte aus. Mittlerweile wurde der Beitrag mehr als 15 Millionen Mal aufgerufen.

Moderator Louis Klamroth spricht mit Mohring zudem über dessen Krebserkrankung, die er im Januar durch ein Facebook-Video öffentlich machte. "Ich habe lange überlegt, ob ich das Video mache", sagt Mohring dazu. "Weil ich natürlich nicht wusste, was gibt es für öffentliche Reaktionen, was passiert mit einem Politiker, der in der ersten Reihe steht, der im Wahljahr ist, der Spitzenkandidat ist." Aber er habe damals die Hälfte der Behandlung geschafft. Das sei eine ganz gute Gelegenheit gewesen, in die Öffentlichkeit zu treten. Bewusst habe er sich damals auch entschieden, weiter politisch aktiv zu sein, um "nicht nur im Krankenbett zu liegen und zu warten, was passiert".

"Klamroths Konter" läuft heute um 23:30 Uhr sowie Mittwoch um 17:30 bei n-tv sowie vorab bei n-tv.de.

Union soll Klima-Diskurs mitbestimmen

In der Sendung spricht sich Mohring außerdem gegen die Einführung einer CO2-Steuer aus. "Absolut würde ich keine CO2-Steuer unterstützen", sagt er. Mit einem Malus-System könnten diejenigen unterstützt werden, die CO2 einsparen, sowohl in der Industrie, in der Wirtschaft, aber auch ganz persönlich.

Mohring verteidigt zudem die Klimapolitik der CDU: "In der Kanzlerschaft von Angela Merkel ist eine Menge passiert", sagt er und nennt etwa den Ausstieg aus der Atomkraft und den geplanten Kohleausstieg. Gleichzeitig gebe es jedoch "eine Wahrnehmung, die CDU würde in der Klimadebatte neben den ganzen Diskussionen stehen". Wichtig sei deshalb, dass "die Union auch eine eigene Idee hat und den Diskurs mitbestimmt". Gleichwohl habe er den Eindruck, "dass wir diesen gesellschaftlichen Fragen hinterherlaufen".

Der Politiker fordert außerdem ein Ende der Personaldebatten in der CDU. "Angela Merkel ist Kanzlerin bis 2021. Ich weiß gar nicht, was die Debatte um ihre Nachfolge soll." Stattdessen sollten die Parteien arbeiten und den Koalitionsvertrag umsetzen. "Da haben wir genug zu tun", so Mohring. Zudem helfe die Debatte nicht im Wahlkampf. "Die Leute erwarten ja gerade in Thüringen zu Recht, dass in Berlin die Arbeit gemacht wird."

Keine Koalition mit Linken und AfD

Klamroths Konter

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Für die Ende Oktober stattfindende Landtagswahl in Thüringen schließt Mohring eine Koalition sowohl mit der Linkspartei als auch mit der AfD aus. "Wir wollen Rot-Rot-Grün ablösen, deshalb stellt sich nicht die Frage, ob wir mit der Linkspartei koalieren wollen." Stattdessen strebt Mohring eine "Regierung der bürgerlichen Mitte" an. Von Moderator Klamroth auf ein Vierbündnis der CDU mit SPD, Grünen und FDP angesprochen, sagt der Spitzenkandidat: "Für den Umstand, dass (Ministerpräsident Bodo) Ramelow mit seiner Koalition keine Mehrheit mehr hat, müssen alle bereit sein, am Wahlabend auch nach 18 Uhr miteinander zu sprechen. Das muss ja Demokraten auszeichnen."

Auf die Frage nach der Möglichkeit einer Minderheitsregierung antwortet Mohring dagegen ausweichend. Er schließt sie nicht aus, sagt jedoch, dass diese nicht das Ziel sei. "Ich will eine stabile Regierung. Deswegen ist unser Wahlkampf darauf ausgerichtet, eine Regierung zu haben, die fünf Jahre hält. Eine Minderheitsregierung ist alles andere als stabil."

Quelle: n-tv.de, mli

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