Politik

Bizarres Athen in diesen Tagen Mülltonnen brennen - Merkel auf dem Klo

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Männlein oder Weiblein? Diese Frage wird derzeit im Athener "Café Nanos", sagen wir, originell beantwortet.

(Foto: Jan Gänger)

Das Leben in Athen geht weiter - irgendwie. Von Polizisten in Kampfmontur, vermummten Anarchisten und einer Begegnung ganz besonderer Art mit Wolfgang Schäuble und Angela Merkel.

In Exarchia brennen die Müllcontainer. Jugendliche haben sie in der Nacht auf die Straße gerollt und angezündet. "Das passiert regelmäßig", sagt ein Anwohner. Schließlich sei das hier das Viertel im Zentrum Athens, das als Quartier der Anarchisten gilt. "Doch heute ist es schon heftiger als normalerweise." In einer kaum erleuchteten Baulücke lauern derweil zwei Dutzend Polizisten in Kampfmontur. Es ist eine der zahlreichen unwirklichen Situation, in die man derzeit in der griechischen Hauptstadt gerät.

So schlendern gutgelaunte Touristen auf dem Weg zur Akropolis an Einheimischen vorbei, die an den Geldautomaten anstehen, um ihre 60 Euro Tageslimit abzuheben. Und in Supermärkten laden Griechen ihre Einkaufswagen mit Nudeln und Toilettenpapier voll. An diesem späten Abend in Exarchia, das an Berlin-Kreuzberg vor der Wende erinnert, fliegen an der Plateia Exarchion Flaschen in Richtung der Polizisten. Die schießen mit Tränengas auf eine Gruppe junger Männer, von denen sich einige Tücher vor Nase und Mund gebunden haben.

"Mit dem Referendum hat das nichts zu tun"

Das alles geschieht, während Athener und einige wenige Touristen in diesem beliebten Ausgehviertel in einer der zahlreichen Bars und Restaurants sitzen oder auf dem Weg nach Hause sind. Richtig gefährlich wirkt das nicht, das Ganze erinnert eher an ein immer wieder praktiziertes Ritual. Dennoch kann es auch unangenehm werden: So wurde Finanzminister Yanis Varoufakis im vergangenen April von einer Gruppe Autonomer bedroht, als er in einem Restaurant saß. Sie forderten den Politiker auf, "aus ihrem Revier zu verschwinden."   

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Ungewöhnlicher Ort, um dem Bundesfinanzminister zu begegnen.

(Foto: Jan Gänger)

Aber gegen wen richtet sich der Protest an diesem Abend? Das bleibt unklar. Ein junger Mann sitzt mit Hund auf einer Bank unter einem Baum, nippt an seiner Flasche Bier und schaut sich aus gebotener Entfernung das Geschehen in Ruhe an. Den Gästen aus Deutschland antwortet er bereitwillig: "Nein, mit dem Referendum an diesem Sonntag hat das nichts zu tun." Auch er bestätigt, dass der Kampf zwischen den jugendlichen Brandstiftern und den Ordnungskräften zwar nicht jede Woche, aber durchaus regelmäßig ausgefochten werde. "Die Polizei versucht, das Viertel zu kontrollieren. Aber das gelingt ihr nicht", sagt er - und wirkt dabei nicht so, als würde er das bedauern.

Und sonst so? Wartet die Pointe des Abends in Exarchia auf dem Klo eines Cafés. Wie überall auf der Welt muss sich der Gast auch in "Café Nanos" an der Themistokleous-Straße entscheiden: Damen oder Herren? Die Bebilderung der Toilettentüren macht die Sache einfach: Links prangt ein Foto des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, rechts eins der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist: Die Konterfeis kleben auch auf den Spülkästen - bizarr.

Quelle: n-tv.de

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